Zum Hauptinhalt Zur Navigation

HP Envy 15-c000ng x2 im Test: Das Core-M-Tablet mit dem Wohnzimmer-Formfaktor

HPs Envy 15-c000ng x2 ist ein Tablet mit 15,6 Zoll großem Display, das mit seiner andockbaren Tastatur ein Notebook ersetzen können soll. Bei unserem Test haben wir aber ein deutlich besseres Einsatzgebiet gefunden - vor allem durch den flexiblen Standfuß.
/ Sebastian Wochnik
67 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
HP Envy 15-c000ng x2 (Bild: Sebastian Wochnik/Golem.de)
HP Envy 15-c000ng x2 Bild: Sebastian Wochnik/Golem.de

Kein klassisches Tablet: Das Envy 15-c000ng x2 von HP gehört mit seinem 15,6-Zoll-Display zu den größten Windows-Tablets. Dank des neuen Core-M-Prozessors solle genügend Leistung zum Arbeiten zur Verfügung stehen, so dass das Gerät die Funktion eines Notebooks erfüllen könne, verspricht der Hersteller. Im Test zeigt es sich aber besser für einen anderen Einsatz geeignet.

HP Envy 15-c000ng x2 - Test
HP Envy 15-c000ng x2 - Test (02:50)

Das HP-Tablet ist sehr groß - deutlich größer als die meisten anderen Tablets. Das Gehäuse misst 41,3 x 24,4 cm, das iPad Air 2 ist beispielsweise nur 24 x 17 cm und damit halb so groß. Mit einer Höhe von 15 mm ist das Tablet auch ziemlich dick. Als Gehäusematerial verwendet HP Aluminium, das sehr gut verarbeitet ist. Dadurch ist das Tablet sehr stabil, verwinden konnten wir es nicht.

Knapp 1,85 kg wiegt das große Gerät. Das entspricht ungefähr vier mit einem 10 Zoll großen Display ausgestatteten iPad Air 2. Das ist zu viel Gewicht, um das HP-Gerät wie ein klassisches Tablet zu benutzen. Selbst mit beiden Händen wollten wir das Tablet nie länger als wenige Minuten festhalten - das Halten mit nur einer Hand wird schnell zum Muskeltraining. Erst wenn es abgestellt oder -gelegt ist, lässt sich das Tablet bequem bedienen - den eingebauten Standfuß lernten wir deswegen schnell zu schätzen.

Größer ist besser...

Auf einem Tisch oder dem Schoß verwendeten wir das große Tablet am liebsten. Dort konnte es nämlich immer sicher aufgestellt werden. Im Gehäuse integriert ist ein Standfuß, durch den das Envy stufenlos geneigt werden kann - wie auch bei Microsofts Surface Pro 3 . Beim Bedienen kippt der Ständer zum Glück nicht nach hinten weg, beim Aufstellen muss dafür aber ein wenig Kraft aufgewendet werden.

Denkbar ist durch den Ständer auch der stationäre Betrieb - das Tablet fungiert dann als All-in-One-PC. Zum Arbeiten ist das 15,6-Zoll-Display - auch zu Hause - ausreichend groß. Wer will, kann einen weiteren Monitor am HDMI-Anschluss anschließen. Für Eingabegeräte oder Massenspeicher gibt es zwei vollwertige USB-3.0-Ports.

Aber nicht nur im stationären Betrieb gefällt uns das 15,6-Zoll-Display. Auch zum Surfen auf der Couch oder zum Filmeschauen im Bett besitzt das Display eine angenehme Größe. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass die virtuelle Tastatur größer ist. Das Tippen mit mehreren Fingern gelingt dadurch deutlich besser.

Während unseres Tests verwendeten wir das Tablet hauptsächlich im Wohnzimmer. Es ist einfach zu unhandlich, um es ständig hin- und herzutragen. Aber auch um in der Küche ein Kochrezept anzeigen zu lassen, ist es zu groß. Das Tablet beansprucht zu viel Arbeitsfläche und stört dadurch eher.

Das Display mit IPS-Panel ist mehr als nur groß: Die Farbdarstellung und der Kontrast gefallen uns sehr gut. Das Display ist nicht zu knallig, sondern stellt Farben natürlich dar. Dafür dürfte das Display aber etwas heller sein. Eine durchschnittliche maximale Helligkeit von 230 cd/qm reicht in Innenräumen meist aus, bei hellerem Umgebungslicht spiegelt das Display aber sichtbar, und Inhalte sind nur noch schwer zu erkennen.

Ebenfalls grenzwertig ist die Auflösung des Displays. 1.920 x 1.080 Bildpunkte entsprechen bei einem 15,6-Zoll-Display gerade mal einer Pixeldichte von 141 ppi. Da der Abstand der Augen zum Display aber generell größer ist als bei kleineren Tablets, fallen einzelne Pixel seltener auf. Treppeneffekte kommen durch Microsofts Clear-Type-Technik(öffnet im neuen Fenster) auch bei niedriger Bildschirmauflösung glücklicherweise kaum vor.

Das Tablet hat zwei Beats-Audio-Lautsprecher, die deutlich größer sind als in anderen Tablets. Sie wurden rechts und links neben dem Display platziert. Wirklich gut klingen sie aber nicht: Musik wirkt sehr blechern und der Bass fehlt komplett. Immerhin sind sie deutlich lauter als Lautsprecher in kleineren Tablets.

... aber weniger mobil

Unterwegs ist das große Display des Envy meistens unpraktisch. Abgesehen davon, dass es durch die schiere Größe nicht in etwas kleinere Taschen passt, ist es einfach zu schwer. Außerdem nimmt das Tablet auf einem Tisch durch den Ständer mehr Platz als ein Notebook in Anspruch - auf einen kleinen Cafétisch konnten wir das Tablet deshalb erst gar nicht hinstellen.

Einsatzgebiete klassischer Tablets wie etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln fallen durch die Größe weg. Selbst wenn das Tablet einfach nur auf dem Schoß steht, ist meist nicht genug Platz. Zudem erkennt man auch noch drei Plätze weiter den Bildschirminhalt eines solch großen Tablets.

Wenn sich unterwegs doch ein Tisch findet, dann erleichtert das mitgelieferte Tastaturcover das Arbeiten mit dem Tablet. Mit dem Cover wiegt das Gerät aber noch mal fast ein halbes Kilogramm mehr. Seltsam ist, dass die Tastatur per Bluetooth mit dem Tablet gekoppelt wird, obwohl es einen Docking-Port gibt - über diesen bezieht die Tastatur auch den benötigten Strom. Beim Koppeln hatten wir öfters Probleme, das Tablet wollte die Tastatur nicht als solche erkennen.

Die flachen Chiclet-Tasten besitzen einen deutlichen Druckpunkt, und auch längere Texte lassen sich darauf tippen. Außerdem ist die Tastatur von hinten beleuchtet. Manchmal wippt die komplette Tastatur ein wenig mit, wenn etwas stärker auf die Tasten gedrückt wird, da die Unterseite nicht ganz plan aufliegt - das ist nervig. Rechts neben der Tastatur hat HP noch ein Touchpad eingebaut. Es ist für Wischgesten angenehm groß, die Finger können gut über die glatte Oberfläche gleiten.

Ein Notebook wird das HP-Tablet kaum ersetzen können. Beispielsweise kann das Tablet mit dem Tastaturcover nicht auf dem Schoß aufgestellt werden. Das Tablet muss in einem sehr steilen Winkel gestellt werden, was sehr wackelig ist. Außerdem stößt das Tastaturcover dann bei vielen an den Bauch - gemütliches Schreiben ist so nicht möglich.

Einen aktiven Eingabestift plant HP in Zukunft anzubieten. Dafür hat das Tastaturcover bereits eine kleine Halterung.

Sowohl unterwegs als auch zu Hause hat der Akku bei Dauernutzung locker einen Tag gehalten. Bei sporadischer Nutzung muss das Tablet nach drei bis vier Tagen aufgeladen werden - kein besonders guter Wert für ein modernes Tablet. Ein 1080p-Video konnte das Tablet 6 Stunden lang wiedergeben. Für ein Tablet mit einem solch großen Display ist das in Ordnung. Im Vergleich zu kleineren Android- oder iOS-Tablets ist die Akkulaufzeit eher im unteren Bereich.

Viel Leistung und doch träge

Als Prozessor hat HP den Core M-5Y10a von Intel verbaut, dessen maximaler Wert für die thermische Verlustleistung von 4,5 Watt auf 6 Watt hochgesetzt wurde. Gekühlt wird der Chip passiv, denn das Aluminiumgehäuse bietet dafür genügend Fläche. Der CPU-Takt liegt bei 0,8 GHz, kurzzeitig kann der Prozessor auf 2,0 GHz takten. Die Grafikeinheit läuft mit einer Taktrate von 100 MHz, diese wird bei anspruchsvolleren Anwendungen auf 800 MHz erhöht.

Im Alltag reicht der Prozessor zusammen mit den 4 GByte Arbeitsspeicher gut aus. Der Core M-5Y10a fühlt sich kaum langsamer als ein kleiner Haswell-Core-i3 an. Denn da beim Öffnen von Dokumenten oder dem Browser nur sehr kurz viel Leistung benötigt wird, kann die Core-M-CPU mithalten.

Dennoch ist das Tablet manchmal träge, vor allem beim Wechseln von Benutzern und wenn mehrere Anwendungen parallel geöffnet sind. Als interner Speicher dient nämlich eine 500 GByte große SSHD von Western Digital mit 16 GByte SSD-Cache. Die Festplatte ist nur 5 mm dünn. Die Zugriffszeiten sind länger als bei eMMC- und SSD-Flash-Speicher, dadurch fühlt sich das Tablet oft langsam an. Das Öffnen von Anwendungen, die nicht vom Betriebssystem im Flash-Cache abgelegt wurden, dauert zu lange. Nervig sind auch die Geräusche der Festplatte. Auch wenn es ein eher leises Modell ist, hört man es bei absoluter Stille.

Das Tablet besitzt eine 2-Megapixel-Webcam, eine Rückkamera ist nicht vorhanden. Ein SD-Kartenleser ist im Gehäuse eingebaut, WLAN funkt das Tablet nach 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.0 und Miracast werden ebenfalls unterstützt.

Fazit und Verfügbarkeit

Das HP Envy 15-c000ng x2 ist im Onlinehandel ab 750 Euro zu haben. Das Tastaturcover mit Touchpad wird mitgeliefert. Einen aktiven Digitizer will HP für das Tablet noch auf den Markt bringen, wann er verfügbar sein wird, ist nicht bekannt.

Fazit

Das HP Envy 15-c000ng x2 ist kein Tablet für unterwegs. Es ist zu schwer zum Halten und passt kaum in eine Tasche. Erst wenn das Tablet irgendwo abgestellt werden kann, ist die Bedienung bequem, nicht zuletzt wegen des integrierten Ständers.

Das große Display besitzt eine gute Farbdarstellung, könnte aber heller sein. Auch die Auflösung könnte bei solch einem großen Tablet höher sein - dank Microsoft Clear-Type-Technik fallen Pixel aber nur selten auf. Nervig ist die SSHD, deren Zugriffszeiten länger sind als die einer eMMC oder SSD. Anwendungen öffnen langsamer, das System fühlt sich träger an.

Die Akkulaufzeit geht in Ordnung, zwei Filme können problemlos nacheinander angeschaut werden. Mit Android- und iOS-Tablets kann das Envy hier aber nicht mithalten. Von den integrierten Lautsprechern haben wir allerdings mehr erwartet.

Wer sein Tablet auch mal mitnehmen möchte, sollte die Finger vom Envy 15-c000ng x2 lassen - dazu ist es viel zu groß und zu schwer. Wer allerdings das Tablet ausschließlich zu Hause nutzen möchte und eines mit einem großen Display sucht, der bekommt mit dem Envy ein gutes Windows-Tablet. Der Preis von 750 Euro geht in Ordnung. Windows-Tablets und -Notebooks mit ähnlicher Ausstattung, aber kleinerem Display sind kaum günstiger.


Relevante Themen