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HTV-X1: Japanischer Frachter mit deutscher Technik verlässt ISS

Nach etwa vier Monaten an der ISS verlässt das japanische Frachtmodul die Raumstation. Nun soll es als eigenständige Wissenschaftsplattform dienen.
/ Patrick Klapetz
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Das japanische HTV-X1-Frachtschiff (m.) sowie der Lidar (l.) und der Sternsensor (r.) von Jena-Optronik. (Bild: Nasa, Jena-Optronik)
Das japanische HTV-X1-Frachtschiff (m.) sowie der Lidar (l.) und der Sternsensor (r.) von Jena-Optronik. Bild: Nasa, Jena-Optronik

Das neue japanische Frachtmodul HTV-X1 (Transfer Vehicle) wird die ISS am 6. März 2026 verlassen(öffnet im neuen Fenster). Bereits am 5. März trennte der Roboterarm Canadarm2 das Raumfahrzeug vom Harmony-Modul und brachte den Frachter in seine Startposition. Im Gegensatz zu früheren Modellen wird der HTV-X1 nach dem Verlassen der Station nicht sofort in der Erdatmosphäre verglühen. HTV-X1 war erstmals am 29. Oktober 2025 an der Internationalen Raumstation ISS eingetroffen. An Bord befanden sich 5,4 Tonnen an Vorräten, wissenschaftlichen Experimenten und Hardware. Seine Verweildauer an der ISS war vorerst ungewiss.

Wissenschaft statt reiner Müllabfuhr

Der japanische Frachter wird mehr als drei Monate als eigenständige wissenschaftliche Plattform in der Erdumlaufbahn verbringen. Dabei will die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa verschiedene Technologie-Demonstrationen wie den Test neuer Solarzellen und Antennentechnologien durchführen.

Erst nach Abschluss dieser Zusatzmission wird der Frachter ein Deorbit-Manöver einleiten. Dabei werden nicht nur das Raumfahrzeug, sondern auch mehrere Tonnen an Abfall von der ISS beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Zudem gehört auch wichtige Technik aus Deutschland dazu.

Deutsche Technik für Rendezvous- und Andockmanövern

Mitsubishi Electric Corporation (Melco) fungiert als Hauptauftragnehmer und ist für die Entwicklung und Herstellung des Servicemoduls verantwortlich. Für dieses Unternehmen lieferte die Jena-Optronik aus Thüringen unter anderem zwei lichtbasierte Abstandsmesser, einen sogenannten Lidar (Light Detection and Ranging).

Lidar und Sternsensor

Mit dem Lidar-Sensor RVS 3000 konnte das Versorgungsraumschiff erfolgreich an die ISS andocken. Für solche Manöver sendet der Lidar Lichtimpulse aus, die von den Retroreflektoren zurück zu den Abstandsmessern an Bord von HTV-X1 reflektiert werden. Das ermöglicht eine dreidimensionale Umgebungserfassung in extrem hoher Präzision und soll Kollisionen vermeiden.

"Als aktiver Sensor liefert der Lidar mit seinem kompakten, weltraumtauglichen Ein-Box-Design auch bei Dunkelheit oder im Schatten genaue 3D-Informationen. Dies erfolgt im Gegensatz zu Kameras oder passiven Sensoren unabhängig von Sonnenlicht oder Zielbeleuchtung", teilt Jena-Optronik in seiner Pressemitteilung mit(öffnet im neuen Fenster).

Navigation im Weltraum

Ein weiteres Instrument aus Jena ist der Astro Aps, der sich auch an Bord der europäischen Servicemodule (ESM) des Orion-Raumschiffs der Artemis-Missionen befindet. Dieses ist ein wesentlicher Bestandteil des Lage- und Bahnkontrollsystems (Acos: Attitude and Orbit Control System) und dient als eine Art präzises Navigationssystem für den Weltraum.

Damit die gelingt, orientiert sich das Instrument an den Sternen und gleicht diese mit den integrierten Sternenkarten ab. Deswegen wird Astro Aps auch Sternsensor genannt. "Ein Sternensensor nutzt das, was im Weltraum sehr viel vorhanden ist, das sind die Sterne. Wir nutzen einen internen Sternkatalog, erkennen damit die Sternbilder und können direkt die Richtungssignale an das Raumschiff ausgeben", sagt Andreas Deter gegenüber Golem. Er ist Projektmanager bei Jena-Optronik und zuständig für die Sensoren.

Im Grunde ist der Sternsensor eine Kamera, teilt Deter mit. Statt sich mit den tausenden Sternen dort draußen abzugleichen, benötigt "der Sternsensor für die Erstorientierung nur sieben Sterne und für das eigentliche Tracking nur vier Sterne". Dafür werden die hellsten und bekanntesten Sterne verwendet, erklärt der Projektmanager. Doch mit dem Ende der ersten HTV-X1-Mission werden auch die Sensoren von Jena-Optronik in der Erdumlaufbahn verglühen.


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