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Huawei Mediapad M2 10.0 im Test: Es scheppert, aber schreibt sich gut

Huawei preist sein neues Mediapad M2 10.0 explizit als Tablet für Audio-Fans an. Vier Lautsprecher sollen für besonders guten Klang sorgen. Außerdem ist es in der Premium-Edition mit einem Digitizer ausgestattet – der uns letzten Endes viel besser gefällt als die Lautsprecher.
/ Tobias Költzsch
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Das Huawei Mediapad M2 10.0 und der Stylus im Einsatz (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Huawei Mediapad M2 10.0 und der Stylus im Einsatz Bild: Martin Wolf/Golem.de

Das Mediapad M2 10.0 hatte einen unauffälligen Start: Auf der CES 2016 konzentrierte sich Huawei bei der Pressekonferenz stark auf das Smartphone Mate 8 – das neue Tablet wurde eher beiläufig erwähnt. Dabei hat der 10-Zöller einiges zu bieten: Vier Lautsprecher sollen einen voluminösen Klang bieten, zudem gibt es in der Premium-Version noch einen aktiven Digitizer dazu – für einen Preis von aktuell 450 Euro.

Huawei Mediapad M2 10.0 – Test
Huawei Mediapad M2 10.0 – Test (01:15)

Auch sonst ist das neue Mediapad auf dem Papier gut ausgestattet: Es hat einen Fingerabdrucksensor, eine 13-Megapixel-Kamera und den Prozessor aus Huaweis Android-Smartphone P8. Wie sich das Gerät damit schlägt, ob es tatsächlich über einen besseren Sound verfügt und was der Stift alles kann, hat sich Golem.de im Test angeschaut.

Direkt nach dem Auspacken fällt uns die hohe Verarbeitungsqualität des Tablets auf; Huawei folgt auch beim Mediapad M2 10.0 dem Design seiner aktuellen Mate-Smartphones. Das Gerät ist aus Metall, die Kanten sind abgeschliffen. Mit 7,4 mm ist das Tablet zudem recht dünn, das Gewicht liegt bei 490 Gramm. Damit ist es auch über einen längeren Zeitraum angenehm mit einer Hand zu halten.

Beim Anschalten bemerken wir, wie voluminös der Einschalt-Jingle klingt – ein erster Hinweis auf die vier Lautsprecher, auf die Huawei bereits bei der Vorstellung des Tablets auf der CES 2016 den Fokus gelegt hat. Sie sind in den vier Ecken des Gerätes untergebracht, wie Apple es beim iPad Pro gemacht hat.

Unten Bass, oben Höhen

Ebenso wie beim iPad Pro geben die unteren beiden Lautsprecher des Mediapad M2 10.0 basslastigere Frequenzen wieder, während die oberen beiden Lautsprecher eher höhenfixiert sind. Dadurch soll der Klang zusätzlich zum Stereoeffekt voluminöser klingen – insbesondere zusammen mit der Audioverbesserung Clarifi von Harman Kardon.

Vier Lautsprecher, die keine hohe Lautstärke mögen

Und tatsächlich klingt das neue Mediapad besser als viele andere Tablets: Bässe sind deutlicher wahrzunehmen, die Aufteilung der Frequenzen nach Höhen und Tiefen sowie die Anzahl der Speaker sorgen zudem für einen merklich räumlicheren Klang. Stellen wir das Tablet in einer Hülle im Querformat auf einen Tisch, sind die Bässe noch etwas besser, da sie von der Tischplatte reflektiert werden.

Die Audioverbesserung Clarifi verbessert das Klangbild ebenfalls. Einstellungen sucht der Nutzer hier vergeblich, zum Aktivieren muss lediglich eine Schaltfläche in der Clarifi-App gedrückt werden. Der Effekt ist der gleiche wie bei vielen anderen Klangverbesserungs-Programmen: Es wirkt, als ob ein Schleier von den Lautsprechern gezogen wurde. Musik klingt klarer und weniger muffig.

Bei dichter Sound-Kulisse scheppert es

Uns fällt allerdings auf, dass das Mediapad M2 10.0 ein Problem mit sehr dichter Musik und erhöhter Lautstärke hat. Hören wir etwa gitarrenlastige Rockmusik, nehmen die Bässe ab einer Lautstärke von ungefähr 70 Prozent deutlich an Wahrnehmungsgrad ab, während die Höhen aufdringlicher werden. Bei voller Lautstärke scheppert es dann gewaltig, einen Genuss für Audiophile stellen wir uns anders vor.

Auch bei anderen Musikstilen klingen die Lautsprecher des neuen Mediapads bei hoher Lautstärke nicht gut. Ob Jazz oder Klassik, ab der Schwelle von ungefähr 70 Prozent sind die Bässe fast gänzlich verschwunden, die Höhen dafür penetrant laut.

Lautsprecherausgabe dreht sich nicht mit

Außerdem dreht das Mediapad die Lautsprecherverteilung anders als das iPad Pro nicht mit: Stellen wir das Tablet auf den Kopf oder halten es im Hochformat, bleiben die Bässe und die Höhen auf den ursprünglichen Speakern. Das führt zu weniger gut klingenden und stellenweise verwirrenden Ergebnissen, der Stereo-Sound wird dadurch zerstört. Bedenkt man allerdings die Tatsache, dass Videos zumeist im Querformat geschaut werden, fällt dieser Punkt nicht allzu stark ins Gewicht.

Insgesamt betrachtet klingt das Mediapad M2 10.0 zwar bei moderaten Lautstärken besser als viele andere Tablets. Um es als Wunschgerät für Audiophile anpreisen zu können, fehlt uns aber letztlich doch etwas die Qualität – insbesondere bei hohen Lautstärken. De facto klingt der Jingle beim Start des Tablets am besten, Musik oder Videos klangen bei uns immer etwas weniger gut. Bässe sind zwar wahrnehmbar, aber nicht so präsent, wie wir uns das vor dem Test erhofft hatten.

Premium-Variante kommt mit gutem Eingabestift

Das Mediapad M2 10.0 ist in zwei Varianten erhältlich: der Standard- und der Premium-Version. Äußerlich identisch, sind sie sowohl technisch als auch vom Zubehör verschieden. Die Standard-Variante ist mit einem 2-GByte-Arbeitsspeicher und einem 16-GByte-Flash-Speicher ausgestattet, bei der Premium-Variante sind es 3 GByte RAM und 64 GByte interner Speicher. Das SoC ist mit dem Kirin 930 bei beiden Geräten das gleiche Modell, auch die restliche Hardware ist identisch – inklusive einem Steckplatz für Micro-SD-Karten.

Das IPS-Display hat bei einer Größe von 10,1 Zoll eine Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln. Bei einer Pixeldichte von 224 ppi sind Bildschirminhalte damit nicht mehr ganz scharf – bei näherem Hinsehen sind einzelne Pixel gut erkennbar, Schriften weisen einen Treppeneffekt auf. Mittlerweile wirkt diese Auflösung bei derart großen Tablets etwas veraltet. Die Farben sind satt und blickwinkelstabil, auch die Helligkeit nimmt bei spitzem Betrachtungswinkel nur geringfügig ab. Der Bildeindruck ist insgesamt sehr gut.

Huaweis S-Pen heißt M-Pen

Fast noch interessanter als die bessere Speicherausstattung finden wir beim Premium-Modell den mitgelieferten Digitizer, den Huawei M-Pen nennt. Der Stift arbeitet aktiv, er benötigt eine Batterie vom Typ AAA. Dank seiner 2.048 Druckstufen und einer pixelgenau wirkenden Eingabe ist der Stift äußerst präzise. So sind neben handschriftlichen Notizen auch Zeichnungen mit kleinen Details gut auf dem Mediapad möglich.

Der M-Pen hat zwei Bedienknöpfe. Der vordere dient als Funktionstaste, der hintere ruft die Radierfunktion auf. Bei der Funktionstaste hat Huawei sich zumindest teilweise großzügig von Samsung inspirieren lassen: Halten wir die Taste gedrückt und tippen mit dem Stift auf das Display des Mediapad M2 10.0, erscheint ein kleines Pop-Up-Menü, wie man es von den Note-Modellen der Konkurrenz aus Südkorea kennt.

Pop-Up-Menü und Screenshot-Funktionen

Hier finden sich Shortcuts zur Notiz-App Bamboo-Paper, zum E-Mail-Client, zum Rechner sowie zur Hilfe. Diese Verknüpfungen lassen sich nicht ändern. Als weitere M-Pen-Funktionen hat Huawei verschiedene Möglichkeiten implementiert, Screenshots aufzunehmen. Halten wir den Funktionsknopf des Stiftes gedrückt und tippen zweimal auf das Display, wird der gesamte Inhalt als Bild gespeichert. Kreisen wir einen Bereich ein, wird nur dieser als Screenshot gespeichert.

Ob Nutzer bei einem Tablet eine Digitizer-Unterstützung benötigen oder nicht, ist sicherlich Geschmackssache. Wir finden aber, dass Huawei mit dem M-Pen beim neuen Mediapad eine Menge richtig macht: Der Stift ist sehr präzise, gleichzeitig verfügt er über sinnvolle Zusatzfunktionen – wenn man denn einen Stift verwenden möchte.

Kirin-930-Prozessor aus dem P8

Von der Leistungsfähigkeit her ähnelt das Mediapad M2 10.0 nicht besonders überraschend dem Huawei P8 – von dem es den Prozessor übernommen hat. Der Kirin 930 ist ein Acht-Kern-SoC mit vier auf 2 GHz getakteten Kernen und vier auf 1,5 GHz getakteten Kernen. Insgesamt eignet sich der Chip sowohl für alltägliche Aufgaben als auch für anspruchsvollere Spiele – das Rennspiel Riptide GP2 etwa läuft problemlos auf dem Mediapad.

Benchmark-Ergebnisse im Mittelklassebereich

Im Geräte-Benchmark Geekbench 3.1 kommt das Mediapad M2 10.0 auf einen Single-Wert von 878 Punkten und einen Multi-Wert von 3.551 Zählern. Das sind dem Alter des SoCs angemessene Werte im oberen Mittelfeld. Im Grafik-Benchmark GFX Bench kommt das Tablet im T-Rex-Test auf einen Offscreen-Wert von 17 fps – ein Ergebnis im unteren Mittelklassebereich. Den anspruchsvolleren Manhattan-Test konnten wir nicht durchführen. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMarks erreicht das Gerät mit 12.498 Punkten auch eher ein Resultat in der Mittelklasse.

Die Hauptkamera auf der Rückseite des Mediapads ist auf dem Papier überraschend gut ausgestattet: Der Sensor hat 13 Megapixel, die Anfangsblende der Optik ist mit f/2.0 recht groß und es ist ein LED-Fotolicht verbaut. Die Frontkamera hat 5 Megapixel.

Die Bildergebnisse sind hingegen nicht besser als bei den meisten anderen Tablets: Für den gelegentlichen Schnappschuss reicht die Qualität aus, in das Bild hineinzoomen sollte der Nutzer aber nicht. Das Hintergrundrauschen ist bereits bei Tageslichtaufnahmen sehr deutlich, worunter auch die Schärfe leidet.

Fingerabdrucksensor reagiert schnell und zuverlässig

Im Home-Button des Tablets ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut. Über diesen lässt sich das Mediapad entsperren, was in unseren Versuchen schnell und problemlos funktioniert. Zusätzlich hat Huawei einige Wischgesten implementiert, die der Nutzer auch ausführen kann, ohne einen Abdruck zu registrieren – wenn er dies aus Sicherheitsgründen etwa nicht machen möchte.

Legen wir einen Finger auf den Home-Button, kehren wir zum Startbildschirm zurück – drücken lässt sich der Knopf nicht. Ein Wisch über den Button nach rechts (im Querformat) beziehungsweise nach oben (im Hochformat) ruft die Übersicht der aktuell genutzten Anwendungen auf. Ein Wisch nach links beziehungsweise unten entspricht der Zurück-Taste. Auch hier ist Huawei wie bei den Lautsprechern leider etwas inkonsequent: Anstatt dass die Gesten in jeder Lage in die gleiche Richtung ausgeführt werden können, muss die Ursprungsrichtung beibehalten werden. Das erfordert immer ein Mitdenken und kann zu Fehlbedienungen führen, die nerven.

Ausgeliefert wird das Mediapad M2 10.0 mit Android in der Version 5.1.1, auf dem Huaweis eigene Benutzeroberfläche Emotion UI (EMUI) 3.1 installiert ist. Wie bei anderen EMUI-Geräten gibt es keinen App-Drawer, stattdessen werden die Anwendungen direkt auf dem Home-Screen abgelegt. Zu den weiteren Besonderheiten von EMUI 3.1 gehören wechselbare Designs sowie eine Schnellsuchleiste, die durch einen Wisch nach unten im Startbildschirm aufgerufen werden kann.

Gute Akkulaufzeit und ausdauernder Standby-Modus

Der Akku des neuen Mediapads hat eine Nennladung von 6.660 mAh. Einen Full-HD-Film können wir bei voller Helligkeit fast 8 Stunden lang anschauen – ein guter Wert. Im Standby-Modus verliert das Tablet erfreulicherweise nur wenig an Akkuladung.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Mediapad M2 10.0 von Huawei ist in der Standard-Version nur mit WLAN-Modul aktuell für 340 Euro vorbestellbar, die LTE-Version für knapp 390 Euro. Lieferbar sind die beiden günstigeren Varianten des Tablets noch nicht.

Die Premium-Variante des Mediapads ist – wie von Huawei angekündigt – bereits jetzt erhältlich. In der Version nur mit WLAN kostet das Tablet 450 Euro, mit LTE-Modem 470 Euro. Zusätzlich zum Eingabestift erhalten Käufer noch eine Hülle, mit der sich das Tablet hinstellen lässt.

Fazit

Das Mediapad M2 10.0 hinterlässt bei uns einen gemischten Eindruck. Das Tablet gefällt uns von der Verarbeitung und vor allem aufgrund des in der Premium-Version mitgelieferten Stiftes. Von der durch den Hersteller so viel beworbenen Audioqualität sind wir hingegen nicht überzeugt.

Der Sound ist zwar besser als bei manch anderen Tablets, allerdings nur bis zu einer gewissen Lautstärke. Überschreitet diese ungefähr 70 Prozent, machen die Lautsprecher keinen guten Eindruck mehr: Die Bässe verlieren dann stark an Durchsetzungskraft, die Höhen hingegen reißen aus und scheppern.

Da wir eher Kopfhörernutzer sind, stört uns das zwar weniger; als explizit beworbenes Feature finden wir die Umsetzung aber letztlich zu schwach. Für uns wird die Schwäche durch den Stift teilweise wieder wettgemacht – er ist sehr genau und bietet einige nützliche Zusatzfunktionen. Nutzer, die mit der Stiftbedienung aber nichts anfangen können und sich das Standard-Modell wegen der Lautsprecher kaufen wollen, könnten aber enttäuscht sein.

Zusätzlich zum Problem mit den Lautsprechern kommen noch einige Software-Schlampereien: Dass vier Lautsprecher auch die Rotation eines Tablets mitmachen können, hat Apple mit dem iPad Pro bewiesen – beim Mediapad geschieht das nicht. Hören wir etwa Musik, während wir im Hochformat etwas lesen, ist der Stereoeffekt dahin.

Auch bei den praktischen Wischgesten des Home-Buttons hätten wir uns eine der Halteposition des Tablets entsprechende Drehung gewünscht. So müssen wir immer erst überlegen, in welche Richtungen wir wischen müssen, was auf Dauer nervt. Zumindest hier könnte Huawei noch mit einem Software-Update nachhelfen.

Von der Leistungsfähigkeit liegt das Mediapad im gehobenen Mittel, was für die meisten täglichen Anwendungen als auch für anspruchsvollere Spiele ausreicht. Die Akkulaufzeit ist gut.

Die Standardversion des Mediapad M2 10.0 ist zwar verhältnismäßig günstig, empfehlen würden wir sie aber eigentlich nicht: Sie hat keinen Digitizer, und nur wegen der Lautsprecher halten wir das Tablet nicht für attraktiv genug. Die Premium-Version hingegen bietet mit dem guten Stift eine Funktion, die für manchen einen tatsächlichen Mehrwert darstellt – für diese Zielgruppe ist das Tablet ein interessantes Gerät.


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