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Hyundai Ioniq 5 im Praxistest: Der Unvollendete

Der Hyundai Ioniq 5 könnte ein sehr gutes Elektroauto in seiner Preisklasse sein. Leider erlauben sich die Koreaner einige Schwächen bei der Software.
/ Friedhelm Greis
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Der Hyundai Ioniq 5 hat trotz vieler Vorteile auch einige Schwächen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der Hyundai Ioniq 5 hat trotz vieler Vorteile auch einige Schwächen. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Es ist selten ein Elektroauto auf den Markt gekommen, das mit so vielen Vorschusslorbeeren bedacht wurde wie der Ioniq 5. Mit einer hohen Ladegeschwindigkeit, vielen Assistenzsystemen und großzügigem Innenraum greift Hyundai sogar die elektrische Oberklasse an . Doch im Praxistest zeigt sich, dass das koreanische Unternehmen an einigen Stellen noch nicht mit der Konkurrenz von Mercedes, Tesla oder selbst VW mithalten kann. Und dass man bei zu vielen Schaltern und Funktionen schon mal den Überblick verliert.

Der Ioniq 5 ist nach dem Ioniq Elektro und dem Kona Elektro der dritte vollelektrische Pkw von Hyundai. Anders als die Vorgängermodelle basiert er auf der eigenständigen Elektroplattform E-GMP. Das 800-Volt-System des Fahrzeugs, das mit dem kroatischen Partner Rimac entwickelt wurde, ermöglicht laut Hyundai Ladeleistungen von bis zu 220 Kilowatt (kW). Um es vorwegzunehmen: Diese Leistung wurde in unserem Test nicht annähernd erreicht.

Kantiges Design im Pixel-Look

Mit einer Kapazität von bis zu 72,6 Kilowattstunden (kWh) ist der Akku im Vergleich zu dem des VW ID.4 oder dem des Tesla Model Y (beide 77 kWh) etwas kleiner, jedoch größer als beim Mercedes EQA (66,5 kWh). Damit soll der Ioniq 5 in der Allradversion und mit 19-Zoll-Felgen nach WLTP bis zu 460 km weit kommen. Die Version mit Heckantrieb soll mit einer Akkuladung sogar bis zu 481 km schaffen.

Hyundai Ioniq 5 getestet
Hyundai Ioniq 5 getestet (07:28)

Der Ioniq 5 hebt sich mit seinem kantigen Äußeren stark von der Konkurrenz ab, die derzeit vor allem auf stromlinienförmige SUVs und Crossover-SUVs setzt. Schräge Linien, etwa der auffällige Knick in den Türen, oder quadratische Elemente wie die Scheinwerfer und das Pixeldesign der Heckleuchten bestimmen das Aussehen. Beinahe wirkt es so, als habe sich Hyundai nicht nur von dem Pony aus den 1970er Jahren inspirieren lassen , sondern auch von Teslas futuristischem Cybertruck .

Viele Hebel, Tasten und Schalter

Im Fahrzeuginnern geht es hingegen deutlich konventioneller zu. Der Ioniq 5 ist bei den Bedienungselementen praktisch der Gegenentwurf zu Teslas Model 3 oder Model Y. Wie viele Konkurrenzmodelle hat der Ioniq 5 zwei miteinander verbundene Displays hinter dem Lenkrad und über der Mittelkonsole. Während Tesla und auch BMW beim neuen iX die Anzahl von Schaltern und Hebeln möglichst reduzieren, weiß der Fahrer beim Ioniq 5 oft gar nicht, welche der vielen Tasten er gerade betätigen muss.

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So gibt es an jeder Seite des Lenkrads jeweils zwei Drück-Wipp-Schalter und vier Tasten. Hinzu kommen zwei Schaltwippen zur Rekuperation sowie ein Schalter für den Fahrmodus. Unter dem Infotainment-Display gibt es sieben weitere Knöpfe, Hebel und Taster sowie die berührungsempfindliche Leiste für die Steuerung der Klimaanlage. Links neben dem Lenkrad ist eine weitere Bedienungseinheit mit fünf Funktionen.

Die Vielzahl an Hebeln und Tasten hat jedoch ihren Grund.

Umfangreiche Assistenzsyteme

Hyundai bietet beim Ioniq 5 bis zu 21 Fahrassistenzsysteme an. Alleine die Bedienungsanleitung dieser Systeme umfasst 180 Seiten. Vom "manuellen Geschwindigkeitsbegrenzungsassistenten (MSLA)" über die "navigationsgestützte intelligente Tempomatsteuerung (NSCC)" zur "Fahrhilfe auf der Autobahn (HDA)" – diese Systeme wollen alle aktiviert und gesteuert werden.

Zudem lassen sich über die Lenkrad-Schalter das Infotainmentsystem, die Telefonanbindung, die Freisprecheinrichtung und das Fahrer-Display bedienen. Drei Tasten des Systems lassen sich sogar mit Funktionen frei belegen, die man häufiger direkt benötigt. Das kann recht praktisch sein, wenn man sich die Tastenbelegung am Ende auch richtig gemerkt hat. Hilfreich ist auch die Taste für die Sendersuche über der Mittelkonsole. Mit dieser lässt sich zusätzlich die Navigationskarte ein- und auszoomen.

Gespart hat sich Hyundai hingegen einen Intervallschalter für den Scheibenwischer. Leider funktioniert die Automatik nicht so gut, um bei leichtem Regen die Scheibe zu reinigen. Ein typisches Beispiel dafür, dass automatische Systeme eher nerven, wenn sie nicht zuverlässig funktionieren. Das gilt auch für die Fahrerassistenzsysteme.

Verkehrszeichen werden oft nicht erkannt

Bei den Funktionen selbst reicht Hyundai noch nicht ganz an die Oberklasse wie Mercedes-Benz oder BMW heran. Das gilt beispielsweise für den Autobahnassistenten in Verbindung mit dem intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzungsassistenten (ISLA). Letzterer kann die Geschwindigkeit anhand erfasster Verkehrszeichen und Navigationsdaten selbständig anpassen.

Doch die Tempolimits werden auf der 1.600 km langen Testfahrt häufig nicht richtig erkannt. Vor allem in Baustellen werden 60-km/h-Schilder ignoriert – selbst wenn sie mit dem Hinweis "Radar" darauf aufmerksam machen, dass eine überhöhte Geschwindigkeit teuer werden dürfte.

Wenn das erkannte Limit nicht mit der tatsächlichen Geschwindigkeit übereinstimmt, wechselt das System in den "manuellen Geschwindigkeitsbegrenzungsassistenten" . Dadurch kann es auch dann nicht mehr die Geschwindigkeit anpassen, wenn das nächste Limit wieder richtig erkannt wird. Daher ist man als Fahrer doch sehr häufig damit beschäftigt, mit dem richtigen Wippschalter die Geschwindigkeit manuell anzupassen.

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Freihanderkennung besser als bei Tesla und Opel

An sich funktionieren der Abstandregeltempomat und der Lenkassistent aber recht zuverlässig. Nur bei wenigen Autobahnabschnitten eierte der Ioniq 5 ein wenig in der Spur herum. Im Stau bremst und beschleunigt das Auto selbstständig, hält sich aber mitten in der Spur und bildet anders als bei Mercedes nicht automatisch eine Rettungsgasse.

Die sogenannte Freihanderkennung funktioniert nicht so gut wie bei deutschen Oberklasse-Modellen, aber besser als bei Tesla und Opel. So reicht es nicht aus, das Lenkrad mit beiden Händen zu berühren, um die Warnhinweise zu deaktivieren. Selbst die Betätigung einer der vielen Lenkradtasten genügt dem System nicht als Nachweis, dass man die Hände am Lenkrad hat. Im Gegenteil: Solange der Warnhinweis aktiv ist, sind die Tasten deaktiviert.

Allerdings reicht ein sehr geringes, kaum wahrnehmbares Lenkmoment aus, um die Warnung zu deaktivieren. Dieses Moment hat keinen Einfluss auf die Fahrtrichtung des Autos, sodass es nicht zu ungewollten Bewegungen in der Fahrspur kommt. Selbst eine leichte Berührung mit dem Knie kann die Warnhinweise abschalten. Eine kapazitive Erkennung wäre dennoch komfortabler.

Was die speziellen Funktionen für die Elektromobilität betrifft, hinkt Hyundai derzeit der Konkurrenz in einigen Punkten hinterher.

Navigation kann keine Ladestopps einplanen

So kann der Ioniq 5 auf längeren Fahrstrecken keine Ladestopps einplanen. Das führt teilweise zu absurden Hinweisen. Wenn das System merkt, dass die Akkuladung nicht für die komplette Strecke ausreicht, wird der Fahrer aufgefordert, vor dem Start bitte aufzuladen – selbst dann, wenn die Batterie schon komplett geladen ist.

Auf Knopfdruck zeigt das Navi immerhin die in der Nähe verfügbaren Ladestationen an. Diese lassen sich nach Anbieter und Ladeleistung sowie Nähe zu aktueller Position, Zielort und Cursorposition auf der Karte filtern.

Kurioserweise schlägt das Navi sogar Tesla-Stationen vor. Dabei sind diese – vorerst – noch gar nicht für andere Autohersteller freigegeben. Zudem werden auch solche Ladestationen als HPC-Lader angezeigt, die nur über eine Leistung von 50 kW verfügen. Dabei soll das High-Power-Charging (HPC) eigentlich Ladeleistungen von bis zu 350 kW ermöglichen.

Maximale Ladeleistung bei Test nicht erreicht

Auf unserer Testfahrt tanken wir an HPC-Ladern von Ionity, Aral, Shell und EnBW Strom. Dabei erscheint uns der Ioniq 5 wie eine Wundertüte, die jedes Mal mit einer anderen Ladekurve überrascht.

Die maximale Ladeleistung von 220 Kilowatt erreichen wir nie. An einer Ladesäule von Shell können wir mit bis zu 175 kW in 15 Minuten eine Kapazität von 40 Kilowattstunden nachladen. Das entspricht fast 200 Kilometern Reichweite und ist ein sehr guter Wert. Selbst beim Ladeniveau von 80 Prozent beträgt die Leistung noch 147 kW, um dann in wenigen Sekunden auf 3 bis 4 kW einzubrechen.

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Keine Vorkonditionierung der Batterie möglich

Laut Hyundai (öffnet im neuen Fenster) lässt sich der Ladezustand der Batterie in 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent der Kapazität erhöhen. Das entspräche einer Durchschnittsleistung von mehr als 170 kW. Doch bei den Schnellladern von Ionity, Aral oder EnBW steigt die Ladeleistung trotz einer Ladespannung von mehr als 700 Volt nicht über 150 Kilowatt, obwohl kein anderes Elektroauto sich die Leistung der Station mit dem Ioniq teilen muss. Damit dauern die Ladevorgänge entsprechend länger.

Zudem dauert es eine gewisse Zeit, bis das Batterieheizsystem den Akku zum Schnellladen vorgewärmt hat. Eine Vorkonditionierung während der Fahrt ist nicht möglich. Das Heizsystem ist erst in den drei höheren Ausstattungspaketen vorhanden, während die Wärmepumpe nur in den beiden teuersten Paketen Techniq und Uniq integriert ist.

Das Beispiel macht deutlich: Die 800-Volt-Technik allein garantiert noch kein superschnelles Laden.

800 Volt alleine garantieren keine superschnelle Ladung

Zwar werden durch die höhere Spannung die Ladeströme im Gesamtsystem reduziert. Doch an der Fähigkeit einer Zelle oder eines Moduls, in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Menge an Energie aufzunehmen, ändert sich nichts. Das wird eher durch das Thermomanagement beeinflusst. Durch geringere Leitungsquerschnitte reduzieren sich zumindest Gewicht und Bauraum der Verkabelung.

Auf Anfrage von Golem.de teilte Hyundai mit, dass die 220 kW in der Praxis durchaus erreicht werden könnten. "Der Ladezustand der Batterie sollte vor Beginn der Ladung bestenfalls bei rund 10 Prozent liegen. Darüber hinaus ist es ratsam, die Ladung nach einer längeren Autobahnfahrt vorzunehmen, da dann die für die volle 220-kW-Schnellladung notwendige Batterietemperatur gegeben ist" , hieß es. Außerdem sei bei niedrigen Außentemperaturen die Ladeleistung der Ladesäulen niedriger. Doch besonders kalt (10 bis 15 Grad Celsius) war es bei den Ladevorgängen nicht.

Dennoch kann Hyundai mit anderen Elektroautos gut mithalten, auch wenn uns der Besitzer eines Porsche Taycans stolz seine Ladeleistung von 267 kW vorführt. Zudem lädt der Ioniq 5 normalerweise auch jenseits der 80 Prozent Akkukapazität noch recht flott mit mehr als 60 kW. Daher kann es sich lohnen, bei einer Ladepause noch einige Minuten für zusätzliche Reichweite zu verweilen.

230-Volt-Adapter nur bei teuerster Ausstattung

Einige weitere interessante Funktionen sind den teuren Ausstattungspaketen vorbehalten. So ist der 230-Volt-Adapter für die Ladebuchse nur im Uniq-Paket erhältlich, das 11.850 Euro kostet. Mithilfe dieses Adapters lässt sich beispielsweise ein anderes Elektroauto oder ein E-Bike aufladen sowie ein elektrisches Gerät mit bis zu 3,6 kW betreiben. Das funktioniert bei unserem Test gut. Allerdings rät Hyundai in der Bedienungsanleitung davon ab, leistungsintensive Haushaltsgeräte wie Klimaanlage, Waschmaschine oder Trockner anzuschließen.

Eine weitere 230-Volt-Steckdose findet sich unter der Rücksitzbank. Diese gibt es bereits im Techniq-Paket, das zusätzliche 8.500 Euro kostet. Um eine ungewollte Entladung des Akkus zu verhindern, lässt sich bei der Nutzung von V2L (Vehicle to load) die Restkapazität im Infotainmentsystem zwischen 20 und 80 Prozent einstellen.

Totwinkelassistent mit Monitor

Eine sehr sinnvolle Funktion, nicht nur für Lkw-Fahrer, ist der sogenannte aktive Totwinkelassistent mit Monitoranzeige. Beim Betätigen des Blinkers wird im Kombidisplay die Aufnahme der Außenspiegelkamera eingeblendet. Das ist sehr hilfreich beim Rechtsabbiegen in der Stadt oder beim Spurwechsel auf der Autobahn. Die Funktion ist im Uniq-Paket sowie im Park-Paket enthalten. Letzteres lässt sich für 1.200 Euro zu den Paketen Dynamiq und Techniq hinzubuchen.

Das Park-Paket verfügt zudem über eine Rundumsicht, die beim Einparken sehr hilfreich ist. Die Notbremsfunktion soll Kollisionen beim Rangieren verhindern.

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Solardach liefert wenig Strom

Über Sinn und Zweck des Solardachs, das sich für zusätzliche 1.500 Euro zum Uniq-Paket hinzubuchen lässt, kann man hingegen streiten. Mit einer Peakleistung von 205 Watt soll man laut Hyundai bis zu 2.000 km Reichweite im Jahr gewinnen können. Unser Testwagen hat in den drei Monaten seit der Zulassung allerdings nur 19 kWh erzeugt. Das reicht gerade einmal für 100 Kilometer.

Für den Preis von 1.500 Euro ließe sich theoretisch eine Reichweite von 20.000 bis 25.000 km laden. Daher müsste der Ioniq 5 schon sehr lange in der Sonne stehen, damit sich das Geld für das Solardach amortisiert.

Wie nicht anders zu erwarten war, lag der tatsächliche Verbrauch auf unserer Testfahrt deutlich höher als von Hyundai nach WLTP angegeben.

Verbrauch bei mehr als 20 kWh pro 100 km

Bei Geschwindigkeiten um die 120 bis 130 km/h auf der Autobahn verbrauchte der Ioniq 5 etwas mehr als 20 Kilowatt pro 100 Kilometer. Das ergibt realistische Reichweiten von rund 330 bis 370 Kilometer. Bei der Version mit Heckantrieb dürften es einige Kilometer mehr sein.

Das Tesla Model Y hat bei einem Test von Golem.de trotz stärkerer Motorisierung deutlich weniger verbraucht.

Mit der kombinierten Leistung von 225 kW (305 PS) ist der Allradantrieb nicht gerade übermotorisiert. Dennoch soll der Ioniq 5 bei einem Drehmoment von 605 Nm in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Am langsamsten kommt die Variante mit kleinem Akku und Heckantrieb vom Fleck. Mit einer Motorleistung von 125 kW (170 PS) schafft sie es in 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Komfortable Innenausstattung

Da alle Varianten erst bei 185 km/h abgeregelt werden, ist ein flottes Fortkommen auf der Autobahn durchaus möglich. Dabei steigt der Verbrauch aber in den Bereich von 40 kWh pro 100 km. Angesichts der hohen Ladegeschwindigkeit und der inzwischen stark gestiegenen Dichte an Schnellladern entlang deutscher Autobahnen ist der Ioniq 5 aber voll langstreckentauglich.

Das gilt auch für die komfortable Innenausstattung. Zwar ist Ioniq 5 etwa 10 cm kürzer als das Model Y, jedoch 5 cm länger als der ID.4. Allerdings übertrifft der Ioniq 5 mit seinem exakt 3 m großen Radstand die VW-Konkurrenz um mehr als 20 cm. Aus diesem Grund lassen sich die Rücksitze in der Uniq-Version sogar elektrisch vor und zurück bewegen, wenn für zusätzlich 1.100 Euro das Relax-Paket geordert wurde. Dieses Paket umfasst zusätzlich Fahrer- und Beifahrersitze mit Relax- und Memory-Funktion sowie Außenspiegel mit Memory-Funktion.

Die Relax-Komfortsitze verteilen laut Hyundai "den Druck und das konzentrierte Gewicht auf bestimmte Körperteile" . Man soll diese Funktion jedoch nicht bei fahrendem Fahrzeug verwenden, da dies die Verletzungsgefahr bei einer Kollision oder einer Vollbremsung erhöhen kann.

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Mittelkonsole verschiebbar

Ungewöhnlich für ein Elektroauto ist zudem die Möglichkeit, die Mittelkonsole um bis zu 14 cm zu verschieben. Das macht den Innenraum zwar etwas variabler, sollte aber kein Grund sein, sich deshalb für die beiden teureren Ausstattungsvarianten zu entscheiden.

Zumal die Mittelkonsole nur über USB-Buchsen verfügt, mit denen das Handy geladen werden kann. Eine Verbindung mit Apple Car oder Android Auto ist nur über eine weitere USB-Buchse unterhalb der Klimasteuerung möglich, die nicht gut zu erreichen ist. Zwar lassen sich die Audio- und Telefonfunktionen über Bluetooth einbinden, nicht jedoch Apple Car und Android Auto. Deren Einbindung funktioniert jedoch problemlos, was auch für die Wechsel zwischen Smartphone-Apps und Infotainment gilt.

Reisetauglicher Stauraum

Die Nutzung des Infotainmentsystems ist per Lenkradtasten, Touchdisplay und Sprachsteuerung möglich. Dabei funktioniert die Spracherkennung sehr unterschiedlich gut. Im Menüpunkt EV zeigt das System spezielle Funktionen für den Elektrobetrieb an. Dazu zählt der aktuelle Stromverbrauch verschiedener Systeme wie Akkupflege, Elektronik, Klimaanlage und Fahrbetrieb.

Die Darstellung von Geschwindigkeit und Verbrauch im Kombidisplay ist etwas gewöhnungsbedürftig. Diese ähnelt einer Straße mit rechts und links ansteigenden Böschungen. Etwas albern wirkt die rote Einfärbung der Zahlen und Säulen im Sport-Modus. Das würde eher zu einem Mercedes AMG oder Porsche passen.

Durchaus reisetauglich ist der Stauraum des Ioniq 5. Das Kofferraumvolumen beträgt 527 Liter, mit umgeklappten Rücksitzen fast 1.600 Liter. Unter der Kofferraumabdeckung gibt es noch zusätzlichen Platz, beispielsweise für Ladekabel. Auch unter dem Motorraum gibt es noch ein bisschen Stauraum. Mit 24 Litern ist dieser bei der Allradversion aber recht klein, bei der Variante mit Heckmotor ist das Fach mit 57 Litern mehr als doppelt so groß.

Fazit und Verfügbarkeit

Auf unserer Testfahrt hat sich gezeigt, dass der Hyundai Ioniq 5 noch längst nicht das Über-Elektroauto ist, das europäische Hersteller oder Tesla das Fürchten lehrt. Das 800-Volt-System soll zwar hohe Ladeleistungen von mehr als 200 kW ermöglichen, doch diese werden längst nicht bei allen Ladevorgängen an HPC-Ladern erreicht.

Die fehlende Planung von Ladestopps bei längeren Fahrten ist ein echtes Manko. Ob dieses künftig durch Software-Updates behoben werden kann, ist unklar. Nach Angaben von Hyundai ist das Fahrzeug ist grundsätzlich in der Lage, Software-Updates "over the air" durchzuführen. "Wann die erste Aktualisierung hierüber erfolgt, steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest," hieß es.

Die zahlreichen Assistenzsysteme reizen die Möglichkeiten des teilautomatisierten Fahrens nach Stufe 2 weitgehend aus. Jedoch führen häufige Fehler bei der Verkehrszeichenerkennung dazu, dass Fahrer ständig manuell die Geschwindigkeiten anpassen müssen. Dies ist wegen der überfrachteten Lenkradbedienung nicht so komfortabel möglich wie bei anderen Herstellern.

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Solardach und Relaxpaket verzichtbar

Die Ausstattung des Ioniq 5 kann sich durchaus sehen lassen. Allerdings sind Funktionen wie die elektrische Heckklappe oder ein Head-up-Display nur im teuersten Ausstattungspaket Uniq verfügbar. In Verbindung mit dem großen Akku und dem Allradantrieb liegt der Preis nach Abzug der Kaufprämie in Höhe von 9.570 Euro dann bei 51.180 Euro. Verzichtbar scheinen das in unserem Testauto vorhandene Solardach und das Relaxpaket.

Wer sich mit dem 55-kWh-Akku, dem Heckantrieb und der Basisversion zufriedengibt, erhält mit einem Preis von 32.330 Euro ein vergleichsweise günstiges Elektroauto. Dessen Ausstattung ist mit Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent, Rückfahrkamera und den beiden großen Displays im Alltag im Grunde ausreichend. Wer auf zusätzliche Assistenzsysteme wie Verkehrszeichenerkennung Wert legt, sollte dann lieber zu Anbietern greifen, die dies besser beherrschen.

Verbrauch könnte niedriger sein

Beim Energieverbrauch gibt es ebenfalls noch Luft nach oben. Hier liegt sogar Mercedes-Benz mit seiner Luxuslimousine EQS deutlich unter den Werten des Ioniq 5. Dass die Koreaner auch deutlich sparsamere Elektroautos bauen können, haben sie mit Kona Elektrik schon bewiesen .

Doch mit dem Ioniq 5 wollte Hyundai offenbar ein optisch auffälligeres Statement und sich mit dem 800-Volt-System in der Mittelklasse technisch an die Spitze setzen. Damit gewann das Modell bereits die Auszeichnung German Car of the Year im Elektrosegment. Bislang wurden bereits 4.100 Exemplare des Koreaners zugelassen. Wer jetzt einen Ioniq 5 bestellt, muss zudem nicht lange auf die Auslieferung warten. Die Fahrzeuge sind laut Hyundai im Handel sofort verfügbar.

Vielleicht können die künftigen Modelle auf der E-GMP-Plattform aber nicht nur viele Vorschusslorbeeren, sondern auch Praxiserfolge einheimsen. Die Mission des Ioniq 5 gilt es noch zu vollenden.


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