Humanitarian OSM: Kästchen malen kann Leben retten

Vor dem heimischen Rechner sitzen und helfen, Menschenleben zu retten. Dank der Humanitarian Open Street Map ist das sehr leicht möglich. Die Teilnehmer der Fosdem sind von dem Projekt sichtlich bewegt und begeistert.

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Ohne Karte geht nichts - Helfer bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Sierra Leone nutzten die Open Street Map.
Ohne Karte geht nichts - Helfer bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Sierra Leone nutzten die Open Street Map. (Bild: Flickr.com CDC Global Health/CC-BY 2.0)

Zum Ende des Abschlussvortrages auf der diesjährigen Fosdem geht fast völlig unter, was Blake Girardot eigentlich noch sagen wollte - der Applaus und die Begeisterung für das von ihm vorgestellte Projekt, das Humanitarian Open Street Map Team (HOT) und deren Missing Maps, ist schlicht zu groß. Dabei wollte Girardot doch noch den unzähligen Open-Source-Entwicklern danken, ohne deren Arbeiten der Erfolg von HOT undenkbar wäre.

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Allerdings sind die von Girardot im Laufe des Vortrags erwähnten Beispiele für das Publikum offenbar so beeindruckend, dass es nur auf Grund von wenigen Kartenbildern und nackten Zahlen immer wieder Szenenapplaus gibt und der Vizevorsitzende von HOT am Ende nur noch schwer zu Wort kommt und mehrmals ansetzen muss, um seinen Dank doch noch aussprechen zu können.

Karten, die fehlen

Allein schon die Aussage im laufenden Vortrag, dass Millionen von Menschen in Gegenden leben, die auf keiner existierenden Karte verzeichnet sind, ist für Europäer extrem irritierend. Die Fosdem-Teilnehmer orientieren sich mit Hilfe ihrer Smartphones auf dem Uni-Campus, um zu den Vorträgen zu gelangen oder in der Stadt Brüssel, um schnell von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Notfalls auch per gedruckter Karte, die im Hostel oder Hotel ausliegt.

Dass es aber Häuser, Straßenzüge und ganze Großstädte mit Hunderttausenden oder gar Millionen von Einwohnern gibt, die nicht oder wenn überhaupt nur äußerst rudimentär kartographiert sind, ist angesichts der westlichen Lebensrealität schwer vorstellbar. Um das zu ändern, hat HOT mit Hilfe von Rot-Kreuz-Organisationen und Ärzte ohne Grenzen die Missing Maps gegründet.

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Vorgegebenes Ziel ist es, die "verletzlichen Menschen der Welt" auf einer Karte zu verzeichnen. Inzwischen sind 8 Millionen Menschen aus dem "globalen Süden", wie Girardot die wenig entwickelten Länder der Welt nennt, erstmals auf einer Karte repräsentiert.

Schnelle Katastrophenhilfe

Die enorme Stärke des HOT und seiner vielen Freiwilligen ist aber die schnell mobilisierbare Hilfe bei Katastrophen. Bei dem Ebola-Ausbruch im März 2014 etwa, war eines der am stärksten betroffenen Zentren die Stadt Guéckédou in Guinea. Auf den bis dahin vorhandenen Kartendaten war die Stadt aber nicht viel mehr als eine bloße Straßenkreuzung.

Doch in nur fünf Tagen haben es knapp 250 Freiwilligen geschafft, mehr als 90.000 Gebäude in die Open Street Map einzutragen. So ist ein vergleichsweise detaillierter Plan für eine Stadt mit geschätzt 250.000 Einwohnern entstanden. Das ist für viele Städte in den betroffenen Staaten Westafrikas in den folgenden Wochen und Monaten ähnlich umgesetzt worden.

Es gibt aber noch weitere erfolgreiche Beispiele, wie den Einsatz nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal vergangenes Jahr. In nur zwei Wochen nach dem Beben hatten mehr als 8.000 Beitragende über 13 Millionen Änderungen an den Karten vorgenommen. Der erste Ernstfall war das Erdbeben in Haiti im Jahr 2010.

Hilfe leicht gemacht

Die Ersthilfe ist dabei denkbar einfach und auch vom gemütlichen Wohnzimmersofa aus umzusetzen. Mittels Luftaufnahmen von Drohnen oder Satellitenbildern werden grundlegende Kartendaten angelegt. Um jedes Haus wird ein kleines Kästchen gezeichnet, Straßen sind einfache Striche. Organisationen wie dem Roten Kreuz reicht das oft schon aus, um schnell damit anfangen zu können, die Hilfe vor Ort zu organisieren.

Koordiniert wird diese erste Phase der Kartenerstellung über ein Wiki, Mailinglisten sowie selbst geschriebene grafische Werkzeuge, die den zu kartographierenden Bereich aufteilen und nach entsprechender Dringlichkeit sortieren.

Langfristig und quasi auch vorbeugend arbeitet HOT mit lokalen Helfern zusammen. Diese werden im Umgang mit den Werkzeugen geschult, dienen so als Multiplikatoren und können Informationen in die Karten eintragen, die nur durch Vor-Ort-Begehungen möglich sind wie der Verlauf von Stromkabeln oder die Unterscheidung einzelner Gebäude in Wohnhaus, Geschäft, Arztpraxis, Krankenhaus oder auch Schule.

Ebenso werden für Missing Maps regelmäßig sogenannte Mapathons veranstaltet, um nicht allein vom Sofa aus arbeiten zu müssen und Menschen auf Karten zu bringen.

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