Hyper Casual Games: 30 Sekunden spielen, 30 Sekunden Werbung

Ob im Bus oder im Wartezimmer: Mobile Games sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Hyper Casual Games sind ihr neuestes Untergenre. Dahinter steckt eine effiziente Designphilosophie - und viel Werbung.

Artikel von Daniel Ziegener veröffentlicht am
Für ein 30-Sekunden-Level reicht es allemal in der Warteschlange.
Für ein 30-Sekunden-Level reicht es allemal in der Warteschlange. (Bild: Anthony Wallace / Freier Fotograf / AFP)

"Die Genialität einer Konstruktion liegt in ihrer Einfachheit, kompliziert bauen kann jeder", soll Weltraumpionier Sergei Koroljow einmal gesagt haben. Mit diesem Zitat beschreibt auch der Spieledesigner Bernd Beyreuther die Idee hinter dem Schlagwort Hyper Casual, das momentan die Mobile-Game-Industrie beherrscht. Als Studioleiter ist er bei Softgames für die Entwicklung neuer Spiele verantwortlich.

Inhalt:
  1. Hyper Casual Games: 30 Sekunden spielen, 30 Sekunden Werbung
  2. Ausgezeichnetes Gamedesign

"Die Titel, die heute im Appstore erfolgreich sind, schaffen es, dass du sie immer wieder und wieder in die Hand nimmst", sagt er Golem.de im Gespräch über den Trend. Die Appstore-Charts geben ihm recht: Das am häufigsten heruntergeladene Spiel des letzten Jahres war laut der Analysefirma App Annie weder PUBG Mobile noch Candy Crush Saga, sondern Helix Jump.

Eine Partie in dem simplen Reaktionsspiel, das sich mit einem Finger steuern lässt, dauert keine 30 Sekunden. Trotzdem ist es beliebter als die komplexeren Spiele bekannterer Marken. Mit Werbeeinblendungen monetarisieren solche kostenlosen Hyper Casual Games erfolgreich die kleinen Lücken im Alltag: im Bus, im Wartezimmer, auf der Toilette.

Arcadespiele mit Werbepause

Geprägt wurde der Begriff Hyper Casual von Trey Smith. Der Spieleentwickler hat mit Crushing Hyper Casual Games ein Buch über den kommerziellen Erfolg im Appstore veröffentlicht. Er definiert den Begriff über die Einfachheit der Spiele: "Alles, von der Steuerung bis zur Grafik, ist darauf ausgelegt, ein möglichst breites Publikum mit schnellem, süchtig machendem Gameplay zu erreichen. Kurz gesagt, sind sie einfach zu erlernende, schwer zu meisternde Arcadespiele für ein Massenpublikum."

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Dass sich Mobile Games vor allem über Werbung finanzieren, ist nicht der Normalfall. Da sich anders als auf Konsolen klassische Preismodelle für Apps aber nach wie vor kaum durchsetzen, bleibt die Monetarisierung eine große Herausforderung. "Mobile Games hatten Werbung als wichtigen Pfeiler für den Umsatz lange nicht wirklich im Blick", sagt Beyreuther. Branchenführer King etwa verzichtete seit 2013 zugunsten von Mikrotransaktionen vollständig auf Werbung, führte sie aber vor zwei Jahren doch wieder ein.

  • Bernd Beyreuther ist Studioleiter bei Softgames, einem Entwickler von Mobile Games. (Bild: Softgames)
Bernd Beyreuther ist Studioleiter bei Softgames, einem Entwickler von Mobile Games. (Bild: Softgames)

Die Hyper Casual Games hätten gezeigt, dass sich auch mit Werbung gutes Geld verdienen lasse, so Beyreuther. "Man kann es billig machen", sagt er, "dann nervt's. Oder man kann es richtig machen, dann will es der Spieler sogar." Das Anschauen von Werbung ist deshalb mittlerweile oft freiwillig. Wer sich einen dreißigsekündigen Werbespot anschaut, wird dafür zum Beispiel mit einem zweiten Leben belohnt.

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Ausgezeichnetes Gamedesign 
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CSCmdr 05. Jun 2019

Tatsächlich konsumiere ich nur noch vereinzelt reguläres Fernsehen und dann meistens auch...

Daem 05. Jun 2019

Der Vergleich macht nur Sinn, wenn du diese Haushaltsgeräte, Toilette usw. kostenlos...

Daem 05. Jun 2019

Was für mich gar nicht geht, sind kurze Videos zwischendurch, die man nicht abbrechen...

CSCmdr 05. Jun 2019

Das würde mich auch brennend interessieren! Solche Spiele würde selbst ich auf mein...

CSCmdr 05. Jun 2019

+1 Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. :'-(



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