Stresstest, der sich gewaschen hat

In den ersten Tagen nach dem Shutdown saß zwar auch der Koordinator für digitale Schulentwicklung, Nico Wirtz, in den weitgehend verwaisten Räumen des Gymnasiums, um im Minutentakt das Problem vergessener Passwörter zu beheben und Nutzerkonten wieder freizuschalten. "Wir müssen unsere 800 Schüler aber wenigstens nicht einzeln einladen und auf ihre Anmeldung hoffen", beschreibt er einen Vorteil der kommerziellen Software. Damit sei es nämlich möglich, die Stammdaten zu überspielen - und sofort stehe der Zugang offen.

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Auch für die norwegische Firma stelle der Covid-19-Ausbruch und die internationale Wende hin zum Digitalunterricht zwar einen "Stresstest" dar, "der sich gewaschen hat", sagt Wirtz. Nachdem Teile des Systems kurzfristig zusammengebrochen seien, arbeiteten die Macher in Oslo aber intensiv daran, die Kapazitäten für die Server ständig zu erhöhen.

Die Lernsoftware ist an dem Gymnasium bereits seit zweieinhalb Jahren aktiv im Betrieb, so dass es dort nicht bei null losgeht. Viele der über 90 Kollegen hätten schon Kurse eingestellt, sagt Wirtz. Jetzt werde der Rest, der noch Bedenken etwa wegen des Datenschutzes gehabt oder die Digitalisierung generell skeptisch gesehen habe, dazugeholt. Alle arbeiteten daran, Video-Tutorials oder Handreichungen einzustellen, Foren einzurichten oder die Regeln fürs E-Learning zu vereinheitlichen.

Tausende Euro Lizenzkosten für kommerzielle Lösung

Im Prinzip funktioniert Itslearning ähnlich wie der Lernraum: Lehrer stellen Aufgaben ein, die Schüler lösen diese innerhalb eines vorgegebenen oder selbstgesetzten Zeitraums und senden das Ergebnis zurück. Videos oder HTML5-Formate können dafür unter anderem verwendet werden, auch wenn einige ältere Funktionen hier ebenfalls noch in Flash programmiert sind.

Lehrer können Feedback beispielsweise über interaktive Chat-Foren geben, zudem bestehe für eine Videosprechstunde eine Kooperation mit dem US-Anbieter Zoom. Als einen der Clous bezeichnet Wirtz die Option, über das System Lernpfade individuell anlegen und so automatisch angepasste weitere Übungen generieren lassen zu können. Dafür müsse der Algorithmus aber immer gut gefüttert werden.

Obwohl die Oberschule schon etwas länger digitale Lernlösungen erprobt, besteht für den Leiter des Digitalisierungsrats kein Zweifel: "Wir haben noch eine steile Lernkurve vor uns." Er sieht mittelfristig die "Riesenchance", Online-Lernformen fest als zusätzliches Hilfsmittel für Schüler und Lehrer an der Einrichtung zu etablieren. Das hat aber auch seinen Preis: Itslearning verlangt 7 Euro pro Nutzer pro Jahr, was für das Gymnasium auf rund 6.500 Euro hinausläuft. Wirtz zufolge wird diese Summe aber "durch Einsparung bei Kopierkosten, Papier und Lehrmitteln alleine schon fast wieder ausgeglichen".

Schul-Cloud als Open-Source-Alternative

Als Rettung in der Not sehen einige Bildungsträger gerade in Berlin und Brandenburg momentan auch das 2017 gestartete Schul-Cloud-Projekt des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam. Das Bundesforschungsministerium fördert die Initiative bis Juli 2021 mit insgesamt rund 7 Millionen Euro, beteiligt ist auch der Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen (MINT-EC). Das ambitionierte Ziel lautet, auch in Abstimmung mit den Datenschutzbeauftragten aller Bundesländer eine IT-Infrastruktur zu entwickeln, die Schülern und Lehrern einen einfachen, sicheren sowie zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf digitale Lehr- und Lerninhalte ermöglicht.

Die Schul-Cloud solle umfangreiche Funktionalitäten in den Bereichen "Kommunikation, Kollaboration und Organisation", "Finden, Erstellen, Teilen, Verwenden und Bewerten von Inhalten" sowie "Unterstützen von Lernen und Lehren" bieten, schrieb die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion Ende Februar. Sie nennt dabei etwa eine Dateiablage, Office-Programme, ein virtuelles Whiteboard und einen Lernstore, der als Portal zu "Inhalten von Verlagen, interaktiven Inhalteanbietern, OER (Open Educational Ressources), Materialien von Stiftungen und ausgewählten Videoinhalten sowie Blogs" führen soll.

Derzeit könnten schon über eine Million einschlägige Angebote verschiedener Produzenten hauptsächlich als offene Bildungsmaterialien "recherchiert, eigenen Kursen und Unterrichtseinheiten zugeordnet und genutzt werden", teilt das federführende Forschungsressort mit. Weiter geplant seien etwa ein "digitales Klassenzimmer" mit "virtuellen Gruppentischen" und ein "Schuljahresplaner". Die Ergebnisse des gesamten Vorhabens würden als Open Source frei verfügbar gemacht.

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