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Huawei Watch 4 Pro im Test: Sportlich-komplizierte Konkurrenz für die Apple Watch

Die Huawei Watch 4 Pro entpuppt sich als gelungenes Wearable für Sportler und den Alltag. Wenn das Drumherum nur etwas einfacher wäre!
/ Peter Steinlechner
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Das Standard-Zifferblatt der Huawei Watch 4 Pro (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)
Das Standard-Zifferblatt der Huawei Watch 4 Pro Bild: Peter Steinlechner/Golem.de

Eines haben die Designer von Huawei gut hinbekommen: Die Watch 4 Pro sieht auf den ersten Blick sehr eigenständig aus. Wir mussten jedenfalls nicht an die Apple Watch denken, als wir die Sportuhr das erste Mal an unser Handgelenk schnallten.

Nach und nach merkten wir aber, dass es doch erstaunlich viele Ähnlichkeiten gibt: Auch die Huawei Watch 4 Pro verfügt über eine drehbare Digitalkrone auf der Seite, dazu kommt eine Taste sowie Bedienung per Touch.

Und die Übersicht mit den Apps können wir exakt auf die gleiche Art wie bei der Apple Watch über den Bildschirm schubsen, um nach einer Anwendung zu suchen – das wurde quasi unverändert vom Konkurrenzmodell übernommen.

Es gibt noch weitere Parallelen, aber erst mal ganz grundsätzlich: Die Watch 4 Pro ist eine Smartwatch mit Sportfunktionen und einem recht hochauflösenden Amoled-Bildschirm. Das Wearable unterstützt eine eSim, so dass wir eine Reihe von Funktionen auch ohne gekoppeltes Smartphone nutzen können – ausprobiert haben wir das nicht.

Wir testeten die Uhr mit den Apps für Android und iOS. Hier wird es etwas kompliziert: Huawei Health für iOS bekommen wir einfach so im App Store als Download. Auf Android ist das wegen der Sanktionen gegen den Hersteller nicht möglich, hier müssen wir per Sideloading laden.

Einige Funktionen stehen dafür in der Android-App zur Verfügung, aber nicht unter iOS. Die offensichtlich wichtigste ist der App Store von Huawei, sprich: Wenn wir an das allerdings recht schmale Angebot kommen wollen, sind wir auf Android angewiesen.

Es gibt noch weitere Beschränkungen, beispielsweise im Hinblick auf Musik und kontaktloses Bezahlen. Unter Android gibt es eine Wallet, aber zumindest wir in Deutschland oder Europa können keine Kreditkarten hinterlegen, sondern lediglich Kundenkarten für Rabatte – zumindest haben wir das so verstanden. Welche Karten unterstützt werden, sagt uns die App nicht.

Wenn wir das alles ignorieren, bekommen wir mit der Watch 4 Pro dennoch eine sinnvoll nutzbare Smart- und Sportuhr mit gelungener Bedienung und dem SW5100-Chipsatz von Qualcomm. Alles funktioniert sehr schnell, Ruckler gibt es nicht. Lediglich die Aktivierung per Geste ist uns bei Sportaktivitäten viel zu langsam – das dürfte aber so von Huawei konfiguriert sein.

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Für Sport gibt es mehrere Profile wie Laufen und Radfahren, die grundlegenden Funktionen sind vorhanden. Und noch ein paar mehr: Beim Laufen etwa können wir gegen einen virtuellen Kontrahenten antreten, was auf dem Display ganz schick angezeigt wird. Über die App können wir uns durch das einfache Beantworten von Fragen durch die KI einen Trainingsplan erstellen lassen – klasse!

Die Werte der am Handgelenk gemessenen Herzfrequenz stimmen bis auf zwei oder drei Schläge mit unserer Referenz überein, auch die GPS-Daten wirken stimmig. Welche Modi zum Einsatz kommen, wissen wir nicht im Detail. Allerdings findet die Watch 4 Pro die Satelliten ungewöhnlich schnell und auch an schwierigen Orten.

Akkulaufzeit und Display

Sogar mitten im Gebäude war das Signal fast sofort da, was uns nur zufällig auffiel. Beim Herumprobieren mit anderen Wearables hatten wir wesentlich mehr Probleme, den GPS-Modus zu aktivieren, oder schafften es gar nicht.

Die Watch 4 Pro hat die von Huawei stammende Landkarten-App Petal Maps vorinstalliert. Hier wird es aber auch wieder etwas kompliziert, denn trotz mehrtägiger Beschäftigung ist uns nicht klar geworden, was denn nun wann funktioniert.

Beim Gebrauch lädt Petal offenbar die Umgebung um uns herum in den Speicher. Die Daten stehen dann auch ohne Smartphone oder WLAN immer zum Navigieren zur Verfügung. Nur: Wenn wir ohne Smartphone etwa das nächstgelegene Restaurant ansteuern wollen, klappt das nicht (eine ähnliche Funktion gibt es offline bei Garmin).

Was auch nicht möglich ist, oder was wir zumindest nicht gefunden haben: Wir können keine selbst angefertigten Routen (GPX) auf die Uhr laden, um etwa beim Wandern den Streckenhinweisen am Handgelenk zu folgen.

Das 1,5 Zoll große Amoled-Display verfügt über eine Auflösung von 466 x 466 Pixeln. Es zeigt brillante Farben und wirkt leuchtstark, aber in wirklich knallender Sonne ist es uns ein kleines bisschen zu dunkel – dann muss man sehr genau hinsehen, um etwas zu erkennen.

Die Laufzeit des Akkus mit einer Größe von 780 mAh gibt Huawei mit 4,5 Tagen im Standardmodus an. Ein Spezialmodus für ultralanges Tragen schafft laut Hersteller grundsätzlich 12 Tage, unter bestimmten Bedingungen sogar 21 Tage(öffnet im neuen Fenster) .

Hier wird es wieder mal kompliziert: Mit einem gekoppelten iPhone beträgt die Akkulaufzeit nämlich nur zwei Tage, sagt Huawei. Was es wiederum mit dem ultralangen Modus auf sich hat, ist uns nicht klar – laut Kleingedrucktem wird primär der Datenaustausch beschränkt.

In der Praxis aktivierten wir den Langlaufmodus ab und zu, was schön einfach über das Optionsmenü geht. Insgesamt kamen wir auf Akkulaufzeiten von rund drei Tagen, eine Stunde GPS-Aktivität kostet etwas mehr als 10 Prozent Akku. Durch die schön gemachten Always-on-Zifferblätter sinkt die Laufzeit um etwas weniger als die Hälfte.

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Auf der Watch 4 Pro gibt es natürlich Basisfunktionen wie Timer und Wecker, einen Schrittzähler, eine Schätzung des Kalorienverbrauchs, eine Schlafanalyse und weitere typische Funktionen von Sportuhren. Wir können ein Wearable-EKG anfertigen und die Elastizität unserer Arterien ermitteln lassen.

Auch die Hauttemperatur können wir messen – was nicht die Körpertemperatur ist. Statt hoffentlich um die 36,9 Grad bekommen wir hier Werte knapp unter 30 Grad, die wir aber im Laufe der Zeit vergleichen können. Außerdem können wir unsere Lunge testen, indem wir das Wearable anhusten.

Huawei Watch 4 Pro: Verfügbarkeit und Fazit

Das Gehäuse der Watch 4 Pro hat eine Größe von 47,6 × 47,6 × 12,9 Millimetern. Die von uns überprüfte Angabe von Huawei zur Dicke bezieht sich aber auf den Rand, in der Mitte ist die Uhr fast 17 Millimeter hoch.

Das Gewicht der Version mit Titanband liegt mit allen Gliedern bei rund 115 Gramm (nur Gehäuse ohne Band: rund 65 Gramm).

Das Band verfügt über einen Schnellverschluss, so dass es ohne großen Aufwand gegen andere Bänder getauscht werden kann. Es gibt aber keine Möglichkeit, das Titanband etwa im Sommer schnell ein bisschen zu verlängern.

Die Huawei Watch 4 Pro ist in der getesteten Version mit Titanband für rund 650 Euro erhältlich. Mit Silikonband sind 450 Euro fällig, mit Leder- oder Stoffband kostet das Wearable rund 550 Euro. Laut Huawei kann man damit bis zu einer Tiefe von 30 Metern tauchen.

Fazit

Die Huawei Watch 4 Pro punktet mit einem tollen Tragegefühl, einer hochwertigen Anmutung und der fantastischen Verarbeitung. Man muss sich nur mal die Schließe ansehen oder die kleinen Stifte zum Entfernen von Gliedern am Band.

Es gibt Schweizer Uhrenhersteller, die das nicht so gut hinkriegen. Allerdings ist die Watch 4 Pro ein Klopper und für mittlere und dünne Handgelenke nicht geeignet.

Das hohe Qualitätsniveau liefert die Watch 4 Pro nicht in allen Bereichen. Die Akkulaufzeiten sind uns für ein so großes Wearable im Standardmodus zu kurz, und das Display ist uns in sehr heller Sonne minimal zu schlecht ablesbar. Die Aktivierung per Geste ist im Alltag okay, beim Sport nervt uns die seltsame Verzögerung beim Einschalten.

Davon abgesehen macht die Bedienung aber dank aktueller Prozessoren und entsprechend flüssiger und ruckelfreier Bedienung viel Spaß, die drehbare Krone ist gut eingebunden.

Die Fitnessfunktionen finden wir gelungen. Die Ergebnisse der Checks und Auswertungen wirken stimmig. Beim Vergleich mit anderen Wearables etwa in Sachen Herzfrequenz am Handgelenk gibt es nur vernachlässigbare Unterschiede. Die gesammelten Daten werden zum Teil durchaus sinnvoll zusammengeführt.

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Größter Minuspunkt sind die App und das Ökosystem – auch wenn Huawei dafür wegen der Sanktionen zumindest zum Teil vermutlich wenig kann. Hilft aber nichts, wenn es kaum Anwendungen gibt und kontaktloses Bezahlen sowie andere Basisfunktionen gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Wer damit leben kann und dann noch Android-Nutzer ohne Scheu vor Sideloading ist, sollte trotzdem einen Blick auf die Watch 4 Pro werfen – das Wearable bietet viel fürs Geld. Anwendern mit iOS empfehlen wir hingegen die Apple Watch (Series 8 ab rund 500 Euro), die wesentlich mehr Funktionen bietet und viel besser ans Smartphone angebunden ist.


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