Homeoffice und neue Ängste: Gewinner und Verlierer auf dem Jobmarkt der Zukunft

Die Arbeitswelt ändert sich mit mehr Homeoffice - dabei gibt es auch Verlierer. Die IT-Branche wird wohl zu den Gewinnern zählen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
So sollte der Arbeitsplatz im Homeoffice wohl nicht aussehen.
So sollte der Arbeitsplatz im Homeoffice wohl nicht aussehen. (Bild: Pexels/CC0 1.0)

Die Wirtschaft holt nach der tiefen Corona-Rezession gerade wieder kräftig auf. Mitten im Wahlkampf richtet sich der Blick auch auf die künftigen Risiken. Mit welchen Bedingungen sind die Menschen bei der Arbeit künftig konfrontiert? Konkret stellt sich die Frage, wie es mit dem Homeoffice jetzt weitergeht. Für viele geht es dabei um existenzielle Fragen wie etwa nach der Zukunft ihres Arbeitsplatzes.

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Der Arbeitsmarkt erholt sich langsam vom Corona-Schock. Erstmals seit 15 Jahren sank im Juli die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Juni. Mit 44,7 Millionen lag die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal zwar noch um eine halbe Million unter dem Niveau vor der Krise Ende 2019. Dennoch sieht Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die dritte Welle der Pandemie für die Wirtschaft als "überwunden" an.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Quartal um 1,5 Prozent. Ob in Gastronomie, Handel oder vielen Dienstleistungsbereichen: Konsumlust und Nachfrage treiben die Geschäfte wieder an. Zwar bezogen zuletzt noch 2,2 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld - Experten erwarten aber einen baldigen Rückgang auf 1,5 Millionen.

Erholung im Jobmarkt könnten von kurzer Dauer sein

Sorgen vor einem weiteren Aufschaukeln der vierten Coronawelle trüben jedoch die Aussichten. Der Jobmarkt könnte im Herbst noch einmal einen kräftigen Dämpfer bekommen, wenn das Virus in der Delta-Variante immer stärker um sich greift. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Detlef Scheele warnte bei der Präsentation der jüngsten Arbeitsmarktzahlen vor neuen Einschränkungen. "Es wird jetzt sehr darauf ankommen, wie das Impfgeschehen weitergeht", sagte er.

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Homeoffice gehörte für Millionen Menschen während der Pandemie dazu. Im Juli war laut Ifo-Institut immer noch ein Viertel der Beschäftigen zumindest zeitweise im Homeoffice - allerdings mit fallender Tendenz. Viele wollen ihre Wohnung nicht mehr als Dauerarbeitsplatz. In einer Umfrage des Instituts Yougov plädierten aber fast zwei Drittel dafür, weiterhin zumindest teilweise Homeoffice machen zu können.

Corona hat flexibles Arbeiten vielfach erst möglich gemacht

Beispiel Allianz: Das Versicherungsunternehmen verkündete bereits im Oktober: "Die Krise zeigt, dass flexibles Arbeiten kein Traum, sondern eine erreichbare Realität ist." Zehntausende virtueller Besprechungen pro Woche sorgen für reibungslose Geschäfte. Computer, Bildschirm, Tastatur und Maus sind daheim installiert.

Laut Umfragen rechnen viele Firmen mit Mischformen zwischen mobiler und stationärer Arbeit - besonders bei Mitarbeitern in den Bereichen Finanzen und Management sowie im Marketing, in der Kommunikation, der allgemeinen Verwaltung und IT. Ein Gesetz gibt seit Juni Betriebsräten mehr Mitspracherecht beim Homeoffice. Doch eines ist klar: Wer etwa in der Produktion oder im Schalterservice beschäftigt ist, hat nicht die Möglichkeit, auch mal von daheim zu arbeiten.

Automobilbranche steht vor großen Umbrüchen

Es gibt bereits eindeutige Verlierer. Laut einer Studie des Ifo-Instituts im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie stehen durch die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf Elektro bis in vier Jahren 137.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie und 41.000 bei Zulieferern auf dem Spiel. Der Bundesagentur für Arbeit fällt bereits auf, dass viele Kurzarbeitsanzeigen aktuell nicht mehr nur zur Abfederung der Coronaflaute eingehen, sondern aus Branchen mit strukturellen Schwierigkeiten wie der Autoindustrie kommen.

Tolle Angebote fürs Homeoffice bei Ikea

Neue Arbeitsplätze könnten etwa rund um Softwareanwendungen in der Autoproduktion entstehen - aber vor allem in künftigen Boombranchen. Digitalisierung, Pflege und Gesundheit, Energiewende - auf vielen Märkten der Zukunft gibt es schon heute wachsenden Bedarf. "Wir werden in den 20er Jahren einen unglaublichen Umbruch am deutschen Arbeitsmarkt erleben", sagt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD).

Pandemie sorgt für Zukunftsängste

Es soll möglichst wenige Verlierer geben - dazu machten sich Heil und ein Expertenrat im Mai unter anderem für mehr Weiterbildung und lebenslanges Lernen stark. Ein Trend dürfte weitergehen: Wer seinen Arbeitsplatz in der Industrie oder auf dem Bau verloren hat, kann eher im Dienstleistungssektor unterkommen. Doch prekäre Arbeit ist besonders hier weit verbreitet. Und auch in der Industrie sind viele Menschen wegen Angst um ihren Job im Stress - etwa in der Leiharbeit.

Die Pandemie hat konkrete Zukunftssorgen bei vielen verstärkt - das zeigte etwa die Umfrage Die Ängste der Deutschen, die seit Jahrzehnten ein Seismograph der Befindlichkeiten ist. Mehr als jeder Zweite sorgt sich demnach vor überforderten Politikern und nachlassender Wirtschaft.

Arbeitgeber wollen flexiblere Arbeitszeiten

Die Regierung versucht, die Umbrüche abzufedern - etwa in der Autoindustrie, die mit einer Förderung von einer Milliarde Euro fit für E-Mobilität und Digitalisierung gemacht werden soll. Auch DGB-Chef Reiner Hoffmann setzt Aufbruchsstimmung gegen verbreitete Sorgen - Motto: "Raus aus dem Corona-Blues!" Doch die Politik muss dafür seiner Ansicht nach mehr tun und etwa in Bildung und individuelle Förderung investieren. Hoffmann: "Wer sich mit 40, 45 in einen anderen Beruf umschulen lässt, darf nicht erstmal in ein materielles Loch fallen."

Die Arbeitgeber wollen am liebsten selbst für die Weiterentwicklung der Mitarbeiter sorgen. "Deswegen muss aus meiner Sicht sehr stark in betriebliche Weiterbildung investiert werden", sagt Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Gern hätten die Arbeitgeber flexiblere Arbeitszeiten. Dulger verlangt eine Wochen- statt einer Tagesarbeitszeit - so wie Union und FDP in ihren Wahlprogrammen.

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