HTC One im Test: Smartphone-Bolide mit Spaßkamera

Die Topprodukte des taiwanischen Herstellers sollen künftig nur noch HTC One heißen – ohne den Zusatz X oder Plus. Das erste Smartphone dieser Reihe hat HTC mit einem Gehäuse aus Aluminium aufgemotzt. Und mit einer sogenannten Ultrapixelkamera. Mit der lassen sich dank einer Funktion namens Zoe automatisch coole Minivideos erstellen. Dann gibt es noch Blinkfeed, das auf dem Homescreen mit großen Bildern Nachrichten anzeigt. Die neuen Funktionen des HTC One fallen mehr auf als die neue Hardware. Die kann sich aber auch sehen lassen, etwa das moderne WLAN nach 802.11ac und der kräftige Prozessor.

Die CPU hat HTC aktualisiert. Das SoC namens Snapdragon 600 stammt von Qualcomm. Es ist der gleiche, der in Samsungs Galaxy S4 hierzulande verbaut wird. Er hat vier Krait-300-Kerne, die mit bis zu 1,7 GHz getaktet werden können. In den Geekbench-Benchmarks liegt das HTC One mit durchschnittlich 2.650 Punkten deutlich vor anderen aktuellen Smartphones. HTCs Vorgängermodell, das One X+, kommt auf 2.078 Punkte und das Xperia Z von Sony auf 2.017 Punkte.






















Die GPU ist eine Adreno 320. Sie liefert die Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln auf dem 4,7-Zoll-Bildschirm, was für eine Pixeldichte von etwa 468 ppi sorgt. Das neue Samsung Galaxy S4 hat bei gleicher Auflösung eine geringere Pixeldichte von 441 ppi. Das liegt am größeren 5-Zoll-Display. Gorilla-Glas von Corning schützt den Bildschirm des HTC One vor Kratzern. Das Display zeigt kräftige Farben, die natürlich wirken. Aufgrund der hohen Auflösung sind mit bloßem Auge keine einzelnen Pixel auszumachen.
Bei Betrachtung von der Seite verändern sich Farben und Kontrast nicht, allerdings wird der Bildschirm blickwinkelabhängig schnell dunkel. Im Grafikbenchmark GLBenchmark Egypt HD 2.5.1 schaffte das HTC One offscreen 34 fps und onscreen 31 fps, wobei der Offscreen-Wert die tatsächliche Leistung des Grafikchips widerspiegelt. Zum Vergleich: Das Xperia Z lag sowohl on- als auch offscreen bei 30 fps. Das Padfone 2 schaffte in der Tablet-Station durchschnittlich 38 fps.
Alugehäuse und viel Netzwerk
Die Rückseite des Gehäuses besteht ebenso aus gebürstetem Aluminium wie die Abdeckungen der beiden Lautsprecher auf der Vorderseite über und unter dem Bildschirm. Das lässt das Gehäuse nicht nur hochwertig wirken, sondern verleiht dem HTC One Griffigkeit. Trotz Metalls ist das Gerät mit 143 Gramm vergleichsweise leicht. Das Nexus 4 mit seiner Vorder- und Rückseite aus Gorilla-Glas wiegt 145 Gramm, das Galaxy S3 mit seinem Kunststoffgehäuse 132 Gramm. Die Schaltflächen für die Lautstärke und das Ein- und Ausschalten des Geräts sind etwas zu sehr in das Gehäuse eingepasst und lassen sich deshalb schwer ertasten. Einen Einschub für eine Speicherkarte gibt es nicht. Das HTC One wird mit 32 GByte internem Speicher ausgeliefert. Der Arbeitsspeicher hat Platz für 2 GByte.
Mit seinen Maßen von 137,4 x 68,2 x 9,3 mm ist das HTC One in etwa so groß wie andere aktuelle Smartphones mit 4,7-Zoll-Display, etwa das Galaxy S3, dessen Gehäuse 136,6 x 70,6 x 8,6 mm misst. Zum Vergleich: Das Gehäuse von Sonys Xperia Z ist mit seinem 5-Zoll-Display 139 x 71 x 8 mm groß und lässt sich nur mit Mühe einhändig bedienen.
Fest verbauter Akku
Die Rückseite des HTC One lässt sich nicht entfernen und demnach auch der Lithium-Polymer-Akku mit einer angegebenen Nennladung von 2.300 mAh nicht ohne weiteres wechseln. Bei Volllast gibt das Alugehäuse übermäßig viel Wärme ab. Wir haben dort über 40 Grad Celsius gemessen – im diesjährigen Spätwinter ist das HTC One ein idealer Taschenwärmer. Mit eingeschalteten Stromsparfunktionen hielt es im Normalgebrauch etwa eineinhalb Tage durch. Dabei war das LTE-Modul aktiv und wir riefen E-Mails, Twitter und Facebook ab, surften ausgiebig im Internet und spielten ab und zu. Unter Volllast war der Akku in 3,5 Stunden leer, ein durchschnittlicher Wert.
Überdurchschnittliche Netzwerkanbindung
Außer mit LTE in den Frequenzen 800/1.800/2.600 MHz, UMTS in den Frequenzen 850/900/1.900/2.100 MHz sowie GSM in den Frequenzen 850/900/1.800/1.900 MHz verbindet sich das HTC One nach IEEE 802.11 a/n und b/g/n mit dem Netz. Außerdem beherrscht es als eines der ersten Smartphones in unseren Tests WLAN nach IEEE 802.11 ac und könnte theoretisch Daten mit einer Geschwindigkeit von 1.750 MBit/s empfangen. Zudem ist das HTC One DLNA-fähig und überträgt Daten per Bluetooth in Version 4.0 und NFC. Über den Micro-USB-Anschluss auf der Unterseite des Smartphones lässt sich der Bildschirminhalt über einen MHL-Adapter oder direkt über ein HDMI-Kabel auf einen externen Bildschirm übertragen. Zudem hat es einen Infrarotsender, mit dem sich Geräte der Unterhaltungselektronik steuern lassen sollen. Seitlich am Gehäuse ist der Einschub für die Micro-SIM-Karte, der mit einem Dorn geöffnet werden muss.
Blink-, Blink-, Blinkfeed
Unter dem 4,7-Zoll-Bildschirm gibt es nur noch zwei Tasten: die Home- und die Zurück-Taste. Auf dem Homescreen werden Nachrichten eingeblendet, die Funktion nennt HTC Blinkfeed. Sie bestehen aus Meldungen, die mit Fotos gespickt sind, und ähneln den Kacheln von Windows 8. Ein Tippen auf ein Foto ruft die Webseite mit der Meldung auf. Noch sind dort vergleichsweise wenige Inhalte zu sehen, sie stammen von der Nachrichtenagentur dpa, dem Magazin Stern sowie von Technikmedien wie Engadget und Gizmodo. Dazwischen werden Tipps zur Nutzung des HTC One oder Termine aus dem Google-Kalender angezeigt.
Für die Bereitstellung von Medieninhalten in Blinkfeed ist das Unternehmen Mobiles Republic zuständig. Die Meldungen werden über einen RSS-Feed bereitgestellt, der neben Text auch Fotos oder Videos enthalten darf. Durch einmaliges Tippen auf eine Meldung wird die Webseite mit dem Originalartikel aufgerufen.
Blinkfeed nimmt dabei fast den gesamten Bildschirm in Anspruch, oben bleibt noch Platz für aktuelle Wettermeldungen. Der Nachrichtendienst lässt sich nicht abschalten oder vom Standard-Homescreen entfernen. Der Nutzer kann immerhin Nachrichtenanbieter auswählen und das Abrufen neuer Meldungen bei nur aktiver WLAN-Verbindung beschränken. Wen Blinkfeed nervt, der kann selbst bis zu zwei zusätzliche Homescreens einrichten oder einen der zwei bereits vorhandenen Homescreens als Standard definieren. Sie lassen sich dann über die Hometaste unter dem Bildschirm aufrufen. Ein Doppeltippen auf selbige öffnet den Taskmanager.
Verrauschte Bilder und Zoe-Clips
Die verbaute Kamera nennt HTC eine Ultrapixelkamera. Sie hat lediglich eine Auflösung von 4 Megapixeln. Stattdessen sollen Pixel auf dem Sensor dank einer größeren Belichtungsfläche lichtempfindlicher sein als bei den Kameras anderer aktueller Smartphones. Tatsächlich machte die Kamera bei schwierigen Lichtverhältnissen kontrastreiche Aufnahmen mit vergleichsweise wenig Rauschen. Bei Aufnahmen unter normalen bis idealen Lichtverhältnissen war das Rauschen aber naturgemäß deutlich höher und die Details wesentlich geringer als bei Kameras mit einer höheren Anzahl von Pixeln.

In der Kamerasoftware lassen sich ISO-Werte zwischen 100, 200, 400 und 800 einstellen. Unsere Testaufnahmen machten wir mit ISO 100. Je höher der ISO-Wert eingestellt war, desto größer fiel das Bildrauschen aus. Mit höheren ISO-Werten konnten wir aber auch ohne Blitz in dunklen Umgebungen noch recht gute Fotos machen. Die von anderen Medien gemeldeten Fehler in der Kamerasoftware, bei der sich die ISO-Werte nicht anpassen ließen, bemerkten wir auf unserem Testgerät nicht. HTC will für fehlerhafte Geräte ein Update nachreichen.
Bei unserem Test mit der Videokamera entdeckten wir eine Option für Aufnahmen in Zeitlupe, die gut funktioniert und zum Spielen einlädt. Die Auflösung der Videos in Zeitlupe betrug wie bei aufgenommenen Videos in Normalgeschwindigkeit 1080p. Die vorderseitige Kamera macht ebenfalls Aufnahmen mit einer Auflösung von 1080p bei 2,1 Megapixeln und hat ein Weitwinkelobjektiv. Nervig war, dass die Kamera oftmals in den ersten Sekunden einer Videoaufnahme nochmals die Schärfe einstellte, obwohl wir das vor Beginn der Aufnahmen bereits getan hatten. Videoclips lassen sich in der Galerie schnell zuschneiden.
Zoe macht uns Videoclips
Mit Zoe hat HTC eine nette Zusatzfunktion beigelegt, mit der sich Videoaufnahmen und Fotos automatisch zu einem halbminütigen Videoclip zusammenstellen lassen. Wir mussten uns die Funktion aber erst von der in Blinkfeed eingeblendeten Hilfe erklären lassen. Durch Tippen auf das Kamerasymbol im Sucher wird HTCZoe aktiviert, es wechselt dann die Farbe zu Blau. Danach starteten wir eine Videoaufnahme, die von der Kamera in Einzelbildern abgespeichert wurde. Aus diesen stellte HTCZoe einen Videoclip mit verschiedenen Übergängen samt Musikuntermalung zusammen. HTCZoe legt auch Bildeffekte über das Video, etwa im Retrolook, oder verwandelt sie in Schwarz-Weiß-Bilder. Vor dem endgültigen Speichern konnten wir die jeweiligen Vorlagen ausprobieren und eine alternative auswählen. Sonst hat uns HTCZoe die Entscheidung abgenommen, was manchmal lustig war, manchmal auch komplett daneben.

Im Bildbetrachter bemerkten wir, dass HTCZoe auch aus Videoaufnahmen und Fotos, die wir ohne die Zusatzfunktion aufgenommen hatten, einen Videoclip erstellt, sozusagen als kurzes Videotagebuch. Ein eigenes frisches HTCZoe-Projekt konnten wir nicht starten, sondern nur vorhandene abändern. Dann konnten wir aus unseren selbst aufgenommenen Inhalten 13 auswählen, die HTCZoe für uns neu zusammenstellte. Das klappte nicht immer, HTCZoe neigte dazu, auch Videos zu integrieren, die wir nicht drin haben wollten. Bei längeren Videoaufnahmen konnten wir auch keine Sequenzen bestimmen. Wir konnten in einem zweiten Schritt die Bildeffekte und die Musikuntermalung anhand von sechs Vorlagen beeinflussen, nicht jedoch die Übergänge, die offensichtlich in den Vorlagen verankert sind. Uns hat HTCZoe Spaß gemacht, wir wünschen uns aber mehr Optionen und die Möglichkeit, ein eigenes Zoe-Projekt zu erstellen. Ohne die wurde HTCZoe schnell langweilig. Besser als animierte GIFs sind die Zoe-Clips aber allemal.
Die bislang funktionsreichste Kamera, die wir in einem Smartphone entdeckt haben, kann auch HDR-Aufnahmen machen. Das Objektiv hat eine Brennweite von 28 mm mit einer F-2.0-Blende. Der Sensor hat zudem einen optischen Bildstabilisator (OIS). Der Blitz hat fünf Stufen, die automatisch an die Entfernung des zu fotografierenden Objekts angepasst werden.
Toller Sound
Die beiden Lautsprecher sorgen durch ihren größtmöglichen Abstand zueinander für einen außergewöhnlich guten Stereoklang. Die Bässe und Höhen werden durch Beats Audio verstärkt und klingen trotz kleinen Klangkörpers satt. Selbst bei maximaler Lautstärke verzerrt der Klang nur wenig. Den Klangunterschied mit und ohne Beats Audio hörten wir deutlich heraus, dann fehlten die Bässe und der Ton klang blechern.
Mit Blinkfeed und einer anderen Wetter-App hat HTC seiner Oberfläche Sense 5.0 auf Android 4.1.2 ein neues Aussehen verpasst – zumindest auf dem Homescreen. Die alte Zeit- und Wetteranzeige lässt sich als Widget einrichten. Auf einen Schnellzugriff auf ausgewählte Systemeinstellungen hat HTC verzichtet und stattdessen in dem Benachrichtigungsmenü lediglich auf die Einstellungen über ein einzelnes Symbol verlinkt. Uns ist in der Symbolleiste ein Bug untergekommen: Mehrere App-Starter lassen sich zwar dort in Ordnern zusammenfassen, nicht aber wieder entfernen. Auch ein kompletter Ordner kann nicht gelöscht werden.
Verfügbarkeit und Fazit
Bei der Deutschen Telekom, bei Vodafone und bei O2 kann das One von HTC mit 32 GByte Speicher bereits online bestellt werden. Nur die Telekom verkauft das Android-Smartphone auch ohne Mobilfunkvertrag und bietet es noch unterhalb des Listenpreises an. Es kostet bei der Telekom ohne Vertrag 595 Euro. HTC gibt einen Listenpreis von 680 Euro an.
Fazit
Die nicht ganz so tolle Kamera ist leider ein Minuspunkt. Über die Frage, ob ein Smartphone auch als hochwertige Kamera dienen soll, kann man streiten. Dass selbst bei guten Lichtverhältnissen wesentliche Details in Fotos verloren gehen, ist hingegen schade. Da ist die Konkurrenz mit ihren Megapixel-Boliden deutlich besser.
HTC versucht, das mit Funktionen wie Zoe und der Zeitlupenfunktion wieder wettzumachen, degradiert dabei sein hochwertiges Gerät aber zu einem Freizeit- und Partyspaß. Auf Feten kann immerhin auf nervige Blitzaufnahmen verzichtet werden, denn im Dunkeln macht die Kamera zumindest detailliertere Fotos als die Konkurrenz. Zoe ist ein netter Zusatz, ohne mehr Eingriffsmöglichkeiten wird das Erstellen von Miniclips aber schnell langweilig.
Dennoch hat uns das HTC One außerordentlich gut gefallen. Es ist ein tolles Gerät, das die Bezeichnung Oberklasse durchaus verdient. Es gibt kaum Ruckler, der Bildschirm zeigt satte und natürliche Farben. Dass er blickwinkelabhängig dunkel wird, lässt sich verschmerzen. Das Gehäuse ist gut verarbeitet und sieht hochwertig aus, nicht zuletzt wegen des verbauten Aluminiums. Der Listenpreis von 680 Euro ist nicht nur angemessen, sondern fast ein Schnäppchen.



