Huawei Gründer Ren: China nutzt KI praktisch, "USA suchen Superintelligenz"

Während für die USA die Schaffung einer Artificial General Intelligence (AGI) und besonders einer Artificial Superintelligence (ASI) von zentraler Bedeutung sei, wolle China mit KI einfach Geld verdienen und die Wirtschaft stärken. Der Gründer und Chef des chinesischen Technologiekonzerns Huawei, Ren Zhengfei, hat im Gespräch mit Studenten gesagt(öffnet im neuen Fenster) : "Die USA und China verfolgen unterschiedliche Ziele im Bereich KI. Die USA erforschen AGI und künstliche Superintelligenz. China untersucht den Einsatz von KI in realen Szenarien, um Mehrwert zu schaffen und das Wachstum anzukurbeln."
Das Land strebe danach, die "Sicherheit in Städten zu gewährleisten" , Bildung und Gesundheitswesen zu verbessern und remote gesteuerten Bergbau und Zementherstellung zu erreichen, meinte der chinesische Milliardär.
Tatsächlich sei die strategische Annahme in den USA, dass die erste Nation, die ASI kontrolliert, für Jahrzehnte einen entscheidenden geopolitischen, militärischen und wirtschaftlichen Vorteil erlange. Das stellte der Anfang 2024 im Auftrag des US-Außenministeriums veröffentlichte Gladstone AI-Report dar(öffnet im neuen Fenster) . Die Nation, die ASI kontrolliert, könne die gegnerische IT-basierte Kriegsführung sofort neutralisieren und die technologische Forschung (Runaway-Szenario) auf Dauer dominieren.
Chinas Präsident Xi Jinping nannte(öffnet im neuen Fenster) in der Chinesischen Akademie der Wissenschaften im Mai 2021 Wissenschaft und Technologie das "Hauptschlachtfeld" des internationalen Wettbewerbs. Die herrschende Klasse Chinas sieht KI primär als Werkzeug zur Perfektionierung der Regierungsführung(öffnet im neuen Fenster) (Social Governance), um die Gesellschaft so effizient zu steuern, dass Instabilität unmöglich würde.
Ren nennt KI-Anwendungen in China
Ren sagte den Gewinnern der International Collegiate Programming Contest Foundation – ein Programmierwettbewerb für Universitäten – in den gerade veröffentlichten Q & A auf dem Lianqiu Lake Campus: "Aktuell verkehren in China täglich über 10.000 Hochgeschwindigkeitszüge. Jeder Knotenpunkt dieses Schienennetzes erfordert Echtzeitberechnungen. Aufgrund dieses riesigen Schienennetzes spielt künstliche Intelligenz eine Schlüsselrolle bei der Disposition und Koordination des Zugbetriebs."
Ein weiterer Einsatzbereich für KI ist laut Ren die Stahlerzeugung: "Nehmen wir beispielsweise die Eisenerzeugung in Hochöfen. Mithilfe von KI-Modellen können wir die Temperatur in jeder Ofenschicht präzise steuern, sie bedarfsgerecht reduzieren und die Mischung von Brennstoff und Erz optimieren."
KI-gestützte Softwareprogrammierung habe die Arbeitsbelastung von Softwareentwicklern um etwa 30 Prozent reduziert, "und dieser Wert könnte zukünftig sogar 60 bis 70 Prozent erreichen" , erklärte Ren.
KI spiele bei Huawei eine wichtige Rolle, doch aktuell liege das Hauptaugenmerk auf der Kommunikationstechnologie. Ren betonte: "Unverbundene Computernetzwerke führen zu Informationssilos, isolierte KI repräsentiert keine echte Intelligenz."
Ren fordert erneut mehr Offenheit in China
Zugleich lobte Ren erneut die USA. Das Land böte "ein fruchtbares Umfeld für Talente, und es ist gut, dass viele talentierte Menschen, darunter auch viele junge Chinesen, zur persönlichen Weiterentwicklung in die USA gehen." Auch China profitiere davon. Apple, Microsoft, Nvidia und Intel würden indirekt Werte für China schaffen.
"Die USA erlauben Huawei zwar nicht, Technologien mit US-Komponenten zu verwenden, aber das bedeutet nicht, dass sie China oder anderen Teilen der Welt die Nutzung ihrer Technologien verbieten. Wenn Talente aus aller Welt in die USA gehen und neue Technologien entwickeln, trägt das zum globalen Fortschritt bei" , meinte Ren
Zugleich kritisierte der 81-Jährige die mangelnde Öffnung Chinas: "Aus heutiger Sicht muss China meiner Meinung nach noch offener werden, von allen anderen Ländern der Welt lernen und deren Kulturen zulassen. Wir dürfen uns nicht vom Rest der Welt abschotten."



