HP-35: Der revolutionäre Taschenrechner zum Preis eines Monatslohns

Mit dem HP-35 brachte Hewlett-Packard 1972 den ersten wissenschaftlichen Taschenrechner auf den Markt - und hat damit Rechenschieber obsolet gemacht.

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Der HP-35
Der HP-35 (Bild: Holger Weihe/Wikipedia/CC-BY-SA 3.0)

Im Jahr 1972 gab es bereits elektronische Taschenrechner, allerdings meist nur für die Grundrechenarten. Wer komplexere Rechenoperationen durchführen wollte, verwendete Rechenschieber oder Logarithmustabellen. Im diesem Jahr hat Hewlett-Packard den HP-35 auf den Markt gebracht - und damit das Ende der Rechenschieber eingeläutet.

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Der HP-35 war eine Revolution: Verglichen mit den bisherigen Methoden konnten komplexe Rechenaufgaben in wesentlich geringerer Zeit gemeistert werden. Der Taschenrechner war der erste weltweit, der sowohl trigonometrische und logarithmische Funktionen als auch Exponentialrechnung beherrschte.

Im Inneren sorgten fünf ICs von Mostek für die notwendige Rechenleistung. Der daraus aufgebaute serielle Mikroprozessor hatte eine Wortlänge von 13 Bit. Die Rechengeschwindigkeit ist nicht mit der moderner Taschenrechner zu vergleichen, für Berechnungen brauchten Ingenieure teilweise aber nur ein Fünftel der Zeit, die sie bislang mit Rechenschiebern benötigt hatten.

15-stellige Anzeige als Akkufresser

Das Ergebnis wurde auf einer 15-stelligen Leuchtdiodenanzeige dargestellt. Ergebnisse, die nicht mehr in Gleitkommadarstellung angezeigt werden konnten, wurden mit einem Exponentialzusatz dargestellt. Um den Akku zu schonen, ohne ständig den Einschalter betätigen zu müssen, sollen Wissenschaftler in Rechenpausen einfach ein Komma eingegeben haben: Dann wurde nur dieses angezeigt, während die anderen Leuchtdioden deaktiviert waren. Der Nickel-Cadmium-Akku des HP-35 hielt nur knapp drei Stunden durch, dann musste er wieder aufgeladen werden.

  • Die Platine des HP-35 (Kucharek/Wikipedia/https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HP_35_pocket_calculator_main_board.jpg#/media/Datei:HP_35_pocket_calculator_main_board.jpg)
  • Der HP-35 von Hewlett-Packard (Bild: Holger Weihe/Wikipedia/https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hp-35_1972.jpg#/media/Datei:Hp-35_1972.jpg)
Der HP-35 von Hewlett-Packard (Bild: Holger Weihe/Wikipedia/https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hp-35_1972.jpg#/media/Datei:Hp-35_1972.jpg)
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Der HP-35 wurde, wie auch viele andere Taschenrechner von Hewlett-Packard, in umgekehrter polnischer Notation (UPN) bedient. Dabei werden die einzelnen Operanden nicht mit einer Taste der gewünschten Rechenoperation verbunden, wie es bei algebraischer Notation der Fall ist. Stattdessen werden der erste und der zweite Operand durch die Entertaste getrennt eingegeben, anschließend wird die Taste der gewünschten Rechenoperation gedrückt.

Die UPN ist vor allem für Nutzer von Taschenrechnern mit algebraischer Notation gewöhnungsbedürftig. Der Autor dieses Textes hat in der Schule einen geerbten HP-11C mit UPN verwendet - als einziger in der Klasse. Damit war sichergestellt, dass sich keiner der Mitschüler den Taschenrechner ausleihen wollte.

Der HP-35 hat es 1973 sogar ins Weltall geschafft, als Taschenrechner auf der Raumstation Skylab. Mit seiner Größe von 5,8 x 3,2 Zoll (150 x 81 mm) soll er genau in die Hemdtasche von William Hewlett gepasst haben, einem der beiden Gründer von Hewlett-Packard.

Der HP-35 wurde trotz des hohen Preises zu einem Verkaufserfolg für Hewlett-Packard und legte den Grundstein für zahlreiche weitere erfolgreiche wissenschaftliche Taschenrechner. In den USA hat der HP-35 zum Marktstart 395 US-Dollar gekostet - damals ein Monatsgehalt und in heutiger Kaufkraft fast 2.700 US-Dollar. In Deutschland kostete der Taschenrechner 2.000 DM, was heute inflationsbereinigt einem Wert von über 3.600 Euro entspricht.

HP 35s + SafeCase Schutztasche + Garantieverlängerung auf 60 Monate

1973 erschien mit dem HP-45 eine erweiterte Version des HP-35, der mit einer Shift-Funktion um weitere Rechenmöglichkeiten erweitert wurde. Das Modell HP-80 basierte auf der gleichen Technologie wie der HP-35, richtete sich aber eher an Geschäftsleute als an Wissenschaftler. Im Laufe der Jahre und der technischen Entwicklung sanken die Preise und machten auch hochkomplexe Taschenrechner deutlich erschwinglicher: Der HP-16C, ein Topmodell aus dem Jahr 1982, kostete beispielsweise nur noch 150 US-Dollar - das entspricht heute etwa 440 US-Dollar.

Dank sinkender Preise lösten Taschenrechner Hilfsmittel wie Rechenschieber endgültig ab - an Universitäten verschwanden Kurse zur Bedienung aus dem Lehrplan. HP hat dem HP-35 übrigens im Jahr 2007 mit dem HP-35s ein Gedenkmodell zum 35-jährigen Jubiläum spendiert. Dieser kann wahlweise in UPN oder in algebraischer Notation verwendet werden. Auch heute stellt HP noch Taschenrechner her.

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Trollversteher 07. Apr 2022 / Themenstart

Das waren aber noch resistive und keine kapazitive Touchscreens - heißt: Wenn nicht mit...

friedruhm 07. Apr 2022 / Themenstart

Danke für den lesenswerten Bericht. Man schwelgt in Erinnerungen. In der Schule hatte ich...

Justizopfer 06. Apr 2022 / Themenstart

hi Realschulabschluss Mitte der 70iger Jahre mit Rechenschieber. War damals normal...

drvsouth 06. Apr 2022 / Themenstart

Wenn bei uns ein Taschenrechner erlaubt war, konnte man sicher sein, daß man ihn in...

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