Honor Magic Vs im Test: Endlich ein offizieller Konkurrent für Samsungs Fold?
Honors faltbares Smartphone Magic Vs ist ab sofort auch in Deutschland bestellbar – und zusammen mit Googles neuem Pixel Fold eines der wenigen offiziell erhältlichen Konkurrenzgeräte zu Samsungs Galaxy Z Fold 4. Andere Geräte müssen importiert werden, beispielsweise die von Oppo. Golem.de hat sich das Magic Vs(öffnet im neuen Fenster) im Test angeschaut und viele gute Punkte gefunden. Bei der Software sollte Honor an einigen Stellen noch nacharbeiten.
Beim Aufbau des Magic Vs verfolgt Honor das gleiche Prinzip wie Samsung beim Galaxy Z Fold 4 und Google beim Pixel Fold: Das Smartphone hat einen Außenbildschirm, auf dem wir unsere täglichen Dinge erledigen können, und ein inneres, faltbares Display. Dieses eignet sich gut für Medienanwendungen, aber auch für Multitasking oder zum Lesen.
Das Außendisplay ist 6,45 Zoll groß und hat eine Auflösung von 2.460 x 1.080 Pixeln. Mit einem Seitenverhältnis von 21,3:9 ist der Bildschirm deutlich breiter als der des Galaxy Z Fold 4, was wir im Alltag schnell bemerken: Texte lassen sich einfacher tippen, grundsätzlich ist die Nutzung von Apps aufgrund der größeren Breite angenehmer.
Außendisplay mit 120 Hz, Innendisplay mit 90 Hz
Der Außenbildschirm unterstützt 120 Hz, das Innendisplay 90 Hz. Der innere Bildschirm ist aufgeklappt 7,9 Zoll groß und damit in der Diagonale etwas größer als beim Fold 4. Die Auflösung liegt bei 2.272 x 1.984 Pixeln, das Seitenverhältnis beträgt 10,3:9. Aufgrund des breiteren Außendisplays ist auch der innere Bildschirm etwas quadratischer als der des Fold 4. Das Pixel Fold hat einen noch breiteren Außenbildschirm und ein nahezu quadratisches Innendisplay.
Der Innenbildschirm ist mit einer Fläche von knapp 200 cm/m² größer als der des Fold 4 (183 cm/m²). Wir finden das größere Platzangebot sowie das breitere Format auch beim Innendisplay praktisch, da wir für Multitasking das Magic Vs seltener drehen müssen als das Fold 4, um mehr Platz in der Breite zu haben.
Das Scharnier des Magic Vs macht einen stabilen Eindruck. Honor zufolge konnte die Anzahl der beweglichen Teile von über 80 auf vier reduziert werden; wir vermuten, dass der Hersteller Teilegruppen großzügig zusammengefasst hat. Das Scharnier hat keine Zahnräder, was wir beim Aufklappen merken – im Positiven wie im Negativen.
Positiv ist, dass der Mechanismus weich und geschmeidig läuft, es ist kein Knacken oder Knirschen zu hören. Dafür packt das Scharnier nicht so fest zu wie das des Fold 4: Klappen wir das Magic Vs komplett auf, wollen die beiden Hälften zunächst nicht im 180-Winkel bleiben. Stabil bleibt das Smartphone erst, nachdem wir es einige Sekunden in dieser Position verwendet haben. Bei teilweisem Aufklappen packt das Scharnier auch oft nach einigen Sekunden fest zu.
Innendisplay mit unauffälligem Falz
Das Innendisplay ist durch eine Folie geschützt, die wir sicherheitshalber nicht abgelöst haben. Der Rand direkt im Scharnierbereich wird von Kunststoffnasen geschützt, Schmutz sollte nicht so einfach in das Innere des Smartphones gelangen. Der Falz ist verhältnismäßig breit; dafür, dass die beiden Hälften des Smartphones zusammengeklappt plan aufeinanderliegen, ist er aber nicht besonders scharf – anders als beim Fold 4. Der Grund dafür ist, dass die Faltstelle beim Zusammenklappen im Scharnierbereich Platz hat und anders als bei Samsungs Geräten nicht in einem zu kleinen Radius gefaltet wird.
Beide OLED-Displays sind blickwinkelstabil, haben gute Farben und eine gute Schärfe. Das Außendisplay finden wir nützlicher als beim Fold 4, der faltbare innere Bildschirm gefällt uns auch sehr. Honor liefert hier gute Hardware ab, auch wenn das Innendisplay keine 120 Hz unterstützt.
Von der Leistung her liegt das Magic Vs mit seinem Snapdragon 8+ Gen1 bei den erwarteten Benchmark-Werten. Dass das Smartphone nicht mit einem Snapdragon 8 Gen2 erschienen ist, dürfte auch daran liegen, dass es in China bereits im Dezember 2022 vorgestellt wurde – zu knapp nach der Vorstellung von Qualcomms aktuellem Top-SoC. Das bedeutet allerdings nicht viel: Das Magic Vs läuft absolut flüssig in den Menüs, Multitasking ist dank 12 GByte RAM ebenfalls kein Problem. Auch anspruchsvolle Apps funktionieren problemlos.
Praktische App-Seitenleiste
Multitasking funktioniert vor allem auf dem Innendisplay. Honor hat eine Seitenleiste implementiert, die wir mit einer anhaltenden Wischgeste vom Rand ins Display hinein aktivieren können – auf beiden Seiten. Dort können wir Apps platzieren, die sich in einem kleinen Fenster öffnen. Das können wir verschieben, in der Größe ändern, im Splitscreenmodus anordnen, aufs Vollbild erweitern oder per Wischgeste einfach schließen. Die Multitaskingleiste funktioniert auch auf dem Coverdisplay, dort finden wir sie platzbedingt aber weniger sinnvoll.
Gut funktioniert auch der Wechsel vom Außen- zum Innendisplay. Der erfolgt nahtlos, was vor allem bei der Medienwiedergabe praktisch ist. Ein Youtube-Video auf dem Coverdisplay läuft ohne Pause oder Stottern direkt innen weiter, wenn wir das Magic Vs aufklappen. Klappen wir es zu, können wir in den Einstellungen wählen, ob sich das Gerät in den Standbymodus schaltet oder Inhalte außen weiterlaufen.
Perfekt ist die Software des Magic Vs aber nicht. Wir würden uns eine Einstellung wünschen, die etwas Ordnung in die Art und Weise bringt, wie Apps geöffnet werden. Tippen wir auf eine Chatnachricht, wenn wir das Smartphone aufgeklappt verwenden, öffnet sich die App beispielsweise immer in einem kleinen Fenster, auch, wenn wir meist eine Vollansicht bevorzugen. Außerdem könnten wir auf die immer wiederkehrenden Hinweise verzichten, dass der Vollbildmodus bei einigen Apps zu Problemen führen kann, vor allem, weil wir bei keiner einzigen Anwendung Probleme hatten.
Der Honor-Launcher, also die Benutzeroberfläche, finden wir unpraktisch. Zwar hat sich Honor einige clevere Funktionen wie Ordner mit Voransichten einfallen lassen, dabei aber offenbar den App-Drawer gestrichen. Wir sind keine Fans davon, alle Apps auf dem Startbildschirm ablegen und in Ordnern sortieren zu müssen, deshalb sind wir schnell zu einem alternativen Launcher gewechselt. Früher konnten wir bei Honor-Smartphones einen App-Drawer aktivieren. Warum das beim Magic Vs nicht klappt, ist unklar.
Ohne weiteres keine Selbstporträts mit Hauptkamera möglich
Wirklich ärgerlich finden wir die fehlenden Bedienelemente bei Nutzung des Außendisplays als Kamerasucher für Selbstporträts. Das Magic Vs hat ein Kamerasystem mit Hauptkamera und zusätzlichem Superweitwinkel- und Teleobjektiv, das gute Fotos macht – und in aufgeklapptem Zustand wie beim Galaxy Z Fold 4 auch hochwertige Selfies machen könnte. Wir können in der Kamera-App den Außenbildschirm allerdings nur als Vorschaudisplay für zu fotografierende Personen aktivieren.
Diese können dann sehen, wie sie auf dem Foto aussehen werden – der Auslöser lässt sich über das Außendisplay in aufgeklapptem Zustand allerdings nicht aktivieren. Die Kamerabedienelemente werden dort nur eingeblendet, wenn wir das Magic Vs zugeklappt als Kamera verwenden, also wie ein herkömmliches Smartphone. Hier hat Honor die Chance vertan, einfach eine Funktion zu implementieren, die sicherlich viele Nutzer verwenden würden.
Unverständlich finden wir auch, dass die Kamera keinen eigenen Modus für den Fall hat, dass wir das Magic Vs halb aufgeklappt hinstellen – quasi im Stativmodus. Beim Fold 4 beispielsweise teilt sich der Bildschirm dann auf: Auf der oberen Hälfte wird das Sucherbild angezeigt, auf der unteren die Bedienelemente. Beim Honor-Smartphone wird der Sucher einfach auf dem kompletten Bildschirm angezeigt; der Auslöser liegt dann sogar genau im Knick des Gerätes, was eine Nachlässigkeit ist, die sich durch entsprechende Anpassung der Software eigentlich verhindern lassen sollte.
Dreifachkamera macht gute, aber nicht herausragende Bilder
Die mit der 54-Megapixel-Kamera des Magic Vs aufgenommenen Bilder haben eine durchschnittliche Schärfe und eine verglichen mit der Konkurrenz stärkere Sättigung. Die 50-Megapixel-Superweitwinkelkamera hat einen Bildwinkel von 122 Grad und lässt sich wie die Hauptkamera auch mit voller Auflösung verwenden – standardmäßig fassen beide Kameras Pixel zusammen und produzieren daher Bilder mit geringerer Auflösung.
Die Telekamera hat 8 Megapixel, einen optischen Bildstabilisator und bietet eine dreifache Vergrößerung. Die Qualität gefällt uns gut, auch bei zehnfacher, digital unterstützter Vergrößerung sind die Bilder noch gut zu verwenden.
Einige Aufnahmen der Hauptkamera zeigen in unserem Test relativ starke Artefakte – vor allem bei Bildern mit unscharfem Hintergrund, also wenn das Hauptobjekt sehr nah an der Kamera ist. Das Magic Vs hat zusätzlich einen Porträtmodus, der das Vordergrundobjekt und den Hintergrund gut trennt. Allerdings haben wir keine Möglichkeit gefunden, die künstlich generierte Unschärfe des Hintergrunds regulieren zu können – sowohl vor der Aufnahme nicht als auch danach. Frontkameras befinden sich sowohl im Außendisplay, als auch im Innendisplay; sie haben 16 Megapixel.
Der Nachtmodus macht mit allen Kameras ausgeglichen belichtete Aufnahmen, allerdings gibt es in den dunklen Bereichen mitunter starke Artefakte. Insgesamt ist das Kamerasystem des Magic Vs vielseitig einsetzbar und gute Bilder. Diese kommen allerdings von der Qualität nicht ganz an die Fotos heran, die wir mit einem Pixel 7 Pro, Galaxy S23 Ultra oder iPhone 14 Pro machen können. Das liegt vor allem an der Schärfe, die im Standardmodus in der Detailvergrößerung niedriger ist als bei der Konkurrenz. Einige Probleme könnten sich durch Updates verbessern lassen, etwa die Artefaktdarstellung oder natürlich auch die fehlenden Bedienelemente auf der Vorderseite im Selfiemodus.
Gute Akkulaufzeit auch bei Nutzung des großen Displays
Der Akku des Magic Vs hat eine Nennladung von 4.900 mAh, geladen wird er mit bis zu 66 Watt. Das Smartphone unterstützt als Schnellladestandard Huaweis Supercharge – das bedeutet, dass das Gerät mit bestimmten Schnellladegeräten nicht kompatibel ist. Honor liefert allerdings einen passenden Ladeadapter mit. Bei uns hält das Magic Vs auch bei häufiger Nutzung des Innenbildschirms für Videos und Spiele problemlos einen Tag lang durch. Verzichten wir auf Spielen und Videos, sind auch anderthalb Tage drin.
Der Fingerabdrucksensor ist beim Magic Vs im seitlichen Einschalter verbaut und funktioniert in unserem Test schnell und zuverlässig. Etwas ungewohnt ist der Umstand, dass die Lautstärkewippe auf dem linken Flügel angebracht ist, der Einschalter aber auf dem rechten. Zusammengeklappt liegen beide daher nicht auf einer Ebene. Das Magic Vs ist anders als Samsungs Galaxy Z Fold 4 nicht vor Wasser oder Staub geschützt.
Ausgeliefert wird das Magic Vs mit Android 13 und besagter Honor-Benutzeroberfläche. Nach Kritik in der Vergangenheit an der Updatepolitik hat Honor für das Magic Vs drei Android-Upgrades und fünf Jahre lang Sicherheitsupdates angekündigt. Damit schließt Honor bei dem Smartphone mit der Konkurrenz auf, was den Versorgungszeitraum betrifft.
Honor Magic Vs: Verfügbarkeit und Fazit
Das Honor Magic Vs kann ab dem 16. Mai 2023 auf der Webseite des Herstellers vorbestellt werden. Das Smartphone kostet 1.600 Euro. Damit ist es deutlich günstiger als das Pixel Fold mit vergleichbarer Speicherausstattung von 512 GByte, das 2.020 Euro kostet. Allerdings ist der Startpreis des Magic Vs höher als der Preis des Galaxy Z Fold 4 mit 512 GByte Speicher, das im Onlinehandel für rund 1.350 Euro zu haben ist.
Fazit
Das Magic Vs ist ein faltbares Smartphone mit sehr guten Proportionen: Das Außendisplay ist breiter als beim Galaxy Z Fold 4, was wir im Alltag praktischer finden. Wir können bequem tippen, surfen und auch mal schnell ein Video gucken, ohne das Smartphone notwendigerweise aufklappen zu müssen.
Der Innenbildschirm hat nur 90 Hz, stellt Inhalte aber ansehnlich dar. Der Falz in der Mitte ist zwar wie bei anderen faltbaren Smartphones gleicher Bauart vor allem dann sichtbar, wenn wir von der Seite auf das Display schauen; er ist aber weniger scharf als bei Samsungs Fold-Modellen, was an einem cleveren Faltmechanismus liegt, der dem Panel an der Knickstelle Platz lässt.
Die Kamera macht durchschnittlich gute Bilder, deren Potenzial wird unserer Meinung nach durch die Software ausgebremst. Die Verarbeitung des Smartphones ist hochwertig, auch die Akkulaufzeit überzeugt, ebenso Details wie der Fingerabdrucksensor. Das Scharnier packt nicht so kräftig zu wie das der Fold-Geräte, läuft dafür aber geschmeidiger.
| Honor Magic Vs | |
|---|---|
| Display | Außendisplay: 6,45 Zoll, OLED, 2.560 x 1.080 Pixel, 120 Hz - Innendisplay: 7,9 Zoll, OLED, 2.272 x 1.984 Pixel, 90 Hz |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon 8+ Gen1 |
| Speicher | 12 GByte RAM, 512 GByte Flash-Speicher |
| Kamera | 54 Megapixel Hauptkamera mit f/1.9, 50 Megapixel Superweitwinkelkamera mit f/2.0, 8 Megapixel Telekamera mit f/2.4 und OIS |
| Frontkamera | 16 Megapixel, eine Kamera außen und eine innen |
| Akku | 4.900 mAh, Schnellladen mit bis zu 66 Watt |
| Netzwerk | 5G, Wifi 6, Bluetooth 5.2, Infrarot-Blaster |
| Größe | Zusammengeklappt: 160,3 x 72,6 x 12,9 mm, entfaltet: 160,3 x 141,5 x 6,1 mm |
| Gewicht | 267 Gramm |
| Betriebssystem | Android 13 mit Magic OS |
Die vielen positiven Eindrücke werden durch die halbherzige Umsetzung der Software geschmälert, nicht nur bei der Kamera-Software. Honor hat sich für das Magic Vs zwar ein gutes Multitasking ausgedacht, darüber aber vergessen, einige der Apps an die neue Lebensrealität anzupassen – an die Nutzung im Laptop-Modus. Sowohl die Kamera-App als auch Notizen etc. verhalten sich bei halb zusammengeklapptem Gerät weiter wie bei aufgeklapptem. Das macht die Konkurrenz besser.
Hinzu kommen Nachlässigkeiten wie fehlende Bedienelemente auf dem Außendisplay bei Nutzung der Hauptkamera für Selfies. Es lässt sich argumentieren, dass Honor diese Probleme mit Updates beseitigen könnte. Wir beurteilen ein Smartphone allerdings nach dem Ist-Zustand, nicht danach, wie es künftig aussehen könnte. Vor allem vor dem Hintergrund, dass das Magic Vs Honors zweites faltbares Smartphone ist, sind die Versäumnisse etwas unverständlich.
Die Software in Verbindung mit dem höheren Preis gegenüber dem Fold 4 und der deutlich schlechteren Marktposition gegenüber Samsung werden unserer Meinung nach einer Verbreitung des Magic Vs in Deutschland im Wege stehen. Das ist schade, da das Smartphone eine gute Hardware und ein tolles Format hat.
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