Huawei Matebook X Pro 2024: Das bessere Macbook Air

Bei Premium-Notebooks zählt Huawei in Deutschland nicht zu den Marken, die als erste genannt werden. Dabei hat der chinesische Hersteller schon in der Vergangenheit gute Notebooks gebaut, was beim aktuellen Matebook X Pro 2024(öffnet im neuen Fenster) aber noch einmal etwas besser gelungen ist. Hardware und Verarbeitung lassen im Test wenig Wünsche offen.
Beim Auspacken des Notebooks fällt direkt auf, dass es selbst im Vergleich zum Macbook Air mit 13-Zoll-Display leicht erscheint. Das Gerät wiegt nur 980 Gramm ohne Netzteil, dennoch ist das morandi-blaue und leicht texturierte Magnesiumgehäuse stabil und lässt sich auch an einer Ecke festhalten, ohne sich zu biegen.
Leider kann man die Farbe des Notebooks nur bedingt auswählen. Die Basisvariante gibt es in Schwarz oder Weiß mit schwarzer Tastatur. Morandi-Blau ist dem Topmodell vorbehalten. Die Textur des Gehäuses hilft, Fingerabdrücke zu vermeiden. Das Trackpad ist angenehm groß und am unteren Rand an die Form der Griffmulde zum Öffnen angepasst.
Gute Ausstattung mit kleinem Haken
Der OLED-Bildschirm hat eine Auflösung von 3.120 x 2.080 Pixeln (3:2) und ist mit seinem Format zum Arbeiten mit Texten oder Code gut geeignet. Die Bildwiederholfrequenz kann bis 120 Hz eingestellt werden, Bildschirm und Arc-GPU unterstützen den Windows-DRR-Standard(öffnet im neuen Fenster) für eine variable Bildrate. Die Helligkeit beträgt maximal 1.200 Nits, HDR und Adobe-RGB werden unterstützt.











Im Inneren sind neben dem Intel Core Ultra 9 185H(öffnet im neuen Fenster) noch 32 GByte LPDDR5X-6400 und eine NVMe-SSD mit einer Speicherkapazität von zwei Terabyte verbaut. Die Akkukapazität beträgt 70 Wattstunden, geladen wird das Gerät über das mitgelieferte 90-Watt-Typ-C-Netzteil und einen der insgesamt drei Typ-C-Ports, zwei davon unterstützen Thunderbolt 4. Leider fehlt ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer und Headsets.
Auch RJ45-Ethernet sucht man am dünnen Notebook vergebens, dafür gibt es Wi-Fi-6E und Bluetooth 5.3. Im Lieferumfang ist ein In-Ear-Headset mit Typ-C-Stecker enthalten, wir hätten dennoch lieber eine Anschlussmöglichkeit gehabt. Einen Slot für Micro-SD-Karten oder gar eine SIM-Karte für 5G hat das Notebook nicht. Schade eigentlich, denn damit hätte Huawei sich direkt von den meisten Konkurrenten absetzen können.
Auf der rechten Seite befindet sich ein Schalter, mit dem die 1080p-Webcam deaktiviert werden kann. Die Inbetriebnahme war ohne besondere Ereignisse, das Notebook wollte aber beim ersten Start trotz angezeigtem Akkustand von 77 Prozent nicht ohne Netzteil starten.
Endlich mal wieder ein Notebook ohne Bloatware
Beim ersten Start begrüßt uns das vorinstallierte Windows 11, die Einrichtung inklusive Windows Hello ist wie üblich schnell erledigt. Um eine gute Testumgebung zu haben, lassen wir zunächst alle Updates durchlaufen. Das ist zwar selbst verschuldet, dauert uns aber trotzdem zu lange. Hier müsste allerdings Microsoft mit einem zügigeren Update-Prozess nachbessern.
Bis auf Management-Programme, die leicht zu bedienen sind, allerdings auch kaum Mehrwert bieten, ist keine zusätzliche Software installiert – von unerwünschter Software, die Microsoft ungefragt jeder Windows-11-Installation aufzwingt, einmal abgesehen. Das passt zum schlichten Äußeren, das Notebook nervt auch während der Nutzung nicht.
Für beste Grafikleistung empfehlen wir, entweder manuell oder per Intel-Treiber-und-Supportassistenten(öffnet im neuen Fenster) die aktuellen Treiber für die Arc-GPU zu installieren. Dabei gibt es zwar eine Warnung, dass dabei die Konfiguration des Herstellers zurückgesetzt wird, wir hatten aber keine Probleme nach einem manuellen Update.
Gute Haptik und schlichtes Design
Die Tastatur hat einen guten Druckpunkt und ein angenehmes Tippgefühl, im Vergleich mit dem Macbook Air macht sie einen sehr guten Eindruck und ermöglicht zügiges Tippen auch ohne lange Eingewöhnung. Das Trackpad ist vermutlich das beste, das wir bisher an einem Windows-Notebook benutzt haben.











Das Design des Matebook X Pro gefällt uns sehr. Bis auf einen Intel-Evo-Sticker, der für die Zertifizierung vorhanden sein muss – was aus unserer Sicht nervig ist und nicht so sein sollte – gibt es keine störenden Aufkleber. Auf dem Deckel ist ein spiegelndes Huawei-Logo eingefasst, am unteren Bildschirmrand ist ebenfalls einen Huawei-Schriftzug
Starke Leistung dank guter Kühlung
Nach einer Weile fällt auf, dass das Notebook anders als das Macbook Air über Lüfter verfügt. Dass dies erst bei intensiver Nutzung auffällt, spricht schonmal für eine gute Drehzahlkurve. Die Lüfter drehen langsam hoch, sind bei hoher Drehzahl aber in einem ruhigen Raum deutlich hörbar. Das Geräusch ist aber angenehm und frei von Pfeifgeräuschen oder lautem Surren.
Durch aktive Kühlung schafft es die Meteor-Lake-CPU mit einer Taktrate von bis zu 5,1 GHz mühelos, ein Macbook Air M3 im Cinebench mit 14.948 Punkten zu schlagen. Auch die 3D-Performance der Arc-GPU mit 8 Xe-Einheiten ist gut. In Rise of the Tomb Raider erreichen wir 37 fps bei mittleren Grafikeinstellungen und 53 fps bei niedrigen Einstellungen. World of Warcraft: Dragonflight läuft gar mit durchschnittlich 104 fps auf Grafikstufe 3. In beiden Fällen allerdings bei einer Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln, denn für 3,1K-Gaming ist die Arc-GPU nicht stark genug.
Für Gelegenheitsspieler geeignet
Gut finden wir, dass auch ohne angeschlossenes Netzteil die maximale Leistung zur Verfügung steht. Wir haben Baldurs Gate 3 , F1 2023 und World-of-Warcraft-Dragonflight getestet. In allen drei Fällen konnten wir die gleichen Ergebnisse mit Netzteil und im Akkubetrieb erzielen.
Damit ist das Gerät für Gelegenheitsspieler und für weniger grafisch anspruchsvolle Spiele wie Factorio geeignet, selbst wenn einmal keine Stromquelle zur Verfügung steht. Ohne angeschlossenes Netzteil ist der Spaß allerdings schnell vorbei, der Akku ist nach nur 80 Minuten im Höchstleistungs-Modus leer. Viel länger hält ein Macbook Air in dieser Situation allerdings auch nicht durch, in Baldurs Gate 3 schafft es aber immerhin über zwei Stunden.
Huawei Matebook X Pro 2024: Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Wie lange das Notebook mit einem Intel Core Ultra 9 185H verkauft werden kann, ist allerdings unbekannt. Denn, obwohl es zunächst eine Genehmigung gab, ist der Export an das auf der Entity-Liste der USA stehende Unternehmen Huawei nicht mehr erlaubt(öffnet im neuen Fenster) . Huawei dürfte zwar einen Vorrat haben, spätestens ein Nachfolger mit Lunar-Lake-CPU ist aber unwahrscheinlich.
Auch ein Qualcomm Snapdragon X Elite hat eine zu hohe Leistungsdichte, und darf ebenfalls nicht an Huawei geliefert werden. Falls das so bleibt, ist Huawei gezwungen, auf Kirin-Prozessoren umzusteigen. Dadurch wird auch Windows 11 nicht mehr laufen. Denn die Taishan-Kerne des Huawei-Tochterunternehmens Hisilicon sind nicht kompatibel.
Ohne ARM-CPU fällt es dem Matebook X Pro 2024 schwer, bei der Akkulaufzeit mit einem zwei Jahre alten Macbook Air M2 mitzuhalten. Wir haben beide Geräte im Redaktionsalltag an mehreren Tagen verglichen, die vor allem aus Web Browsing und Office-Anwendungen wie Teams, Outlook und Word bestehen. Die Nutzung ist zwar nicht perfekt identisch, weshalb wir jeweils die Ergebnisse zusammengefasst und einen Durchschnittswert gebildet haben.
Mehr Akkulaufzeit hätte nicht geschadet
Dabei haben wir das standardmäßig in Windows eingestellte mittlere Leistungsprofil verwendet, in der Huawei-Software sowie per Funktionstaste lassen sich die anderen Modi auswählen. Testweise haben wir auch einen Tag im Sparmodus gearbeitet, der insbesondere durch den Wegfall von 120-Hz-Bildwiederholfrequenz beim Scrollen auffällt.
Während das Macbook Air M2 nach einem Arbeitstag mit knapp neun Stunden Nutzung noch 28 Prozent Restkapazität hat und erst nach drei weiteren Stunden mit Youtube und Netflix leer ist, schafft das Matebook X Pro 2024 zwar einen typischen Arbeitstag, nach 9 Stunden und 43 Minuten war es jedoch leer.
Die Meteor-Lake-CPU vermuten wir dabei allerdings gar nicht als Hauptgrund, sondern eher das höher aufgelöste OLED-Display. Dafür ist der Akku im Huawei-Notebook neu, während unser Macbook Air zwei Jahre lang täglich genutzt wurde und 385 Akkuzyklen anzeigt.
Fazit: Wenig beachtet und fast perfekt
Mit dem Matebook X Pro 2024 haben wir aus unserer Sicht eine Art Geheimtipp getestet, denn obwohl die Matebook-Serie schon länger existiert, fand sie bisher kaum Beachtung. 300 Gramm weniger Gewicht, ein edles Chassis und das helle 3.1K-OLED-Display sorgen aber dafür, dass es mit anderen Notebooks in seiner Preisklasse konkurrieren kann. Vergleichbare Leistung bei nur 980 Gramm gibt es sonst nirgendwo.
Und die ist leider ebenfalls High-End. 2.500 Euro möchte Huawei für das Topmodell mit Core Ultra 9 185H, 32 GByte Arbeitsspeicher und einer 2-TByte-SSD haben. Mit einem Intel Core Ultra 7 155H(öffnet im neuen Fenster) , 16 GByte Arbeitsspeicher und einer 1-TByte-SSD sind es 1.900 Euro. Das teurere Notebook wird zudem mit Windows 11 Pro ausgeliefert, die Basisversion mit Windows 11 Home.
Preislich liegt Huawei damit am oberen Ende für Notebooks in der gleichen Kategorie, im Vergleich mit Apple ist das Matebook X Pro aber klar günstiger. Ein vergleichbares Macbook Air kostet 2.700 Euro, vor allem durch das teure SSD-Upgrade. Beim Macbook Pro, das mit seinem 120-Hz-Monitor und schnellerer CPU vergleichbare Leistung bietet, sind es mehr als 3.000 Euro.
Wir glauben, dass Huawei sich mit dem Notebook als Top-Marke etablieren könnte. Ob der Hersteller dazu die Gelegenheit bekommt, hängt von den Handelsbeschränkungen der USA ab. Die Kombination aus schlichtem und edlem Design, Intels schnellster Meteor-Lake-CPU und einem hervorragenden Display ist aus unserer Sicht für High-End-Notebooks sehr gut gelungen.



