Huawei Mate XT im Hands-on: So muss ein faltbares Smartphone aussehen

Huawei gehört zu den Pionieren bei den faltbaren Smartphones - was manche möglicherweise vergessen haben, da der chinesische Hersteller aufgrund der US-Sanktionen unter anderem in Europa im Smartphone-Bereich seit Jahren keine Rolle mehr spielt. Das Mate XS (g+) war 2020 jedoch nach dem Galaxy Fold von Samsung eines der ersten faltbaren Smartphones auf dem Markt.
Mittlerweile sind vier Jahre vergangen und Huawei hat sein Foldable-Konzept mit dem neuen Mate XT perfektioniert. Statt einem Scharnier hat das Smartphone zwei und lässt sich von 6,4 Zoll im zusammengefalteten Zustand über halb ausgeklappt 7,9 Zoll zu voll ausgeklappt 10,2 Zoll öffnen, also auf ein echtes Tablet-Format. Golem.de konnte das Mate XT während eines Abendessens nach der Präsentation der neuen Huawei-Smartwatches ausprobieren - wir sind überrascht, wie gut das Konzept funktioniert. Und finden es schade, dass das Mate XT(öffnet im neuen Fenster) vorerst nur in China erhältlich ist.
Nur unwesentlich dicker als ein Pixel 9 Pro Fold
Das Mate XT wirkt auf den ersten Blick wie ein herkömmliches Smartphone. Mit knapp 300 Gramm ist es jedoch schwerer. Zum Vergleich: Das faltbare Pixel 9 Pro Fold wiegt 260 Gramm. Das Mate XT ist zusammengeklappt 12,8 mm dick - das sind nur knapp über 2 mm mehr als bei Googles faltbarem Smartphone. Angesichts zweier Scharniere und der drei Bildschirmteile hat uns dieser geringe Zuwachs an Dicke positiv überrascht.
















Zusammengeklappt ist das Mate XT wie ein normales Smartphone nutzbar: Das Display ist dann 6,4 Zoll groß und hat eine Auflösung von 2.232 x 1.008 Pixeln. Drehen wir das Smartphone um, blicken wir auf eine normale Rückseite mit einer Dreifachkamera - und nicht auf einen weiteren Bildschirm wie damals beim Mate XS. Die Hauptkamera hat 50 Megapixel, die Superweitwinkelkamera 12 Megapixel, ebenso die Telekamera mit 5,5-facher optischer Vergrößerung. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse konnten wir die Kamera nicht aussagekräftig genug ausprobieren.
Wie bei einem Foldable von Google oder Samsung können wir das Mate XT einmal nach links auffalten - dann öffnet sich der innere Bildschirm und wir haben ein nahezu quadratisches kleines Tablet mit einem 7,9 Zoll großen Display (2.232 x 2.048 Pixel) vor uns. Bis zu diesem Modus unterscheidet sich das Mate XT im Format kaum vom Pixel 9 Pro Fold.
Wir finden den quadratischen Modus vor allem zum Lesen praktisch, da deutlich mehr Inhalt angezeigt wird, ohne dass das Smartphone unhandlich wird. Auch können wir das Mate XT dann umdrehen und die Rückkameras für Selfies verwenden, die qualitativ besser sind als die mit der 8-Megapixel-Frontkamera. Das Vorschaubild sehen wir auf dem dann auf die Rückseite gedrehten Frontdisplay.
Vom klassischen Fold-Format zum Tablet
Im Gegensatz zu den anderen Fold-Smartphones am Markt ist der Cover-Bildschirm beim Mate XT allerdings ebenfalls über ein Scharnier mit dem restlichen Gehäuse verbunden. Haben wir das Gerät auf das quadratische Format ausgeklappt, können wir den vorderen Bildschirm ebenfalls ausklappen. Dann haben wir das Smartphone komplett aufgefaltet und ein 10,2 Zoll großes Tablet vor uns - das kann kein anderes Foldable am Markt.
Allerdings hat das voll aufgeklappte Mate XT aufgrund der Faltkonstruktion ein ungewöhnliches Bildformat: Wir haben die Auflösung von 3.184 x 2.232 Pixeln umgerechnet und kommen auf ein Format von 1,43:1, was zufälligerweise dem Imax-Format entspricht.
Multiplizieren wir das Format mit zwei, zeigt sich, dass es mit 2,86:2 nah an einem 3:2-Format ist. Entsprechend werden Videos in der Regel mit Balken abgespielt - verglichen mit dem Format eines herkömmlichen Fold-Smartphones bietet das Mate XT aber voll ausgeklappt wesentlich mehr Platz.
Multitasking im Tablet-Modus
Im Tablet-Modus können wir Multitasking mit schwebenden Fenstern nutzen. Über eine Seitenleiste lassen sich zusätzliche Apps öffnen, das Mate XT unterscheidet sich voll ausgeklappt nicht von einem herkömmlichen Tablet.
Die Scharniere packen fest zu, im Tablet-Modus wirkt das Mate XT auf uns nicht instabil, auch wenn wir es nur mit einer Hand an der Ecke halten. Das Smartphone lässt sich auch in Zwischenpositionen aufklappen. Zusammengeklappt werden die einzelnen Segmente durch Magneten miteinander verbunden, das Mate XT klappt daher nicht ungewollt auf.
















Die Falze sind von vorne nicht zu sehen, von der Seite hingegen schon. Fahren wir mit dem Finger über sie, fühlen sie sich weniger prominent an als etwa beim Pixel 9 Pro Fold. Die gesamte Konstruktion macht auf uns einen sehr stabilen Eindruck, und das trotz des Umstandes, dass die einzelnen Teile des Mate XT nur 3,6 mm dünn sind. Damit ist das Mate XT voll ausgeklappt nur unwesentlich dicker als der USB-C-Anschluss zum Laden (mit bis zu 66 Watt) hoch ist.
Die zusätzliche Tablet-Größe macht das Mate XT vom Format her zum vielseitigsten faltbaren Smartphone auf dem Markt. Wir können sowohl das kompakte, quadratische 7,9-Zoll-Format verwenden, zum Lesen etwa, als auch Filme auf einem wirklich großen Bildschirm schauen. Foldables wie das Pixel 9 Pro Fold oder das Oneplus Open sind aufgeklappt zum Videoschauen eher ein Kompromiss, da sie nur unwesentlich mehr Platz als herkömmliche Smartphones bieten und Videos mit breiten Rändern anzeigen.
Einen Nachteil gegenüber anderen faltbaren Smartphones im Fold-Formformat gibt es aber: Da das Cover-Display Teil des faltbaren Bildschirms ist und kein einzelnes, durch Gorilla Glass oder Ähnliches geschütztes Display, dürfte es empfindlicher sein.
Bei faltbaren Smartphones sind wir in der Regel froh, dass wir den doch recht fragilen Falt-Bildschirm durch Zusammenklappen schützen können - beim Mate XT geht das nur bei zwei Dritteln des Displays. Das Problem mit den außenliegenden Falt-Displays ist bei Huawei allerdings nicht neu - auch beim Mate XS war das bereits so.
Vom Formfaktor her ein Vorbild für die Konkurrenz
Die Leistung des Mate XT konnten wir in der kurzen Zeit, in der wir das Smartphone zur Verfügung hatten, nicht bewerten. Das Gerät kommt GSM Arena zufolge(öffnet im neuen Fenster) mit einem Kirin 9010, einem 7-nm-Chip mit einer Taktrate von maximal 2,3 GHz.
Die Benutzeroberfläche von Huaweis Android-Fork Harmony OS lief in unserem kurzen Test flüssig. Ob das Smartphone 5G unterstützt, geht aus den technischen Daten auf Huaweis Webseite nicht hervor. Aktuelle Smartphones von Huawei unterstützen in der Regel nur 4G. Auch die Akkulaufzeit des 5.600-mAh-Akkus können wir nicht beurteilen.
Fazit
Huaweis Mate XT ist für uns vom Formfaktor her das ideale faltbare Smartphone: Zusammengeklappt lässt es sich wie ein normales Smartphone verwenden, voll aufgeklappt ist es ein vollwertiges Tablet - wenngleich mit einem ungewöhnlichen Format. In der Zwischenposition lässt sich das Gerät wie andere Foldables verwenden und ist beispielsweise ideal zum Lesen unterwegs geeignet.
Es ist beeindruckend, wie dünn Huawei das Mate XT gebaut hat. Zusammengeklappt ist es zwar dicker als herkömmliche Smartphones, aber nicht zu dick. Auch die Scharniere sind sehr gut, zum Tablet aufgeklappt ist das Gerät immer noch sehr stabil.
Dass der Cover-Bildschirm Teil des faltbaren Displays ist, bedeutet allerdings, dass er empfindlicher sein dürfte als die Außendisplays anderer faltbarer Smartphones - ein Kompromiss, den Käufer eingehen müssen.
















Außerdem müssen Käufer tief in die Tasche greifen und vor allem in China leben: Das Mate XT wird aktuell nur in Huaweis Heimatmarkt angeboten und kostet dort umgerechnet zwischen 2.550 und 3.050 Euro, was in China auch für hochwertige Smartphones sehr viel ist. Aktuell ist nicht abzusehen, ob das Gerät auch nach Deutschland kommen wird - ohne Google-Dienste dürfte das Interesse hierzulande wie bei den restlichen Huawei-Smartphones eher gering sein.
Wir finden allerdings, dass ein faltbares Smartphone, das sich zu einem echten Tablet aufklappen lässt, den Idealzustand darstellt. Vielleicht gibt das Mate XT anderen Herstellern einen Impuls, eine derartige Bauform selbst zu realisieren. Dass es technisch machbar ist, hat Huawei eindrucksvoll bewiesen.
Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Huawei hin an der Präsentation neuer Geräte in Barcelona teilgenommen, die Reise- und Hotelkosten wurden anteilig von Huawei übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.



