Huawei: Wartungsschnittstellen sind "keine Hintertüren"

Ein China-Thinktank, der selbst erklärt, dass Technik nicht seine Kernkompetenz sei, verschickt Studien über 5G-Sicherheitsrisiken durch Wartungsschnittstellen. Wir sprachen dazu mit Huawei.

Artikel veröffentlicht am ,
Huawei und Telekom zeigen 5G Network Slicing.
Huawei und Telekom zeigen 5G Network Slicing. (Bild: Huawei / Screenshot: Golem.de)

Wartung und Hintertüren sind keine Themen, die zusammengehören. Michael Lemke, Senior Technology Principal Huawei Deutschland, sagte Golem.de auf Anfrage: "Wartung und Hintertüren haben nichts miteinander zu tun. Beim Thema Wartung handelt es sich um einen regulären - zwischen Netzbetreiber und Hersteller vereinbarten - und vom Betreiber autorisierten Geschäftsvorgang ohne direkten Netzzugriff."

Lemke reagiert damit auf eine Warnung des Berliner Thinktanks Mercator Institute for China Studies (Merics), der in einer vertraulichen Abhandlung von angeblichen Sicherheitsrisiken durch die Verwendung von Huawei-Produkten im 5G-Netz spricht. Das Papier wurde am vergangenen Freitag an Regierungsbeamte, Parlamentarier und andere ausgewählte Empfänger verschickt und liegt dem Handelsblatt vor.

Darin heißt es: "Es gibt keine Unsicherheit darüber, dass chinesische Unternehmen wie Huawei einen 'Hintertür'-Zugang zum Netzwerk haben: Wir wissen, dass es ihn für Wartungszwecke gibt." Versicherungen von Huawei, Hintertüren, die sich Chinas Geheimdienstapparat zunutze machen könnte, existierten nicht, seien unglaubwürdig.

Zu dem Gegenstand sagte ein Merics-Sprecher Golem.de bereits am 28. Januar 2019: "Bitte haben Sie Verständnis, dass unsere China-Experten sich nicht zu technologischen Details äußern können, das ist nicht unsere Kernkompetenz."

Die Merics-Vertreter behaupten weiter, dass es keine Basis für die Annahme gebe, im Bereich "kritische Infrastruktur und Daten" vertrauensvoll mit chinesischen Unternehmen zusammenarbeiten zu können.

Ferner sei die Behauptung Huaweis irreführend, das Unternehmen könne vom chinesischen Staat rechtlich nicht gezwungen werden, vertrauliche Daten preiszugeben. Dieses Argument ignoriere "sowohl das neue Staatssicherheitsgesetz - einen zentralen Bestandteil der nationalen Sicherheitsgesetzgebung - als auch die tatsächliche Rechts- und Verwaltungspraxis", heißt es in dem Papier. Die chinesischen Behörden könnten Unternehmen wie Huawei unter Druck setzen, staatlichen Akteuren "Zugang zu kritischer Infrastruktur und Informationen zu gewähren, wenn dies technisch möglich ist".

Empirisch belegen kann der Thinktank seine Behauptungen jedoch nicht. Klaus Mühlhahn, Professor für chinesische Geschichte und Kultur an der FU Berlin, sagte: "Aber es ist falsch, pauschal anzunehmen, dass private Unternehmen willenlose Agenten des chinesischen Staates sind. Sie für ihre immer autoritärere Regierung zu bestrafen und den Zugang privater chinesischer Unternehmen zu westlichen Märkten generell zu behindern oder einzuschränken, wird die privaten Unternehmen schwächen. Und letztlich wird dies die Macht der Regierung in Peking stärken."

Huawei hat sich zu dem 2017 verabschiedeten chinesischen National Intelligence Law geäußert, wonach chinesische Organisationen und Bürger die nationale Geheimdienstarbeit unterstützen und daran mitarbeiten müssen. David Wang, Deputy Chef von Huawei Deutschland, sagte im Dezember 2018: "Wir würden niemals etwas tun, was die Interessen unserer Kunden verletzen würde. Wenn uns ein Gesetz dazu zwänge, würden wir lieber unseren Standort schließen und woanders hingehen."

Man nehme dieses Gesetz sehr ernst, betonte Wang. Nach der Veröffentlichung habe Huawei eine chinesische Anwaltskanzlei beauftragt, zu prüfen, "was dies für uns bedeutet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass keine chinesische Regierungsbehörde das Recht hat, Bürger oder Organisationen zur Spionage zu zwingen. Um zu erfahren, ob das in der internationalen Rechtsgemeinschaft genauso gesehen wird, haben wir eine weitere Anwaltskanzlei aus London engagiert, und sie kamen zu dem gleichen Ergebnis." Beide Rechtsgutachten liegen Golem.de vor.

Eric Xu, einer von drei rotierenden Huawei-Vorsitzenden, kritisierte in diesem Monat die US-Kampagne, die Regierungen dazu drängen will, Huawei-Ausrüstung zu verbieten. Xu fragte, ob die USA andere Motive hätten. "Einige sagen, dass es für die US-Dienste schwieriger wird, die Daten dieser Länder zu erhalten, weil sie Huawei-Ausrüstung verwenden."

Die USA verfügen zudem selbst nicht über Technologie, um 5G-Netzwerke zu errichten. Cisco hat hier nur Technik im Bereich Kernnetz, aber nicht für Radio.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Kommentator2019 22. Feb 2019

Es läßt sich nur wirrer Schmarrn, keine Argumentation entdecken zwischen Schnuller...

PSmith 22. Feb 2019

Mal als Info für die "China ist nicht böse"-Gläubigen: Wir haben bei uns in der...

Kommentator2019 22. Feb 2019

Die BIOS/FW-Geschichte, die Code in Windows einschleusen konnte, war jetzt nicht so...

MikeU 22. Feb 2019

Natürlich nicht. Was für eine Frage.... So etwas würden US-Firmen niemals machen.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Starship Troopers
Paul Verhoevens missverstandene Satire

Als Starship Troopers in die Kinos kam, wurde ihm faschistoides Gedankengut unterstellt. Dabei ist der Film des Niederländers Paul Verhoeven eine beißende Satire.
Von Peter Osteried

25 Jahre Starship Troopers: Paul Verhoevens missverstandene Satire
Artikel
  1. Azure DevOps: Die Entwicklerplattform, die es richtig macht
    Azure DevOps
    Die Entwicklerplattform, die es richtig macht

    Azure DevOps ist eine mächtige und ständig wachsende Plattform. Ich bin Fan - und zwar aus guten Gründen.
    Ein IMHO von Rene Koch

  2. Discounter: Netto bringt Balkonkraftwerk mit 820 Watt Peak
    Discounter
    Netto bringt Balkonkraftwerk mit 820 Watt Peak

    Netto hat ein Balkonkraftwerk mit 820 Watt (Peak) im Angebot, das direkt an eine Steckdose angeschlossen werden kann und die Stromrechnung reduzieren soll.

  3. Arbeit im Support: Von der Kunst, Menschen und Technik zu jonglieren
    Arbeit im Support
    Von der Kunst, Menschen und Technik zu jonglieren

    Geht nicht, gibt's oft - und dann klingelt das Telefon beim Support. Das Spektrum der Probleme ist gewaltig und die Ansprüche an einen guten Support auch. Ein Leitfaden für (angehende) Supportmitarbeiter.
    Ein Ratgebertext von Lutz Olav Däumling

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Samsung 980 PRO 1TB Heatsink 111€ • Patriot Viper VPN100 2TB 123,89€ • Corsair Ironclaw RGB Wireless 54€ • Alternate: Weekend Sale • WSV bei MediaMarkt • MindStar: XFX RX 6950 XT 799€, MSI RTX 4090 1.889€ • Epos Sennheiser Game One -55% • RAM-/Graka-Preisrutsch [Werbung]
    •  /