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Ausnahmezustand auch beim Datenverkehr

"Wir befinden uns in vielen gesellschaftlichen Bereichen in Ausnahmesituationen, in denen wir nach und nach in schneller Taktung Erfahrungen mit intensivem Datenverkehr sammeln", beschreibt Karsten Bergmann die Situation. Der Lehrer des Friedrich-Ebert-Gymnasiums ist einer von acht Betreuern, die generell etwas weniger Unterricht geben und im Gegenzug den Lernraum in Gang bringen und fortentwickeln sollen. Sein Hauptbestreben ist momentan, dass überhaupt erst einmal möglichst viele Kollegen und Schüler Zugang zum "virtuellen Klassenzimmer" bekommen.

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Dies gestaltete sich in der gesamten vorigen Woche schon wegen der hohen Serverauslastung überaus schwierig. Allein am Sonntag vor der verordneten Zwangspause waren über eine Million Zugriffe auf die Seite zu verzeichnen, während es früher kaum mehr als 50.000 pro Tag waren. Von 33.000 Lehrern in der Hauptstadt waren zunächst aber erst rund 7.500 aus immerhin rund zwei Dritteln der öffentlichen Schulen in dem Online-Raum angemeldet.

Beim Senat hört sich alles trotzdem ganz gut an: "Die Lehrkräfte versorgen die Schülerinnen und Schüler während der Schulschließung bestmöglich mit Lernmaterialien und stellen diese zum selbstständigen Lernen zur Verfügung", lautet dort die Parole. Die Web-Plattform unterstütze dafür jede Form des interaktiven Unterrichts und "befördert die Nutzung digitaler Medien".

"Wir bitten um ein wenig Geduld"

Beim konkreten Instrumentarium reiche die Spannweite von der Kommunikation mit Schülern und deren Eltern über den Lernraum "bis hin zu Szenarien des Unterrichtens ohne Präsenz in der Schule", schreibt die Landesregierung. "Hinzu kommen natürlich auch Messenger-Dienste, E-Mail-Verteiler und Face-to-Face-Online-Dienste, über die Unterrichtsmaterialien und Lernempfehlungen gesandt werden." Als interaktive Übung ist über den Lernraum etwa ein Mathe-Test verfügbar. Die Übung basiert aber auf Flash und ist damit auf vielen Geräten wie iPhones oder Laptops von Apple nicht nutzbar. Das Programm soll nun auf HTML5 umgestellt werden: "Wir bitten um ein wenig Geduld."

Das überschaubare Lernraum-Team hat viel zu tun. Es gelte, neue Nutzerkonten anzulegen, viele Anträge zum Erstellen von Kursen zu bearbeiten und das Angebot sinnvoll weiterzuführen, erklärt der Sprecher des Berliner Bildungssenats, Martin Klesmann. Permanente Aussetzer gebe es aber nicht. "Sonntag und Montag wurden schrittweise die Kapazitäten erhöht, sodass der Lernraum zum Teil schlecht erreichbar war", räumt er zwar ein. Dienstag sei eine "planmäßige Wartung" erfolgt. Doch "seither ist er stabil". Bleibt nur die Frage, auf welchem Erreichbarkeitsniveau.

Den seit Tagen anhaltenden Daueransturm auf die Plattform kann Klesmann mit Zahlen belegen. Allein am Dienstag, dem Tag, als die Schulen schlossen, legten die Administratoren 3.874 neue Nutzerkonten an und genehmigten 234 Kursanträge, seit dem Freitag zuvor sogar knapp 1.000. Prinzipiell ist der Lernraum dem Sprecher zufolge ein Werkzeug, um die Kommunikation zwischen allen Beteiligten aufrechtzuerhalten beziehungsweise im Kollegium auch zu stärken. Lernvideos einzubinden sei theoretisch möglich.

Digitale Kluft bei der Schülerausrüstung

Die Situation der Ausstattung der Lehrkräfte und Berliner Haushalte beschreibt Klesmann jedoch als "sehr heterogen". Aus Mitteln des viel gepriesenen Digitalpakts Schule von Bund und Ländern seien keine Endgeräte für Schüler für den häuslichen Einsatz finanzierbar und auch keine Lernmaterialien. Unter diesen Umständen hätten die Lehrer "das volle Vertrauen der Senatsverwaltung, dass sie in eigener Verantwortung den Unterricht auch in dieser schwierigen Situation bestmöglich gewährleisten".

Was das in der Praxis für den einen oder anderen Berliner "Problembezirk" bedeutet, schilderte der Leiter der Röntgen-Sekundarschule in Neukölln, Detlef Pawollek, dem Tagesspiegel. "Unsere Schüler sind nicht so selbstorganisiert, dass sie jetzt wochenlang die Aufgaben zu Hause abarbeiten." Vielen fehle im Heimbereich nicht nur ein Computer, sondern auch Ruhe zum Lernen. Allerdings werde man wohl auf der Webseite der Schule frühere Aufgaben wenigstens für den mittleren Schulabschluss einstellen, damit sich die Zehntklässler vorbereiten könnten.

Am oberen Ende bewegt sich dagegen das John-Lennon-Gymnasium in Mitte. Es setzt - so wie etwa auch die mit gesonderten Laptop-Klassen ausgestattete Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg - auf die Plattform Itslearning der gleichnamigen norwegischen Firma, die sich als Europas größter Anbieter von Lernmanagement-Systemen bezeichnet. Damit sieht sich die Lehranstalt als eine der wenigen Bildungsstätten der Hauptstadt gut vorbereitet "für die temporäre Umstellung auf Fernunterricht".

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