Honor 5X im Test: Mehr neues Smartphone gibt es für 230 Euro nicht

Huaweis Tochterfirma Honor hat bereits einige preiswerte und dafür recht gut ausgestattete Smartphones auf den Markt gebracht – das jüngste ist das Honor 5X , ein 5,5-Zoll-Gerät mit Snapdragon-Prozessor, Fingerabdrucksensor, Metallgehäuse und 13-Megapixel-Kamera. Derartige Ausstattungsmerkmale sind für ein 230-Euro-Smartphone ungewöhnlich.

Ob das Gesamtpaket aber ebenso beeindruckt wie die von Honor herausgehobenen Merkmale, überprüft Golem.de im Test. Dabei zeigt sich, dass das Honor 5X in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis aktuell tatsächlich nicht zu schlagen ist – ein besser ausgestattetes Smartphone in dieser Preisklasse ist aktuell in Deutschland im Grunde nicht zu bekommen. Einen Kritikpunkt haben wir aber trotzdem gefunden.









Beim ersten Anfassen des Honor 5X fällt die gute Verarbeitung auf. Der Aufbau des Gehäuses ähnelt dem der Huawei-Modelle Ascend Mate 7 und Mate 8 : Die Rückseite ist aus Metall, die obere und untere Kante ist hingegen aus Kunststoff. Dahinter befinden sich die Antennen, die sich – anders als etwa beim Mate S – nicht hinter schmalen und unauffälligeren Kunststofflinien verbergen. Insgesamt ist die Qualität des Gehäuses gut, reicht aber nicht an die teureren Huawei-Modelle heran.
Großes, helles Display mit breitem Rand
Das 5,5 Zoll große Display wird von einem Kunststoffrahmen eingefasst, auffällig ist der mit 3 mm recht breite Rahmen links und rechts vom Bildschirm. Bis zur Gehäusekante gemessen kommen wir auf fast 4 mm – zum Vergleich: Das Mate 8 als aktuelles Topgerät von Huawei kommt auf einen Rahmen von 2,5 mm bis zum Gehäuserand.
Das IPS-Display des Honor 5X löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, was eine Pixeldichte von 400 ppi ergibt. Entsprechend scharf ist die Bilddarstellung, auch feine Details werden ohne mit bloßem Auge erkennbare Pixelränder dargestellt. Farben stellt der Bildschirm recht bunt dar, die Blickwinkelstabilität ist gut: Drehen wir das Smartphone, verliert das Display nur geringfügig an Helligkeit, die Farben bleiben stabil. Mit durchschnittlich 470 cd/qm ist der Bildschirm sehr hell, er lässt sich bis 4 cd/qm herunterregeln. Alles in allem ist Huawei beim Honor 5X ein gutes Display gelungen – insbesondere vor dem Hintergrund des Preises. Etwas störend ist, dass Fingerabdrücke recht schwer zu beseitigen sind.
13-Megapixel-Kamera
Auf der Rückseite ist eine 13-Megapixel-Kamera eingebaut, die Frontkamera hat 5 Megapixel. Bei der Hauptkamera zeigt sich, wo Huawei beim Honor 5X gespart hat: Die Bildqualität ist nur mittelmäßig. Bereits bei leichter Vergrößerung fällt auf, dass Details nicht deutlich dargestellt werden, die Schärfe ist insgesamt nicht besonders hoch. Bereits bei Tageslichtaufnahmen ist ein Bildrauschen sichtbar, insgesamt wirken die Bilder etwas flau. Zudem fehlt ein Bildstabilisator, der in dieser Preisklasse aber auch nicht unbedingt zu erwarten ist. Mit der Kamera des Honor 5X lassen sich durchaus nette Fotos machen, mehr als ein "dem Preis angemessen" ist als Urteil aber nicht drin.









Unterhalb der Kamera ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, der wie beim Mate S sehr flach verbaut ist. Insgesamt lassen sich fünf Fingerabdrücke speichern, mit denen das Smartphone entsperrt werden kann. Die Erkennung arbeitet dabei flott und in unseren Versuchen ausreichend zuverlässig. Dabei ist es egal, in welchem Winkel der Finger aufgelegt wird.
Fingerabdrucksensor bietet praktische Zusatzfunktionen
Der Fingerabdrucksensor kann auch verwendet werden, wenn keine Abdrücke registriert werden. Dann lässt sich das Honor 5X natürlich nicht mehr darüber entsperren, es steht aber eine Reihe von Zusatzfunktionen zur Verfügung. So lässt sich etwa mit einem Wisch nach unten über den Sensor die Benachrichtigungsleiste von Android ausklappen – bei einem Smartphone dieser Größe eine praktische Funktion, die Huawei unverständlicherweise beim Mate 8 abgeschafft hat.
Im Inneren des Honor 5X arbeitet kein Kirin-Chip, wie es bei Huawei-Smartphones häufig der Fall ist, sondern ein Snapdragon 616 von Qualcomm. Die etwas leistungsstärkere Variante des Snapdragon 615 kommt mit acht Kernen, die nach dem Big-Little-Prinzip arbeiten: Vier A53-Kerne sind mit einer Taktrate von 1,7 GHz für herausfordernde Aufgaben zuständig, vier weitere A53-Kerne mit einer Taktung von 1,2 GHz für leichtere Aufgaben.
Alltägliche Aufgaben meistert das Smartphone problemlos
Zusammen mit 2 GByte Arbeitsspeicher bewältigt das Honor 5X alltägliche Aufgaben wie Surfen, E-Mails versenden oder Videos schauen problemlos. Die Benutzeroberfläche lässt sich flüssig bedienen, beim Starten von Apps dauert es aber mitunter etwas länger als bei besser ausgestatteten Smartphones. Richtig lange warten mussten wir allerdings auf keine App in unserem Test. Auch die Prozessorausstattung muss unter dem Preisaspekt betrachtet werden – das Honor 5X macht hier einen guten Eindruck.
Anspruchsvolle Spiele laufen nicht mehr flüssig
Bei grafisch anspruchsvollen Spielen hingegen zeigt das Honor 5X, wo leistungstechnisch seine Grenzen liegen: Das Rennspiel Riptide GP2 beispielsweise läuft auf höchsten Grafikeinstellungen nicht mehr ganz flüssig. Dies spiegelt sich auch in den Benchmark-Werten wider: Im Grafik-Benchmark GFX Bench kommt das Honor 5X im T-Rex-Test auf einen Offscreen-Wert von 14 fps, im anspruchsvolleren Manhattan-Test erreicht das Smartphone offscreen 5,5 fps. Dies sind der Hardwareausstattung entsprechende Werte, die sich im unteren Bereich des Leistungsspektrums bewegen.









Auch beim Grafiktest 3DMark kommt das Honor 5X im Icestorm Unlimited mit 7.682 Zählern nur auf einen niedrigen Wert. Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 erreicht das Smartphone einen Single-Wert von 661 Punkten und einen Multi-Wert von 2.774 Zählern. Der Single-Wert liegt etwa bei der Hälfte dessen, was aktuelle Topsmartphones schaffen – auch dies war beim Snapdragon 616 erwartbar. Insgesamt eignet sich das Honor 5X gut für alltägliche Aufgaben, weniger für anspruchsvolle Spiele. Dafür ist die verbaute Grafikeinheit, eine Adreno 405, nicht kräftig genug.
Dual-SIM und LTE
Der eingebaute Flash-Speicher hat eine Größe von 16 GByte, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut. Anders als etwa beim Mate 8 kann beim Honor 5X die Speicherkarte auch dann noch weiterverwendet werden, wenn der Nutzer zwei SIM-Karten benutzt: Das Smartphone hat zwei Steckplätze, einen für eine Nano-SIM-Karte und für die Speicherkarte und eine zweite für eine Micro-SIM-Karte.
Das Honor 5X unterstützt neben Quad-Band-GSM und UMTS auch LTE auf den Bändern 1, 3, 7, 8 und 20. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11b/g/n, der schnelle Standard ac wird nicht unterstützt. Bluetooth läuft in der Version 4.1, ein GPS-Empfänger mit Glonass-Unterstützung ist eingebaut. Auf einen NFC-Chip müssen Nutzer in dieser Preisklasse verzichten.
Android 5.1 mit eigener Benutzeroberfläche
Ausgeliefert wird das Honor 5X mit Android in der Version 5.1, auf dem Huaweis Benutzeroberfläche Emotion UI (EMUI) in der Version 3.1 läuft. Diese unterscheidet sich nicht nennenswert von der Version, die auf dem Huawei Mate S bei dessen Veröffentlichung lief. Einige Apps sind vorinstalliert, unter anderem Huaweis Online-Store Vmall oder der Honor Club. Diese lassen sich jedoch deinstallieren. Wie bei EMUI üblich, gibt es keinen App-Drawer; stattdessen werden wie bei iOS alle Anwendungen direkt auf dem Startbildschirm abgelegt. Ordner schaffen hier Übersicht.
Der Akku des Honor 5X hat eine Nennladung von 3.000 mAh. Einen 1080p-Film können wir bei voller Helligkeit sieben Stunden lang anschauen, bis der Akku leer ist – ein guter Wert.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Honor 5X(öffnet im neuen Fenster) ist momentan im Honor-Onlineshop und bei weiteren Onlinehändlern für 230 Euro zu bekommen. Die verfügbaren Farben sind Silber, Gold und Dunkelgrau.









Fazit
Das Honor 5X ist ein gut ausgestattetes Mittelklasse-Smartphone, das dank des sauber verarbeiteten Metallgehäuses, des schnellen Fingerabdrucksensors und eines guten Full-HD-Displays durchaus über Ausstattungsmerkmale teurerer Smartphones verfügt. Angesichts dessen ist es mit 230 Euro in der Tat ziemlich günstig.
Die Topmerkmale sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Honor 5X ein Smartphone der gehobenen Mittelklasse ist und keines aus dem Oberklassesegment. Dies ist zum einen am klassischen Mittelklasse-SoC Snapdragon 616 festzumachen, ebenso an der Kamera und an Details wie dem WLAN-Modul, das nur auf der Frequenz 2,4 GHz funkt.
Im Bereich der gehobenen Mittelklasse-Smartphone unter 300 Euro sticht das Honor 5X aber durchaus hervor – für 230 Euro gibt es im Grunde kaum ein aktuelles Smartphone mit dieser Ausstattung. Geeignet ist das Gerät weniger für Anwender, die häufig und gerne grafisch anspruchsvolle Spiele spielen, sondern eher für den "Normalnutzer", der E-Mails abfragt, im Internet surft und auch mal ein Video schaut. Dank des guten und vor allem großen Displays ist dies mit dem Honor 5X kein Problem.
Wer aktuell auf der Suche nach einem Smartphone ist und nicht mehr als 300 Euro ausgeben möchte, sollte sich das Honor 5X auf jeden Fall anschauen. Wessen finanzielle Grenze bei 200 Euro liegt, sollte ernsthaft erwägen, noch 30 Euro für das Honor 5X draufzupacken. Ein aktuelles Smartphone mit mehr Ausstattung ist für diesen Preis momentan in Deutschland nicht zu bekommen.



