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Hoverboards: So hip, es brennt gleich

IMHO
Wer sie nutzt, sollte einen Feuerlöscher mit sich herumtragen: Sogenannte Hoverboards sind das schlimmste Gadget des noch jungen Jahres. Danke für nichts, Internet.
/ Eike Kühl (Zeit Online)
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Kann zwar nicht schweben, soll aber trotzdem ein Hoverboard sein. Ja ne - is klar! (Bild: Christopher Furlong/Getty Images)
Kann zwar nicht schweben, soll aber trotzdem ein Hoverboard sein. Ja ne - is klar! Bild: Christopher Furlong/Getty Images

Stephen Hawking muss es wissen. Auf einer Veranstaltung Anfang des Jahres in London sagte der Astrophysiker(öffnet im neuen Fenster) , neue Technologien stellten zunehmend eine Gefahr für die Zukunft der Menschheit dar. Und obwohl er anschließend von Atomkriegen und Erderwärmung sprach, kann er eigentlich nur eines gemeint haben: Hoverboards. Geht es nach Medienberichten und Verbraucherschützern, sind die Rollbretter nämlich eine Gefahr für Leib und Leben. In jedem Fall sind sie das wohl schlimmste Gadget seit dem Selfiestick, das wir dem Hype im Netz zu verdanken haben.

Allein der Name. Hoverboards heißen eigentlich die schwebenden Skateboards im Film Zurück in die Zukunft II, auf denen der Protagonist Marty McFly durch die Stadt flitzt. In den vergangenen beiden Jahren haben diverse Hersteller versucht, das Phänomen mit Hilfe von Supraleitern, Druckluft oder Wasserstrahlen zumindest ansatzweise technisch umzusetzen. Das funktionierte meist mehr schlecht als recht, war aber ein nettes Gimmick passend zum letztjährigen 'Jahrestag' von Zurück in die Zukunft(öffnet im neuen Fenster) .

Was inzwischen als Hoverboard verkauft wird, hat damit freilich nichts zu tun. Die Geräte schweben nicht, sondern haben zwei Räder und sind deshalb am ehesten mit Segways zu vergleichen – mit dem Unterschied, dass sie keine Lenkstange haben. Sie werden einzig durch die Gewichtsverlagerung der Fahrer gesteuert. In der Wikipedia werden sie als "selbstbalancierende zweirädrige Boards" bezeichnet, was zugegeben etwas umständlich klingt. Die Website Fusion hat deshalb nach Alternativen gesucht und zwei passende Bezeichnungen gefunden: Explodaboard oder Deathboard.

Schutzkleidung und Feuerlöscher empfohlen

Denn ja, es stimmt: Die Rollbretter sind kein besonders effektives Fortbewegungsmittel und tendieren dazu, in Flammen aufzugehen. Allein die gesammelten Nachrichten auf dem Portal Mashable zum Thema lesen sich gruselig: Häuser in Australien(öffnet im neuen Fenster) , New York und Kalifornien sind abgebrannt, in Texas und Washington gab es Vorfälle in Einkaufszentren und auch in Großbritannien brannten Weihnachten in so manchem Wohnzimmer nicht bloß Kerzen(öffnet im neuen Fenster) . Einem jungen Mann aus Alabama ist das Board auf dem Gehweg unter seinen Füßen explodiert.

Darüber hinaus lässt es sich von den Brettern vorzüglich auf die Nase fallen. Exboxer Mike Tyson ging im Wohnzimmer zu Boden, wie es ihm im Ring nie passiert wäre. Der Twitter-Account Hoverboard Falls(öffnet im neuen Fenster) zeigt zahlreiche weitere peinlich-schmerzhafte Abflüge und auch auf Instagram kann man die blauen Flecken schon beim Hingucken spüren. In vielen Fällen liegt das sicherlich an den Fahrern – schließlich kann man sich auch beim Skateboarden oder Rollschuhfahren prima die Knochen brechen – aber in einigen Fällen streikt schlicht die Technik: Ein Redakteur der C't etwa brach sich den Ellenbogen, als sich das Board während eines Tests abrupt abschaltete. Die Räder blieben einfach stehen. Ironischerweise heißt die entsprechende Funktion Protection Mode – Schutzmodus.

Nachdem im Dezember bereits Amazon die Geräte aus seinem Angebot nahm, beschäftigt sich jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde Consumer Product Safety Commission (CPSC)(öffnet im neuen Fenster) mit der Sache. In einer Pressemitteilung heißt es, man untersuche sowohl die Brand- als auch die Sturzgefahr der Rollbretter. Gleichzeitig geben die Gutachter einige Tipps für den sicheren Umgang mit Hoverboards. So sollen die Nutzer die Bretter nicht auf Straßen nutzen, dafür Schutzkleidung tragen, weit weg von brennbaren Materialien bleiben und – ganz wichtig – stets einen Feuerlöscher in der Nähe haben. Wieso auch nicht: Wer genug Swag hat, um ein Hoverboard zu fahren, kann auch einen Feuerlöscher als modisches Accessoire tragen.

Bretter am Fließband

Aber Spaß beiseite, die Sache ist durchaus ernst. Dass die falschen Hoverboards regelmäßig brennen, hat mehrere Gründe. Zum einen liegt es an den Lithium-Ionen-Akkus. Prinzipiell sind es die gleichen Akkus, wie sie auch in Smartphones oder Tablets verbaut sind, allerdings sind sie in Boards deutlich größeren Belastungen ausgesetzt. Beschleunigungen, Gewichtsverlagerungen oder Erschütterungen können dazu führen, dass die Akkus beschädigt werden, anschließend überhitzen und dadurch in Flammen aufgehen.

Zum anderen ist die Qualität der Akkus und anderer Bauteile meist dürftig, was mit ihrer Herkunft und Entstehungsgeschichte zu tun hat. Je nach Definition stammen die ersten Modelle entweder vom chinesischen Unternehmen Chic Robotics oder vom US-Startup Hovertrax im Jahr 2013. Aufgrund der undurchsichtigen Patentsituation in China entstanden in den vergangenen beiden Jahren zahlreiche Firmen, die Hoverboards herstellen. Sie haben so hippe Namen wie Cyboard, Scoot, Future Foot, Monorover, Airboard, Esway, IO Hawk, Oxboard, Phunkee Duck oder, kein Witz, Swagway.

Die Namen sind unterschiedlich, die Verkaufspreise liegen zwischen 300 und 600 Euro, aber die Technik ist in nahezu allen Fällen die gleiche. Ähnlich wie Smartphone-Hersteller nutzen auch die Hoverboard-Firmen die gleichen chinesischen Zulieferer und Fabriken. Die Bauteile sind also Massenware, den Auftrag bekommt häufig, wer am billigsten produziert. In einer langen Reportage für Buzzfeed besuchte der Journalist Joseph Bernstein eine dieser Fabriken im chinesischen Shenzhen, die in kürzester Zeit aus einem abseitigen Trendprodukt eine Massenware machen können. Was angesagt ist, wird gebaut.

Angesagt sind Hoverboards allemal und trotz der Meldungen von Unfällen und Gefahren dürfte sich daran in diesem Jahr nichts ändern. Der Erfolg ist vor allem dem Internet und den sozialen Netzwerken zu verdanken – und den Celebrities, die sich darin bewegen. Popstars wie Nicki Minaj und Justin Bieber, Sportler wie Basketballer J. R. Smith und Fußballer Karim Benzema, Talkshowhost Jimmy Fallon und Vine-Star Cody Johns (der gleich eine eigene Hoverboard-Firma gegründet hat) – sie alle haben sich im vergangen Jahr auf den Rollbrettern filmen lassen.

Eine globale Memeufaktur

Bei den Weltmeisterschaften in Peking wurde Usain Bolt von einem Kameramann auf einem Segway umgefahren, was im Internet für mehr Reaktionen sorgte als seine Goldmedaille. Nur wenige Tage später fuhr er selbst vergnügt und selbstironisch auf einem Rollbrett herum. Die Comedyshow Saturday Night Live griff unlängst das Gadget in einem Sketch auf. Besseres Marketing kann sich eine Branche nicht wünschen.

Der Buzzfeed-Autor Bernstein prägte in seiner Reportage dafür den Begriff "Memeufacturing" , ein Portmanteau aus Meme und dem englischen Wort für Herstellung, manufacturing. Bernsteins Definition: Das soziale Netz fördert Trends, die wiederum Auswirkungen auf die Technikbranche haben. Oder in seinen Worten: "Unser niemals endender digitaler Output, unsere Tweets, unsere Vines, Instagram- und Facebook-Posts verändern das Leben von Menschen auf der anderen Seite der Welt."

Das ist die Realität im Jahr 2016: Memes machen Gadgets. Selfiesticks, Hoverboards, Quadcopter, der Erfolg dieser Gadgets ist unweigerlich mit ihrer Rezeption im Internet verbunden, mit viralen Videos und den Profilen von Persönlichkeiten, die sich unbewusst zum Werbeträger machen. Auf diesen Effekt hoffen die Hersteller schwachsinnigster Erfindungen, wie sie unlängst wieder auf der Fachmesse CES vorgestellt wurden(öffnet im neuen Fenster) . Dass die Produkte häufig weder besonders hilfreich sind oder im Fall der Elektrobretter unter Umständen sogar gefährlich sein können, spielt keine Rolle. Wieso auch? Notfalls nimmt man eben einen Feuerlöscher mit.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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