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HTC Desire Eye im Hands On: Das wasserdichte One mit besserer Kamera

Mit dem Desire Eye weicht HTC von seiner bisherigen Strategie ab und präsentiert ein Top- Smartphone mit dem Namen der Mittelklasseserie. Dabei ist das Desire Eye ein HTC One (M8) im Kunststoffmantel, das zwei 13-Megapixel-Kameras hat.
/ Tobias Költzsch
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HTCs Desire Eye (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
HTCs Desire Eye Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

HTC hat in New York das neue Desire Eye vorgestellt. Obwohl das Smartphone den Namen von HTCs Mittelklasseserie trägt, ist es von der Ausstattung her nahezu baugleich mit dem Topmodell One (M8). Allerdings verzichtet der taiwanische Hersteller auf das Metallgehäuse und die Ultrapixel-Kamera mit Zusatzlinse für Tiefeninformationen.

HTC stellt das Desire Eye vor
HTC stellt das Desire Eye vor (01:48)

Stattdessen kommt wie bei der ersten Kunststoffversion des One (M8), dem One (E8), eine 13-Megapixel-Kamera zum Einsatz. Diese wird wie die Kamera des One (M8) durch einen zweifarbigen Blitz ergänzt. Die Anfangsblende ist mit f/2.0 recht groß, weshalb zusammen mit dem BSI-Sensor auch Bilder in weniger gut beleuchteten Situationen gelingen sollten. Am rechten Gehäuserand befindet sich ein dedizierter Kameraauslöser. Nicht nur bei der Hauptkamera weicht HTC allerdings vom Konzept seines aktuellen Topgerätes ab, auch die Frontkamera wurde deutlich aufgewertet.

Vorne und hinten eine 13-Megapixel-Kamera mit BSI-Sensor

Hier finden sich beim Desire Eye ebenfalls eine 13-Megapixel-Kamera mit großer Linse, BSI-Sensor und einer Anfangsblende von f/2.2 sowie ein zweifarbiger Blitz. Das Desire Eye eignet sich daher besser als die meisten anderen Smartphones für Selbstporträts.

Eine ähnlich hohe Pixelzahl für die Frontkamera bietet nur das Oppo N1 mit seiner Drehkamera - auch wenn diese technisch gesehen natürlich nur die nach vorne gedrehte Hauptkamera ist.

Die mit der Frontkamera geschossenen Bilder sehen auf den ersten Blick sehr gut aus. Eine genauere Beurteilung auch der Qualität der Hauptkamera ist aber erst nach einem ausführlicheren Test möglich.

Automatischer Zoom bei Videotelefonaten

Verwendet der Nutzer mit dem Desire Eye eine Videotelefonie-App wie etwa Skype, zoomt die Kamera automatisch auf das Gesicht des Nutzers - dies geschieht digital und nicht durch einen optischen Zoom. Bewegt sich der Nutzer, verfolgt die Kamera sein Gesicht - eine ähnliche Funktion hat etwa die Kinect-Kamera von Microsofts Spielekonsole Xbox One.

In unseren Versuchen funktionierte die Gesichtsverfolgung sehr gut, sie ermöglicht bequeme Videotelefonie, ohne dass das Smartphone immer in der Hand gehalten werden muss.

Desire Eye mit One-M8-Ausstattung

Die Kamera-App hat HTC verbessert und auf Selbstporträts optimiert - genannt wird sie jetzt Eye Experience. Im Selbstporträt-Modus können Bilder durch ein Schlagwort ausgelöst werden oder indem das Smartphone zwei Sekunden ruhig in der Hand gehalten wird. Auch aus dem Bild aus Front- und Hauptkamera kombinierte Bilder sind möglich. Es ist außerdem möglich, ein Selbstporträt in ein mit der Hauptkamera geschossenes Foto zu integrieren.

Neu ist bei den Aufnahmemodi zudem ein Passbild-Modus, mit dem der Nutzer Bilderstreifen mit vier Fotos erstellen kann. Zusätzlich findet der Nutzer wieder einen getrennten Kamera- und Video-Auslöser - bei der Neugestaltung der App im Zuge der Veröffentlichung des One (M8) wurden diese zusammengelegt. Die neu gestaltete Kamera-App wird als Update auch für das One (M8) erhältlich sein, inklusive der Gesichtsverfolgung bei Videotelefonaten.

5,2-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung

Das Display des Desire Eye ist mit 5,2 Zoll etwas größer als der 5-Zoll-Bildschirm des HTC One (M8). Die Auflösung liegt unverändert bei 1.920 x 1.080 Pixeln, was einer Pixeldichte von 423 ppi entspricht. Bildinhalte werden scharf dargestellt, auch kleine Schrift ist gut lesbar und zeigt kaum nennenswerte Treppeneffekte.

Als Gehäusematerial verwendet HTC hochwertig wirkendes Polycarbonat. Das Desire Eye kommt in zwei Farbvarianten: Weiß mit rotem Rand und dunkelblau mit türkisfarbenem Rand. Zwischen den beiden farbigen Gehäuseabschnitten befinden sich keine Lücken, das Gehäuse ist aus einem Guss und liegt sehr gut in der Hand. Die Verarbeitung der beiden Geräte, die wir uns bereits anschauen konnten, ist tadellos und verdeutlicht, dass ein Kunststoffgehäuse nicht weniger edel als ein Metallgehäuse sein muss.

Wasserdichtes Gehäuse ohne lästige Laschen

Zudem ist das Gehäuse des Desire Eye wassergeschützt: Bis zu 30 Minuten lang kann das neue Smartphone in einer Tiefe von 1 Meter überstehen. Sehr praktisch ist, dass sowohl die Kopfhörerbuchse als auch der Micro-USB-Anschluss und die Karteneinschübe ohne abdichtende Abdeckung auskommen. Bei Sony-Geräten müssen Nutzer eine Lasche öffnen, um an den Ladeanschluss oder den Micro-SD-Kartenschacht zu gelangen.

An der restlichen Hardware hat HTC im Vergleich zum One (M8) offenbar nichts geändert: Im Inneren des Desire Eye arbeitet ein Snapdragon-801-Prozessor mit vier Kernen und einer Taktrate von 2,5 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 2 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 16 GByte. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis 128 GByte ist eingebaut. Ob App2SD unterstützt wird, ist nicht bekannt. Zudem hat das Desire Eye zwei eingebaute Boomsound-Lautsprecher auf der Vorderseite. Diese sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Neben Quad-Band-GSM und UMTS unterstützt das Desire Eye auch LTE und Dual-Band-WLAN nach 802.11a/b/g/n. Bluetooth läuft in der Version 4.0, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Wie bereits beim One (M8) benötigt der Nutzer auch beim neuen HTC-Smartphone eine Nano-SIM-Karte, die in einen Schacht an der Gehäuseseite gesteckt wird. Der Akku hat eine Nennladung von 2.400 mAh, die Standby-Zeit soll im UMTS-Modus über 22 Tage betragen. Die Gesprächszeit soll mit einer Akkuladung bei bis zu 20 Stunden liegen.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Desire Eye wird mit Android in der Version 4.4.4 alias Kitkat ausgeliefert, worüber HTC die bereits vom One (M8) bekannte Benutzeroberfläche Sense 6 installiert. Mit dabei ist auch Blinkfeed, HTCs in den Startbildschirm eingebaute Nachrichtenübersicht.

Das HTC Desire Eye soll ab November 2014 in Deutschland im Handel erhältlich sein. Der Preis wird bei 530 Euro liegen - und damit unter dem Listenpreis des One (M8). Er liegt aber deutlich über dem, was HTC bisher für die Desire-Geräte verlangt hatte. Als Zubehör wird es wieder eine Dot-View-Hülle geben, die auf eine Tippgeste hin Informationen anzeigt, ohne dass der Nutzer sie aufklappen muss. Damit die neue Videotelefonie-Funktion besser genutzt werden kann, ist auch eine Hülle mit Ständer geplant.

Fazit

Das Desire Eye ist - obwohl es den Namen von HTCs Mittelklasseserie trägt - ein Topsmartphone: Technisch ist es baugleich mit dem One (M8), hat allerdings einen größeren Bildschirm und ein Gehäuse aus Kunststoff. Als Entschädigung für das fehlende Metallgehäuse erhält der Nutzer aber zwei 13-Megapixel-Kameras.

Damit behebt HTC einen Umstand, der beim One (M7) und One (M8) im Vergleich mit den Smartphones anderer Hersteller immer etwas problematisch war: Zwar machen die Ultrapixel-Kameras tatsächlich deutlich bessere Fotos bei schummriger Beleuchtung, dafür steht die Bildqualität bei einer Auflösung von 4 Megapixeln deutlich hinter der der Konkurrenz. Auch bei Tageslichtaufnahmen hatten wir beim One (M8) häufiger Probleme mit ausreißenden Lichtern.

Zwar müssen sich die 13-Megapixel-Kameras des Desire Eye noch im Test beweisen, die ersten Eindrücke sind aber bereits recht gut. Aufgrund der mehr als dreimal höheren Pixelzahl dürfen wir eine merkliche Steigerung der Bildqualität erwarten.

Inwieweit eine Frontkamera mit 13 Megapixeln nützlich ist, ist zu einem gewissen Grad sicherlich Geschmackssache. Fakt ist jedoch, dass es bis auf das Oppo N1 kaum ein anderes Smartphone auf dem Markt geben dürfte, das derart hochauflösende Selbstporträts schießen kann. Zudem ermöglicht die hohe Auflösung Zooms und einen Verfolgungsmodus bei Videotelefonie, was für manchen Nutzer praktischer als schicke Fotos von sich selbst sein dürfte.

Für uns ist das Desire Eye trotz der Zugehörigkeit zur Mittelklasseserie HTCs das bessere One (M8). Zwar muss der Käufer auf ein Metallgehäuse verzichten, erhält dafür aber ein Gerät mit deutlichem Mehrwert. HTC könnte durch die Vermischung seiner eigentlich sinnvoll getrennten Desire-Mittelklasseserie und der One-Topserie letztlich aber zur Verwirrung seiner Nutzer und der Aufweichung seiner Produktstruktur beitragen. Ein One (M8) mit verbesserter Kamera plant HTC nach eigener Aussage jedenfalls nicht.


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