HTC U Ultra im Test: Neues Gehäuse, kleines Display, bekannte Kamera
HTC will mit seinem neuen Top-Smartphone U Ultra wieder interessant werden, wie der Hersteller bei der Vorabpräsentation nicht müde wurde zu erklären. Und tatsächlich macht der taiwanische Hersteller verglichen mit seinen vorigen Oberklassegeräten einiges grundlegend anders.

Am ehesten merken wir das beim Gehäuse des U Ultra: Anstatt wie beim HTC 10 und seinen Vorgängern verzichtet HTC auf ein komplett aus Metall gefertigtes Gehäuse und setzt nun auf einen Metallrahmen und schimmerndes Glas. Auch beim Display wagt der Hersteller etwas für ihn Neues: Oberhalb des Bildschirms befindet sich ein kleines Zusatz-Display für verschiedene Informationen.
Im Test von Golem.de stehen diese neuen Merkmale im Vordergrund – leider jedoch nicht das wohl interessanteste Alleinstellungsmerkmal: HTC hat bei der Vorstellung des U Ultra viel Wert auf seinen neuen KI-Assistenten Sense Companion gelegt, der den Nutzer im Alltag durch automatisiertes Filtern von Benachrichtigungen, intelligentes Akkumanagement und weitere Funktionen unterstützen soll.
Marktstart ohne KI-Assistenten
Zum Verkaufsstart des Smartphones ist der Assistent jedoch nicht fertig geworden, was wir angesichts der großen Ankündigungen etwas peinlich finden. Da wir auch keine Vorabversion erhalten haben, können wir diesen interessanten Punkt in unserem Test überhaupt nicht berücksichtigen.
Beim Auspacken des U Ultra fällt sofort das neue Gehäusematerial auf: Die neue Glasrückseite ist merklich rutschiger als das Metall des HTC 10, was wir auch bei trockenen Händen schnell feststellen. Zudem zieht das Material Fingerabdrücke sehr stark an, anders als das Metall des HTC 10. Durch die recht weit herausragende Kamera rutscht das Smartphone aber immerhin nicht so stark auf Oberflächen wie Tischen.
Die Ränder des U Ultra sind klassisch geformt und werden nach außen hin schmaler. Diese Form gefällt uns deutlich besser als die Rückseite des HTC 10, das einen gewagten, uns aber nicht zusagenden großen Diamond-Cut auf der Rückseite hat. Die Glasrückseite des U Ultra ist nicht einfarbig, sondern changiert dank einer speziellen Beschichtung. Bei der blauen Variante finden wir diesen Effekt hübsch, bei den schwarzen und weißen Geräten ist die Wirkung weniger überzeugend und sorgt mehr für einen grünlichen Schimmer.
Display mit guten Schwarzwerten und zweitem Mini-Bildschirm
Das Super-LCD-Display des U Ultra ist 5,7 Zoll groß und hat eine Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Das ergibt eine Pixeldichte von sehr hohen 513 ppi. Entsprechend scharf werden Inhalte angezeigt. Die Farbwiedergabe ist satt, aber nicht übertrieben grell, die Schwarzwerte sind dank der Super-LCD-Technik sehr gut. Zwar kommen sie nicht ganz an das Schwarz eines OLEDs heran, für ein LC-Display ist das Ergebnis aber sehr gut. Der Bildschirm ist blickwinkelstabil und gefällt uns insgesamt außerordentlich gut.
Bei unserem schwarzen Testmuster nicht auf den ersten Blick erkennbar: Das U Ultra hat oberhalb des eigentlichen Bildschirms noch ein zweites, mit 2 Zoll Diagonale und 1.040 x 160 Pixeln Auflösung kleineres Display. HTC verbaut erstmals bei einem seiner Smartphones ein derartiges Zweit-Display, während andere Hersteller wie LG ein solches bereits verbaut haben. Nach sehr genauer Betrachtung würden wir sagen, dass es sich nicht wirklich um ein zweites Display-Modul handelt, sondern um eine Fortführung des eigentlichen Display-Panels.
Zusatz-Display zeigt verschiedene Informationen an
Im U Ultra dient das kleine Zusatzdisplay dazu, verschiedene Informationen anzuzeigen. Dazu zählen bei eingeschaltenem Smartphone App-Benachrichtigungen, App- und Kontakt-Icons, ein Memo, ein Wetterüberblick und eine Musiksteuerung. Diese funktioniert mit verschiedenen Apps, unter anderem Spotify und Play Music und ist auch im Standby-Modus verfügbar – was wir sehr praktisch finden. Die verschiedenen Anzeigen lassen sich einfach per Wischgeste nach links und rechts durchblättern.
Das Zusatz-Display lässt sich so einstellen, dass es im Standby-Modus angeht, wenn das Smartphone angehoben oder der Bildschirmbereich doppelt angetippt wird. Dann erscheint zunächst ein Überblick einiger wichtiger Daten wie Akkustand, Icons in der Benachrichtigungszeile, Wetter sowie Datum und Uhrzeit. Auch im Standby-Betrieb lässt sich das Zusatz-Display durchblättern, um das Memo, den Kalender und insgesamt sechs Schnelleinstellungssymbole aufzurufen. Wen das zusätzliche Display bei aktivem Hauptbildschirm nervt, kann es in den Einstellungen auch ausschalten. Dann ist das Zweit-Display nur noch im Standby-Modus aktiv, lässt sich allerdings auch dort ausschalten.
Sind beide Modi des Zweit-Displays aktiviert, werden ankommende Benachrichtigungen beim U Ultra auf dem Zweit-Display angezeigt – sowohl bei eingeschaltetem, als auch bei ausgeschaltetem Hauptbildschirm. Dann schaltet sich das kleine Display für einen Moment ein. Nach einiger Zeit wird uns etwa eine neue E-Mail nicht mehr als separate Anzeige dargestellt, sondern nur noch im Übersichts-Display als kleines E-Mail-Symbol.
Auto-Aktivierung bei Anheben funktioniert nicht immer
Stellenweise haben wir Probleme, das Zusatz-Display durch Anheben zu aktivieren. Erst dachten wir, dass es an einem zu flachen Winkel nach dem Anheben liegt und wir das Smartphone schlicht vertikaler halten müssen. Allerdings geht das Zweit-Display auch manchmal an, wenn wir das Gerät nach dem Anheben flacher halten – häufig aber eben auch nicht. Ebenso schwierig ist es manchmal, das kleine Display per Doppeltip zu aktivieren. Hier haben wir eine nervig hohe Ausfallquote, wohingegen die Aktivierung des Hauptbildschirms mit der gleichen Geste problemlos funktioniert.
Zusatz-Display mit einer Hand schwer zu erreichen
In der alltäglichen Nutzung kann das zusätzliche kleine Display durchaus eine Hilfe sein: Die App-Shortcuts helfen, schnell von einer geöffneten App zu einer anderen zu wechseln, praktisch finden wir auch die Musiksteuerung. Laden wir eine Datei herunter, wird uns in dem kleinen Display der Fortschritt in Prozent angezeigt – auch das finden wir durchaus nützlich.
Aufgrund der Position am oberen rechten Rand des Smartphones und dessen Größe stehen wir im Alltag aber vor einem kleinen Problem: Selbst große Smartphones können wir meist problemlos mit einer Hand bedienen, indem wir das Gerät nicht mit dem kleinen Finger unten umklammern, sondern es eher lose in unsere Hand legen. Beim U Ultra ist es aufgrund der rutschigen Oberfläche allerdings nicht möglich, die Zusatzanzeige mit dem Daumen zu erreichen und das Smartphone dabei weiter halbwegs stabil zu halten. Wir müssen daher einen zweiten Finger zur Hilfe nehmen, um mit dem Zusatz-Display agieren zu können.
Einige der Extra-Informationen wären auch auf Standard-Display möglich
Die Informationsanzeige im Standby-Betrieb zeigen Hersteller wie etwa Samsung einfach auf dem eigentlichen Bildschirm an. Dass sie sich beim U Ultra oben im kleinen Display befindet, hat für uns erst einmal keine Vorteile. Interessant wird die Standby-Anzeige mit den Schnellzugriffen: Die finden wir praktisch, müssen aber immer erst per Wischgeste dorthin blättern. Dadurch sind wir auch nicht viel langsamer, wenn wir das Smartphone mit einem Wisch über den ausgeschalteten Bildschirm entsperren und direkt in die konfigurierbare Schnelleinstellungsleiste gehen.
So interessant wir die Möglichkeiten einer zweiten, kleinen Anzeige finden: Manch ein Nutzer wird sie im Alltag schlicht nicht brauchen. Tatsächlich ist die Zeitersparnis durch die immer verfügbaren App- oder Kontakt-Shortcuts minimal, besonders, wenn wir erst zu der betreffenden Seite wischen müssen. Auch bleibt abzuwarten, inwieweit und ob überhaupt App-Entwickler die zusätzliche Nutzfläche verwenden werden. Beim MX Player beispielsweise schaltet sich das kleine Display einfach ab, anstatt auf Antippen die Bedienelemente des Players anzuzeigen.
Mit dem Gehäusematerial und dem Zusatz-Display hat HTC zwei neue Funktionen beim U Ultra verbaut – bei der Hauptkamera hingegen setzt der Hersteller auf das gleiche Modul wie beim HTC 10: Zum Einsatz kommt eine 12-Megapixel-Kamera mit 1,55 µm großen Pixeln für eine bessere Lichtempfindlichkeit und einem Objektiv mit einer großen Anfangsblende von f/1.8. Die Kamera wird von einem Saphir-Schutzglas geschützt, das Modul ragt aber mit 1,6 mm ziemlich weit aus dem Gehäuse hervor.
Gleiche Kamera wie im HTC 10
Die Kamera hat einen optischen Bildstabilisator und kann Fotos im RAW-Format aufnehmen. Die Bildqualität ist – wenig überraschend – so gut wie die des HTC 10: Tageslichtaufnahmen sind scharf, wenngleich aufgrund der absichtlich geringeren Pixelzahl weniger scharf in den Details als andere höherpixelige Kameras. Allerdings sind dafür auch nahezu keine Artefakte auszumachen, zudem ist die Schärfe insgesamt ausreichend hoch.
Ihre Stärke spielt die Kamera des U Ultra bei Aufnahmen von weniger gut ausgeleuchteten Bildsituationen aus: Dank der größeren Pixel und der großen Anfangsblende sind derartige Aufnahmen gut ausgeleuchtet. Auch hier sind nur wenige Artefakte sichtbar. Die Schärfe ist zwar auch hier begrenzt, insgesamt bietet sich aber ein stimmiges Gesamtbild.
Frontkamera kommt mit Ultrapixel-Modus
Die gute Hauptkamera ergänzt HTC mit einer variablen Frontkamera: Diese hat 16 Megapixel, Nutzer können aber einen Ultra-Pixel-Modus aktivieren. Dieser rechnet die Auflösung auf 4 Megapixel herunter und soll für eine bessere Ausleuchtung in schlechter belichteten Situationen sorgen. Im Vergleich merken wir von einer besseren Belichtung nicht viel, die Ultrapixel-Aufnahme unterscheidet sich hauptsächlich durch eine weniger detailreiche Auflösung von den 16-Megapixel-Aufnahmen. Diese gefallen uns von der Schärfe wie auch von der Belichtung her sehr gut.
Insgesamt ist die Kameraausstattung des U Ultra sehr gut. Dass HTC die Hauptkamera direkt vom HTC 10 übernommen hat, empfinden wir nicht als Nachteil, im Gegenteil. Dazu kommt eine Frontkamera, die sich sehr gut für qualitativ hochwertige Selbstporträts eignet.
Snapdragon 821 mit 2 GHz
Im Inneren des U Ultra arbeitet Qualcomms Quad-Core-Prozessor Snapdragon 821, dessen maximale Taktrate HTC mit 2,15 GHz angibt. Wir bekommen den stärkeren Zweier-Cluster in unseren Tests allerdings nie auf eine Taktrate höher als 2 GHz. Die Frequenz und Auslastung der Grafik-Chips können wir gar nicht auslesen.
In den Benchmark-Tests schneidet das U Ultra im Geräte-Benchmark Geekbench 4 gut ab. Es erreicht einen Single-Wert von 1.633 Punkten, was vergleichbar mit dem Pixel XL ist, das den gleichen Prozessor verwendet. Zum Vergleich: Das Oneplus 3T mit seinem auf 2,3 GHz getakteten Snapdragon 821 kommt auf über 1.900 Zähler. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark kommt das U Ultra auf 29.899 Punkte, das Pixel XL schafft hier mit 27.991 Zählern weniger. Etwas überraschend sind die Ergebnisse des Grafik-Benchmarks GFX Bench: Hier kommt das U Ultra im Manhattan-Test auf einen Offscreen-Wert von 16 fps, was deutlich unter den 19 fps des Pixel XL liegt.
Im Alltag zeigt das U Ultra keine Schwächen: Sowohl alltägliche Aufgaben als auch grafisch anspruchsvolle Spiele sind für das Smartphone kein Problem. Niedrigere Taktung und geringere Grafik-Testergebnisse hin oder her: In unserem Test hatten wir keine Situation, in der das U Ultra nennenswerte Schwierigkeiten hatte.
Hardwareausstattung auf hohem Niveau
Die restliche Hardware des Smartphones liegt im Oberklassebereich: Das Gerät hat 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte Flash-Speicher, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut. Das U Ultra unterstützt Cat11-LTE und WLAN nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 4.2. Ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut.
Das U Ultra hat zwei Lautsprecher, einen an der Unterseite, den anderen im Ohrhörer. Der Klang ist allerdings nicht berauschend, es fehlt an Bässen und die Höhen sind zu stark ausgeprägt. Geladen wird das Smartphone über einen USB-Typ-C-Anschluss, der USB-3.1-zertifiziert ist.
Ausgeliefert wird das Smartphone mit Android 7.0 und HTCs eigener Benutzeroberfläche Sense 5.0. Diese ist wie beim HTC 10 merklich entschlackt und beinhaltet weitaus weniger App-Dopplungen als früher. Das liegt daran, dass HTC auf viele eigene Apps zu Gunsten von Googles Anwendungen verzichtet hat, etwa bei der Galerie oder dem Musik-Player. Das Design von Sense 5.0 ist schlicht und gefällt uns weiterhin sehr gut. Die Oberfläche ist übersichtlich und lässt sich an bestimmten Stellen konfigurieren, etwa bei den Schnelleinstellungen.
Keine besonders lange Akkulaufzeit
Der Akku des U Ultra hat eine Nennladung von 3.000 mAh und ist Quickcharge-3.0-fähig. In unserem Videotest können wir einen Full-HD-Film bei maximaler Helligkeit 6,5 Stunden lang anschauen – kein besonders guter Wert. Im Alltag hält das Smartphone einen Tag durch, länger nicht. Geladen wird der Akku über einen USB-Typ-C-Anschluss, der auch für den mitgelieferten Kopfhörer verwendet wird – einen Klinkenanschluss hat das Smartphone nicht. Leider liefert HTC keinen Adapter mit, so dass Nutzer, die ihren eigenen Kopfhörer verwenden wollen, diesen noch zusätzlich kaufen müssen.
Verfügbarkeit und Fazit
Das HTC U Ultra ist im Onlinehandel ab 735 Euro bei seriösen Händlern in Deutschland erhältlich. Das Smartphone ist in den Farben Blau, Weiß und Schwarz verfügbar.
Fazit
Das neue U Ultra gefällt uns gut. HTCs Designwechsel von Metall zu Glas ist gelungen, auch wenn die Oberflächenbehandlung uns nur beim blauen Modell richtig gut gefällt. Von der Form her liegt das Smartphone gut in der Hand, ist allerdings etwas rutschig.
Aktuelles Highlight des U Ultra ist das zweite Display für eine Reihe von Informationen. Der Zusatzbildschirm ist breit genug, um genügend Detailinfos anzeigen zu können, dürfte aber nicht für jeden Nutzer interessant sein. Dafür ist die Zeitersparnis gegenüber gewohnten Bedienungsmustern stellenweise zu gering. Zudem haben wir im Standby-Modus teilweise arge Probleme mit der Aktivierung des Displays.
Das eigentliche Highlight des Smartphones konnten wir in unserem Test leider nicht ausprobieren: den KI-Assistenten Sense Companion. Angesichts dessen, wie HTC diesen bei der Vorstellung des Gerätes angepriesen hatte, ist es peinlich, dass der Hersteller die Software zum Verkaufsstart in Deutschland nicht fertigbekommen hat.
Damit beraubt sich HTC eines Wettbewerbsvorteils, der angesichts der zu erwartenden Konkurrenz durch das neue Galaxy S8 von Samsung absolut nötig gewesen wäre. HTC hatte es bereits beim HTC 10 schwer, gegen die Übermacht Samsungs und anderer Hersteller anzukommen – anders wird es beim U Ultra auch nicht sein. Der Assistent wäre zu diesem Zeitpunkt ein Merkmal gewesen, über das sich das U Ultra hätte definieren können.
So bleibt das neue HTC-Smartphone zwar ein technisch hervorragendes Gerät, das bis auf das Zusatz-Display aber keine wirklichen Unterscheidungsmerkmale zur Konkurrenz besitzt. Nutzer, die den kleinen Extrabildschirm nicht benötigen und aktuell auf der Suche nach einem neuen Top-Smartphone sind, dürften daher mit weitaus günstigeren, aber technisch ebenbürtigen Geräten wie dem Galaxy S7, Galaxy S7 Edge oder Huaweis Mate 9 ebenso glücklich werden – oder mit der hauseigenen Konkurrenz in Form des HTC 10.
Ob das U Ultra im zweiten Quartal 2017 mit dem dann hoffentlich fertigen Sense Companion noch signifikante Marktanteile angesichts der Konkurrenz durch Samsung und andere Hersteller gewinnen kann, bleibt abzuwarten. Diese Chance hat HTC zum jetzigen Zeitpunkt schlicht verpasst.
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