Homeoffice: Liebe Firmen, lasst uns spielen!

Die Coronakrise hat gezeigt, dass Homeoffice machbar ist. Damit es auch gut funktioniert, muss es aber noch viel mehr Raum für soziale Kontakte geben.

Artikel von Marvin Engel veröffentlicht am
Den Bürokickertisch online abzubilden, ist schwierig - aber es sollte zumindest versucht werden.
Den Bürokickertisch online abzubilden, ist schwierig - aber es sollte zumindest versucht werden. (Bild: Pixabay)

In Sci-Fi-Filmen aus den 80ern fliegen im Jahr 2020 schon Autos durch die Großstädte und Menschen kommen mit Jetpacks zur Arbeit. In der Realität haben wir in diesem Jahr einen bescheideneren Durchbruch erzielt: Wir haben gezeigt, dass Homeoffice auch in größerem Stil funktionieren kann. Nachdem sie monatelang ihre Mitarbeiter notgedrungen von zu Hause aus arbeiten lassen mussten, haben viele Firmen ihre Vorbehalte gegen das Homeoffice überwunden und Remote-Projekte sind aus der Unmachbarkeitsecke gekommen.

Die Coronakrise hat uns aber noch einen entscheidenden Schritt weitergebracht und gezeigt: Remote-Arbeit erfordert ganz andere Dinge als die Zusammenarbeit im Büro. Und sie funktioniert oft, aber nicht immer.

Nicht alles kann gut remote erledigt werden

Dass Remote nicht immer sinnvoll ist, habe ich gleich zu Beginn der Krise in meiner Tätigkeit als IT-Projektmanager sehr konkret erfahren. Es ging um ein großes Digitalisierungsprojekt bei einem internationalen Konzern. Als wir nach über einem Jahr mitten in einer entscheidenden Phase des Release der App waren, schlug die Krise voll ein. Alle wurden ins Homeoffice geschickt - und wir standen vor einem Problem.

Um die Software so nah an der Arbeitsrealität zu testen wie möglich, hatten wir geplant, die User direkt bei ihren Produktionsabläufen zu begleiten und ihnen im Live-Betrieb beim Umgang mit der Software zuzusehen. Das war remote nicht möglich, denn die Produktionslinie kann nicht von zu Hause aus betrieben werden. Daher bauten wir unsere Test-Szenarien kurzfristig zu Remote-Labortests um.

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Wir organisierten mit allen Usern aus der Produktion Online-Sessions und schauten per Bildschirmübertragung bei der Nutzung der App in konstruierten Testszenarien zu. Das war zwar besser als nichts, lieferte aber nicht, was wir uns für die Generalprobe einer App erhofft hatten: zu erkennen, wo die Software im Live-Betrieb noch Schwächen hat und wo wir nachjustieren müssen. Denn die virtuelle Realität kann noch keine echten Emotionen transportieren. Als Produktmanager helfen mir Details - etwa im Gesichtsausdruck der Probanden - zu erkennen, wann eine Software nicht vollends zufriedenstellend ist. Es handelt sich um Kleinigkeiten, die im persönlichen Umgang deutlich leichter auszumachen sind als in Audio- und Videochats.

Die User-Tests verliefen zwar positiv, aber fast jeder gab die Rückmeldung, dass das Ganze dann ja nochmal im Live-Betrieb getestet werden müsse, bevor das Tool gänzlich released werden könne. Blöd nur, dass unsere Zeitplanung keinen Platz mehr für weitere Tests oder gar ein komplett neues Release ließ. Nach unseren Tests wurde das gesamte Projekt für unbestimmte Zeit ausgesetzt. Ob es jemals weitergeht, ist ungewiss. Es gibt momentan im Produktionsbetrieb des Unternehmens weitaus größere Sorgen. Dabei war die fehlende Digitalisierung vor der Krise eigentlich das Topthema.

Es gibt natürlich auch IT-Bereiche, für die sich das Homeoffice hervorragend eignet, etwa die Software-Entwicklung. Wer denkt, dafür sei nicht mehr nötig als Tools für die Onlinezusammenarbeit, liegt aber schief.

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Remote-Zusammenarbeit funktioniert nicht von alleine 
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berritorre 13. Aug 2020

Das war schon klar. Nichts desto trotz... ;-)

berritorre 13. Aug 2020

Ich habe auch mit mehreren Firmenchefs gesprochen, bei denen Homeoffice nie zur Debatte...

crazypsycho 12. Aug 2020

Wieso ist das ein Nogo? Wenn der Kopf ohnehin gerade am platzen ist und man nicht...

Hotohori 11. Aug 2020

Ich schätze mal viele kennen so etwas wie Discord nicht mal oder generell nicht die...



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