Hubble-Teleskop: Der merkwürdige Zerfall des Kometen C/2025 K1
Normalerweise beobachten Astronomen das Auseinanderbrechen von Kometen meist erst Wochen oder Monate nach dem eigentlichen Ereignis, wenn die Trümmer bereits weit verstreut sind. Das Hubble-Weltraumteleskop hat den Zerfall des Kometen C/2025 K1 (Atlas) jedoch fast unmittelbar nach dem Ereignis dokumentiert(öffnet im neuen Fenster) . Das bietet neue Einblicke in die physikalischen Prozesse dieser Himmelskörper.
Der Fund war ein reiner Glücksfall, da der Komet lediglich als Ersatzobjekt für eine andere, technisch nicht durchführbare Beobachtung diente. Bei der Auswertung der Daten am nächsten Tag folgte für die Forschungsgruppe unter der Leitung der Auburn University (Alabama, USA) die Überraschung.
Seltsames Verhalten nach Annäherung an die Sonne
Die Aufnahmen entstanden kurz nachdem der Komet sein Perihel, den sonnennächsten Punkt seiner Bahn innerhalb der Merkurbahn, passiert hatte. Anstatt als heller Lichtpunkt am Nachthimmel zu erstrahlen, zeigte der Komet kurz nach seiner Annäherung an die Sonne ein merkwürdiges Verhalten.
Die enorme Hitze, also der thermische Gradient, und die damit verbundenen mechanischen Spannungen führten vermutlich zum Zerfall des etwa acht Kilometer großen Objekts. Die Daten zeigen jedoch, dass der Kern des Kometen nicht auf einmal zerbrach. Statt eines einzelnen Kerns zeigten die hochauflösenden Aufnahmen mindestens vier separate Fragmente, von denen jedes eine eigene Koma – die typische Hülle aus Gas und Staub – entwickelt hatte.
Unter der enormen thermischen Belastung und dem Druck entweichender Gase bildeten sich zunächst große Bruchstücke. Diese Fragmente waren instabil und zerfielen in den darauffolgenden Tagen und Wochen weiter in immer kleinere Teile. Dieser Prozess erklärt, warum der Komet nicht die erwartete Pracht entfaltete, sondern diffus wurde und schließlich verblasste – die reflektierende Oberfläche verteilte sich in einer Staubwolke.
Warum brach der Komet auseinander?
Die Beobachtung wirft jedoch auch neue Fragen auf. Während Hubble die Trümmer klar auflöste, verzeichneten Teleskope auf der Erde unmittelbar nach dem Zerfall keinen plötzlichen Helligkeitsanstieg. Wissenschaftler vermuten nun, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich nach dem Freilegen von frischem Eis eine ausreichend dicke Staubschicht bildet, die durch ausströmendes Gas ins All geschleudert wird und die Helligkeit steigert. Dieser Prozess wird als Staubschicht-Theorie bezeichnet.
Kometen sind schmutzige Schneebälle, die von flüchtigen Eisarten zusammengehalten werden. C/2025 K1 (Atlas) scheint jedoch eine besonders lockere Struktur gehabt zu haben. Die Studie stellt fest, dass die Gezeitenkräfte der Sonne allein nicht ausreichten, um ihn zu zerstören. Vielmehr war es der interne Gasdruck: Das Eis im Inneren sublimierte (wurde direkt gasförmig) so schnell, dass der Komet von innen heraus gesprengt wurde.
"Jedes Fragment, das wir beobachten, erzählt uns etwas über die chemische Zusammensetzung und die mechanische Festigkeit von Objekten aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems" , teilen die Studienautoren mit. Die Trümmer von K1 befinden sich derzeit im Sternbild Fische, etwa 400 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Da der Komet auf einer Bahn unterwegs ist, die ihn aus dem Sonnensystem herausführt, wird er vermutlich nie wieder zurückkehren.
Zur Forschungsarbeit
Der Beitrag wird in der 07/2026-Ausgabe der Fachzeitschrift Icarus veröffentlicht: Sequential fragmentation of C/2025 K1 (Atlas) after its near-sun passage(öffnet im neuen Fenster) (Sequenzielle Fragmentierung von C/2025 K1 (Atlas) nach seiner sonnennahen Passage).
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