Huawei Mate 8 im Hands on: Großes Smartphone, kleine Innovationen

Huawei hat auf der CES (Consumer Electronics Show) 2016 den globalen Marktstart des neuen großen Android-Smartphones Mate 8 angekündigt – für 600 Euro soll das Gerät noch im Januar 2016 auch nach Deutschland kommen. Das Mate 8 ist der offizielle Nachfolger des Ascend Mate 7 . Wie Huaweis Überraschungsgerät der Ifa 2014 hat auch das neue Modell einen 6-Zoll-Bildschirm.

Golem.de hat sich das Mate 8 in einem ersten Kurztest angeschaut. Dabei haben wir festgestellt, dass das Smartphone keine richtigen Schwächen hat – aber auch nicht mehr einen derartigen Aha-Effekt hervorruft wie noch das Ascend Mate 7.





Das 6-Zoll-Display des Mate 8 löst wie das des Ascend Mate 7 und das des Mate S mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf. Die Schärfe ist gut, allerdings sind – angesichts der Displaygröße – bereits erste Pixelränder zu erkennen. Anders als beim Mate S verbaut Huawei im Mate 8 kein OLED-Panel, sondern ein LC-Display. Daher sind die Schwarzwerte weniger gut als beim Mate S. Generell gefällt uns das Display aber gut, es ist blickwinkelstabil und die Farben sind natürlich – innovativ ist Huawei hier aber nicht.
Neue Kamera macht gute Bilder
Auf der Rückseite des Mate 8 hat Huawei seine neue 16-Megapixel-Kamera eingebaut. In unseren ersten kurzen Bildertestreihen macht sie einen sehr guten Eindruck: Auch bei schwierigeren Lichtsituationen sind die Bilder scharf und haben nur wenige Artefakte. Die Kamera-App hat Huawei weitgehend unverändert gelassen; neu ist ein Modus, mit dem Texte abfotografiert werden können. Eventuell auftretende Verzerrungen werden dabei automatisch ausgeglichen. Die Frontkamera hat 8 Megapixel.
Unterhalb der Kamera auf der Rückseite befindet sich der Fingerabdrucksensor. Dieser ist jetzt rund, ebenso wie die Kamera – hier sind Parallelen zu Huaweis Nexus 6P erkennbar. Wie bereits beim Mate S arbeitet der Sensor schnell, mit ihm lässt sich das Smartphone entsperren oder auch ein Selbstporträt auslösen. Beim Mate S konnte man zusätzlich noch mit einem Wisch nach unten die Benachrichtigungsleiste öffnen oder mit Wischbewegungen nach links und rechts durch die Galerie blättern; dies ist beim Mate 8 nicht mehr möglich.
Neuer Acht-Kern-Prozessor und 3 GByte RAM
Der Kirin-950-Prozessor im Inneren des Smartphones hat acht Kerne, die nach dem Big-Little-Prinzip arbeiten. Vier A72-Kerne takten mit 2,3 GHz, vier schwächere A53-Kerne mit 1,8 GHz. Der Arbeitsspeicher unseres Testgerätes ist 3 GByte groß – wir haben das 32-GByte-Modell, das es auch in Deutschland geben wird. Die nicht für Deutschland vorgesehenen 64- und 128-GByte-Varianten haben 4 GByte Arbeitsspeicher.





In unserem kurzen Test konnten wir keine nennenswerten Ruckler bei der Benutzung des Systems entdecken. Die Benutzeroberfläche läuft flüssig, auch grafisch anspruchsvollere Apps laufen problemlos. Als System-UI kommt wieder Huaweis eigene Oberfläche Emotion UI zum Einsatz, jetzt in der Version 4.0. Diese basiert auf Android 6.0, sieht aber weitgehend aus wie der Vorgänger.
Dual-SIM und ac-WLAN
Das Mate 8 unterstützt neben Quad-Band-GMS und UMTS auch LTE. Im SIM-Karten-Slot finden zwei Karten Platz, wahlweise auch eine SIM-Karte und eine Micro-SD-Speicherkarte. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11ac, eine deutliche Verbesserung zu den Vorgängern Ascend Mate 7 und Mate S, die nur 802.11b/g/n unterstützten.
Der Akku hat eine Nennladung von 4.000 mAh und soll Huawei zufolge für über zwei Tage intensiver Nutzung ausreichen. In unserem kurzen Test können wir dies noch nicht überprüfen, erst ein ausführlicher Test wird zeigen, ob der Hersteller recht behält. Ohne weiteres wechselbar ist der Akku nicht.
Fazit
Das Mate 8 ist ein gutes Smartphone mit hochwertiger Verarbeitung, einem guten Display, einer sehr guten Kamera und einem flinken Fingerabdrucksensor. Obwohl wir in unserem Hands on keinen Kritikpunkt finden, haut uns das Smartphone dennoch irgendwie nicht vom Hocker.
Beim Mate 8 fehlt uns der "Aha-Effekt", den das Ascend Mate 7 noch durch seine für Huawei zur damaligen Zeit innovativen Funktionen bei uns auslöste. Das neue Gerät wirkt eher wie Modellpflege auf uns – ein Konzept, das uns schon bei Sony und seinen Xperia-Z-Modellen stellenweise missfallen hat.
Bis auf Verbesserungen bei den einzelnen Hardwarekomponenten hat Huawei beim Mate 8 keine innovativen Neuerungen verbaut; dabei hätte der Hersteller diese durchaus in petto, etwa das druckempfindliche Display der 128-GByte-Version des Mate S. Zusätzlich finden wir den zeitlichen Abstand zwischen dem zur Ifa 2015 vorgestellten Mate S und dem Mate 8 recht kurz, liegen beide Smartphones doch in etwa in einer Geräteklasse.
Bei einem Preis von 600 Euro ist das Mate 8 im Bereich der 6-Zoll-Smartphones ein durchaus starkes Angebot. Wer allerdings auch mit einem etwas kleineren Display zufrieden ist, findet mit dem LG G4 oder dem Galaxy Note 4 von Samsung attraktive und vor allem preiswertere Alternativen.



