Sensoren als zentrale Bauteile für Roboter
Mikroelektromechanische Systeme, sogenannte Mems-Sensoren, sollen den Robotern eine Art Tastsinn ermöglichen. Bosch ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei der Mems-Produktion, die am Halbleiter-Standort Reutlingen eine zentrale Rolle spiele. "Ein Mensch hat vier Millionen Tastsensoren. Würde man Roboter bauen, die ebenso viele Sensoren haben, reichte die weltweite Sensoren-Produktion von vier Jahren gerade einmal für 12.500 Roboter", sagte Hartung laut Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster).
Neben den Sensoren sollen über die Tochterfirma Bosch Rexroth hochpräzise Elektromotoren und Servoantriebe die Bewegungen der Roboter ermöglichen. Zudem sollen KI-Systeme, die Bosch bereits in der eigenen Fertigung nutzt, den Robotern das Verständnis der Umgebung und ihrer Funktionen beibringen.
Roboter nicht mehr klassisch programmiert
In diesem Zusammenhang verglich Hartung die Steuerung der Roboter mit den automatisierten Assistenzsystemen von Fahrzeugen, die inzwischen bei etlichen Anbietern über sogenannte Vision-Language-Action-Modelle (VLA-Modelle) erfolgt. "Das ist wirklich der Unterschied, wenn wir jetzt über Humanoide reden oder über ein klassischen Industrieroboter. Den programmieren wir nicht", sagte der Bosch-Chef.
Doch welche Aufgaben sollen die Roboter künftig übernehmen? Und besteht ebenso wie bei KI-Modellen nicht die Gefahr, dass menschliche Arbeitskräfte ersetzt werden? Dieses Risiko sieht Hartung derzeit nicht. "Wir sind nicht bei Frankenstein", sagte er mit Blick auf mögliche Befürchtungen, dass die Roboter tatsächlich menschenähnliche Fähigkeiten entwickeln könnten. "Viele Dinge werden von Menschen getan werden müssen, weil es wird ein Kollege sein, der uns nicht ersetzen wird."
Hartung: Menschen haben immer was zu tun
Hartung hält es selbst auf lange Sicht für nicht möglich, dass humanoide Roboter ganze Handwerksberufe ersetzen und beispielsweise als Elektriker in der Lage seien, in der Wohnung eine Leitung zu reparieren. Aber es gebe möglicherweise andere Fähigkeiten, die robotisch zu erledigen seien. "Wir werden, glaube ich, diese robotischen Fähigkeiten brauchen, weil wir am Ende nicht genug Fachkräfte als Spezialisten haben für die verschiedenen Jobs", sagte Hartung.
Dabei gehe es nicht um spezielle Ingenieure, sondern auch um Pflegekräfte oder um ganz normale Funktionen im Krankenhaus, wie die Essensverteilung an Patienten. Darüber hinaus zeigte er sich überzeugt, dass Menschen auch in einer Roboterwelt genug zu tun haben werden. "Menschen haben immer Sachen gefunden, die sie tun können, auch sinnvoll, für andere Menschen", sagte Hartung.
Lob für Elon Musk
Zudem könnten Roboter in Bereiche vordringen, die Menschen aus physischen Gründen nicht zugänglich seien, beispielsweise auf dem Mond oder Mars, aber auch auf der Erde im Bergbau oder der Tiefsee. "Und dann können Roboter theoretisch schon Lernerfahrungen machen, die wir als Menschen so gar nicht machen können", sagte Hartung.
In diesem Zusammenhang äußerte er sich durchaus positiv über den Tesla-Chef; "Ich bin manchmal erstaunt, wie so ein Elon Musk sich äußert, aber ich finde das sehr spannend, weil wir müssen ein bisschen weiter vorausdenken". Im Moment werde "sehr viel über die negativen Aspekte des Lebens nachgedacht", daher sei es sinnvoll, "ein bisschen positiv über Zukunftsaspekte nachzudenken". Die künftige Welt könne "völlige neue Dimensionen eröffnen, um uns als Menschen weiterzuentwickeln".
Allerdings kam auch Hartung beim Ausblick auf die Zukunft nicht ohne Kritik an der aktuellen Technikregulierung in der EU aus. "Wir müssen echt aufpassen, dass wir mit unserer Regulierung nicht uns selber ein Bein stellen", sagte Hartung. Daher müsse Europa dafür sorgen, dass KI-Modelle auch verfügbar seien, sagte er mit Blick auf die Entscheidung von Apple, Siri AI zunächst nicht in der EU anzubieten. "Es sollte uns klar sein, jemand, der in China ein chinesisches KI-System benutzt, ein Amerikaner, der ein europäisches KI-System benutzt, und wenn dann der Europäer kein KI-System benutzt, dann hat er einen Nachteil. Das kann ein robotisches System sein, das kann ein Autosystem sein, das kann ein Sprachsystem sein."
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