Hubble Space Telescope: Kreiseltraining im Weltall

Hubble kommt wieder in den normalen Betrieb. Einmal aus- und wieder einschalten. Kräftig durchschütteln. Läuft wieder. Aber auch mit ausgefallenem Kompass wäre Hubble nicht verloren gewesen.

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Das Hubble Space Telescope nimmt bald wieder den normalen Betrieb auf.
Das Hubble Space Telescope nimmt bald wieder den normalen Betrieb auf. (Bild: Nasa)

Nach dem Ausfall eines Kreiselkompasses wurde das Hubble Space Telescope am 8. Oktober 2018 in einen Sicherheitsmodus versetzt, nachdem das Ersatzgerät Probleme machte. Inzwischen ist es den Ingenieuren der Nasa aber gelungen, den Kompass in Betrieb zu nehmen. Demnächst soll Hubble wieder in den normalen Wissenschaftsbetrieb übergehen.

Inhalt:
  1. Hubble Space Telescope: Kreiseltraining im Weltall
  2. Technik aus den 70er Jahren, aber die Show geht weiter

Im Lauf von 28 Jahren Betriebszeit hat das Hubble Space Telescope nicht nur mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auch mit technischen Defekten immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Nachdem das Debakel des falsch geschliffenen Hauptspiegels korrigiert wurde, waren es vor allem immer wieder ausfallende Kreiselkompasse, die zu Störungen im Betrieb führten. Bei jeder der über eine Milliarde US-Dollar teuren Servicemissionen wurden sie ausgetauscht.

Hubble wird alt

Insgesamt hat das alternde Teleskop sechs dieser Kompasse, jeweils zwei für jede Achse. Sie messen die Lage des Teleskops im Raum und erlauben es, das Teleskop im Weltraum mit Schwungrädern zu drehen und Ziele am Himmel anzuvisieren. Danach übernimmt die Feinkontrolle des Teleskops die Korrekturen bei Lageabweichungen während der Beobachtung eines Objekts. Sie besteht aus kleinen Kameras und Interferometern, die Sternpositionen exakt vermessen können. Zuvor muss das Objekt aber bereits recht genau anvisiert sein.

Diese Kreiselkompasse sind bei Hubble mechanische Bauteile, die einem gewissen Verschleiß unterliegen. Seitdem das Weltraumteleskop aber nicht mehr vom Spaceshuttle angeflogen wird, sind defekte Kreiselkompasse ein endgültiges Problem und kein Wartungsproblem mehr. Aufgrund der bisherigen Erfahrung wurde geschätzt, dass Hubble wohl zehn Jahre nach der letzten Wartungsmission von 2009 keine drei funktionierenden Kreiselkompasse mehr haben würde.

Der Neustart half nicht

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Probleme sind also jederzeit zu erwarten. Diesmal hatten die Betreiber Glück. Nachdem der Ersatzkreiselkompass zunächst falsche Daten lieferte, konnte er inzwischen wiederhergestellt werden. Nach eingehender Analyse entschieden sich die Ingenieure zunächst dafür, den Kompass für eine Sekunde aus- und dann wieder einzuschalten, in der Hoffnung, dass eventuelle Kalibrierfehler der Software so behoben würden.

Nachdem das nicht funktionierte, schüttelten sie ihn kräftig durch - in Form von vergleichsweise großen und abrupten Bewegungen des gesamten Teleskops. Die Vermutung dahinter war, dass der Ersatzkreisel, nachdem er über sieben Jahre nicht benutzt wurde, falsche Daten liefert, weil er sich nicht mehr exakt mittig im Lager befindet oder sich Verunreinigungen im Lager abgesetzt haben. Tatsächlich hatten die großen Bewegungen den gewünschten Erfolg.

Dass solche Technik in dem Teleskop überhaupt verwendet wird, liegt an seinem hohen Alter. Wie vieles in der Raumfahrt ist auch das Hubble Space Telescope ein Produkt des Kalten Krieges. Das Projekt begann 1978, wurde 1985 fertiggestellt, aber der Start verzögerte sich nach dem Challenger-Unglück bis 1990. Die Konstruktion orientierte sich an erprobter Technik aus den Spionagesatelliten der 1970er Jahre. Konkret sollen die KH-11-Kennen-Spionagesatelliten als Vorbild gedient haben.

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Technik aus den 70er Jahren, aber die Show geht weiter 
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