Hyundai Nexo: Wasserdampf im Rückspiegel

Der Hyundai Nexo ist eines der wenigen Serienautos mit Brennstoffzelle - und er fährt sich toll. Dennoch haben Pkw, die mit Wasserstoff fahren, hierzulande keine Zukunft.

Ein Test von Dirk Kunde veröffentlicht am
Brennstoffzellen-Pkw Hyundai Nexo: Mittelkonsole wie Lieutenant Sulus Schalttafel
Brennstoffzellen-Pkw Hyundai Nexo: Mittelkonsole wie Lieutenant Sulus Schalttafel (Bild: Dirk Kunde)

Als Kind fand ich Captain Kirk in der Fernsehserie Star Trek klasse. Doch wenn wir das nachgespielt haben, war ich lieber Lieutenant Sulu. Der saß an einer beeindruckenden Schalttafel und hatte die Enterprise im Griff. Im Hyundai Nexo kann ich meinem Vorbild noch einmal nacheifern. Auf der breiten Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen habe ich 40 Knöpfe und Drehräder unter meinen Fingern. Temperatur runter, Lautstärke rauf - und das 12,3 Zoll große Display soll mir meine Navi-Angaben zeigen.

Inhalt:
  1. Hyundai Nexo: Wasserdampf im Rückspiegel
  2. Keine Brennstoffzellen-Pkw in Deutschland
  3. Nachwachsende Rohstoffe im Innenraum

Der Nexo ist der absolute Gegensatz zu Teslas Elektroautos, in denen fast alles über ein Touch-Display gesteuert wird. Allerdings verstecken sich dort einige Funktionen in Untermenüs. Hier habe ich hingegen direkt jede Funktion im Griff. Optisch wirkt die Konsole altbacken, aber sie offenbart mit dem Direktzugriff ihren praktischen Nutzen.

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Der Hyundai Nexo ist absolut auf der Höhe der Zeit. In wenigen Schritten habe ich die Bluelink-App und das Auto verbunden. Damit kann ich das Auto aus der Ferne orten, öffnen, vorheizen und die verbleibende Reichweite ablesen. Meine Routen plane ich beim ersten Kaffee am Küchentisch und sende die Ziele ans Auto. Interessant ist auch der Blick auf die Auswertung vom Vortag: Wie weit bin ich gefahren, mit welchem Verbrauch und welcher Durchschnittsgeschwindigkeit?

Tanken will geplant sein

Für die Testfahrt benötige ich noch eine zweite App. H2.Live vom Anbieter H2 Mobility liefert einen Überblick der aktiven Wasserstofftankstellen in Deutschland. Das erledigt zwar auch das Navi im Nexo, aber die Daten sind nicht tagesaktuell. Eine Säule im Hamburger Westen ist defekt. Aufgrund der Coronapandemie kann ein Ersatzteil nicht sofort aus dem Ausland beschafft werden.

  • Der Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle (Bild: Dirk Kunde)
  • Wie viele Elektroautos ist er ein SUV. (Bild: Dirk Kunde)
  • Das Brennstoffzellensystem sitzt vorne. (Bild: Dirk Kunde)
  • Tanken an einer der gut 80 Wasserstofftankstellen in Deutschland (Bild: Dirk Kunde)
  • Die wuchtige Mittelkonsole erinnerte uns an das Schaltpult von Lieutenant Sulu auf der Enterprise. (Bild: Dirk Kunde)
  • Am Lenkrad lassen sich drei Rekuperationsstufen einstellen. (Bild: Dirk Kunde)
  • Praktisch: Eine Kamera am Außenspiegel zeigt, was sich im toten Winkel tut. (Bild: Dirk Kunde)
  • Die Rückfront (Bild: Dirk Kunde)
  • Der Kofferraum lässt sich ... (Bild: Dirk Kunde)
  • ... durch Umklappen der Rückbank vergrößern. (Bild: Dirk Kunde)
  • Die Beleuchtung ist mit LEDs realisiert. (Bild: Dirk Kunde)
  • In Ostasien hat die Brennstoffzelle mehr Bedeutung als bei uns. (Bild: Dirk Kunde)
Der Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle (Bild: Dirk Kunde)
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Tanken will also geplant sein, denn aktuell sind gerade einmal 83 Tankstellen aktiv - in ganz Deutschland. In diesem Jahr sollen es 100 werden, doch das Coronavirus könnte den Ausbau verlangsamen.

Ich tanke in den zwei Wochen dreimal, mehr aus Neugier als aus Notwendigkeit, die Reichweite des Nexo liegt bei 666 Kilometern (WLTP). Das Tanken klappt alle drei Male reibungslos und vor allem schnell. Von fast leer bis auf die maximal 6,33 kg in den drei Tanks dauert es fünfeinhalb Minuten.

Schnell tanken, hohe Reichweite, geringeres Gewicht

Einzige Besonderheit: Abgerechnet wird nach Kilogramm, ein Kilo kostet 9,50 Euro. Auf meinen 1.500 Testkilometern mit hohem Autobahnanteil liegt mein Verbrauch bei 1,1 kg pro 100 km (0,95 kg WLTP).

Somit zahle ich 10,45 Euro pro 100 km. Das geht mit Strom und Benzin günstiger, liegt aber an der Herstellungsmethode von Wasserstoff und der geringen Abnahmemenge für Autos. Wasserstoff wird hierzulande noch vorwiegend mit konventioneller Energie für die Bereiche Glas, Metallurgie und Chemie produziert. Eine industrielle Elektrolyse mit grünem Strom würde nicht nur die Mobilität CO2-frei, sondern vor allem auch günstiger gestalten.

Aber im Fall von Wasserstoff fehlt beides, also Henne und Ei. Es gibt kaum Serienfahrzeuge, wenige Tankstellen und fast keinen grünen Wasserstoff. Dieser Teufelskreis wird in Deutschland so bald nicht durchbrochen, zumindest nicht bei Pkw.

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Keine Brennstoffzellen-Pkw in Deutschland 
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CptBeefheart 24. Jun 2020

Absolut korrekt! Es ist in näherer Zukunft daher technisch auch nicht möglich einen...

CptBeefheart 08. Jun 2020

"Schnelles Tanken, hohe Reichweite und geringeres Fahrzeuggewicht (der Hyundai Nexo wiegt...

Copper 08. Jun 2020

Im Prinzip ja, aber die Resultate streuen enorm. Kommt darauf an, ob der Hersteller da...

Eheran 08. Jun 2020

Diese Salzwüste. wo ein paar Dutzend Leute wohnen, welche jetzt tiefere Brunnen...

Copper 08. Jun 2020

Ist mir auch aufgefallen. Entweder kWh statt kW oder Leistung statt Energie, in beiden...



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