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Homeoffice: "Die Steuerersparnis ist geringer als die meisten meinen"

Die Coronapandemie hat auch viele IT-Beschäftigte ins Homeoffice gezwungen. Steuerlich profitieren die wenigsten davon.

Ein Interview von Peter Ilg veröffentlicht am
Wer vom Finanzamt große Rückzahlungssummen wegen des Corona-Homeoffice erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden.
Wer vom Finanzamt große Rückzahlungssummen wegen des Corona-Homeoffice erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. (Bild: Pixabay)

Millionen Menschen haben wegen Corona im Homeoffice gearbeitet oder tun es immer noch - und gerade viele IT-Beschäftigte haben es schon vorher getan. Immer wieder wird nun darüber gesprochen oder geschrieben, dass die Aufwendungen für die Arbeit von zu Hause aus bei der Lohnsteuer berücksichtigt werden können. Das weckt Begehrlichkeiten, weil absetzbare Kosten das zu versteuernde Einkommen reduzieren und damit die Steuerschuld.

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Tatsächlich lassen sich mit dem Modell Homeoffice normalerweise nicht groß Steuern sparen. Für die meisten Menschen wird es im günstigsten Fall ein Nullsummenspiel sein. Das hat einen einfachen Grund: Wer wegen Homeoffice nicht zur Arbeit fährt, darf für diese Tage auch keine Fahrtkosten in seiner Steuererklärung angeben. Unser Steuerrecht belohnt diejenigen, die einen weiten Weg zur Arbeit haben. Je näher also der Arbeitsplatz zur Wohnung ist, desto eher führt Homeoffice zu einer Steuererstattung und je weiter die Strecke, desto wahrscheinlicher wird Heimarbeit zum Verlust.

Welche Aufwendungen im Falle von Homeoffice bei der nächsten Steuererklärung für das aktuelle Jahr berücksichtigt werden können, weiß Michael Seifert. Er ist Steuerberater mit eigener Kanzlei in Troisdorf bei Bonn. Zudem arbeitet er für den Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern als Referent und Berater für andere Steuerberater, wenn diese fachlichen Rat brauchen.

Golem.de: Herr Seifert, welche Kosten können Arbeitnehmer bei ihrer Steuererklärung geltend machen, wenn sie wegen Corona zeitweise von zu Hause aus gearbeitet haben?

Michael Seifert: Das sind in jedem Fall die Kosten für Arbeitsmittel. Dazu zählen Druckerpapier, Telefon- und Internetkosten sowie Rechner. Allerdings alles nur mit dem beruflich genutzten Anteil, der wird im Zweifel auf 50 Prozent der Gesamtkosten geschätzt. Außerdem auch nur für die Zeit, in der von daheim aus gearbeitet wurde. Ein Beispiel: Hat sich jemand wegen Homeoffice einen Laptop für 1.000 Euro gekauft, dann kann der, sofern das Gerät ausschließlich beruflich genutzt wird, innerhalb von drei Jahren abgeschrieben werden. Die Anschaffungskosten werden durch 36 dividiert und bei angenommenen drei Monaten Heimarbeit mit drei multipliziert. Die sich daraus ergebenden 83,33 Euro dürfen wegen der nur halben Anrechnung - also 41,67 Euro - als Werbungskosten angesetzt werden.

Golem.de: Falls der Arbeitgeber die Kosten für Laptop oder Internetanschluss übernimmt, was dann?

Seifert: Wer keine Aufwendungen hat, kann auch keine ansetzen. Doppelt kassieren geht nicht. Und wer kein Arbeitszimmer hat, kann auch keine Raumkosten geltend machen. Arbeiten am Küchen- oder Wohnzimmertisch ist steuerlich nicht relevant.

Golem.de: Unter welchen Voraussetzungen wird ein Arbeitszimmer anerkannt?

Seifert: Wenn es ein abgeschlossener Raum ist, der ausschließlich beruflich genutzt wird. Schon ein leerer Schrank darin, in dem persönliche Sachen untergebracht werden können oder wenn der Raum abends als Bügelzimmer genutzt wird, schließt ein Arbeitszimmer im steuerlichen Sinn aus. Sind die Abzugsvoraussetzungen erfüllt, können die Kosten anteilig berücksichtigt werden. Beispiel: Bei einer monatlichen Miete von 1.000 Euro und einer anteiligen Fläche von zehn Prozent für das Arbeitszimmer dürfen bei einer dreimonatigen Nutzung 300 Euro für das Arbeitszimmer angesetzt werden. Hinzu kommen die anteiligen Kosten des Zimmers, etwa für Heizung und Strom. Besitzer von Eigentumswohnungen und Eigenheimen können statt der Mietkosten anteilig für das Arbeitszimmer zwei Prozent der Anschaffungskosten für die Immobilie nebst der anteiligen Kosten wie etwa Strom geltend machen.

Golem.de: Es heißt, dass die Finanzämter bei der Anerkennung eines Arbeitszimmers sehr streng sind?

Seifert: Das stimmt und es kann durchaus sein, dass sie die Voraussetzungen im Rahmen einer Steuerprüfung kontrollieren. Entspricht das Zimmer nicht den angegebenen Kriterien, droht eine Strafe wegen Steuerhinterziehung. Wer kein Arbeitszimmer hat, sollte auch keines angeben.

Golem.de: Und wer von zu Hause aus arbeitet, hat auch keine Aufwendungen für Fahrtkosten zum Arbeitsplatz ...

Seifert: ... und kann für diese Zeit deshalb keine geltend machen. Die Finanzämter erkennen bei einer Fünf-Tage-Woche pauschal 220 Arbeitstage an, für die Fahrtkosten abgerechnet werden dürfen. Davon müssen die Tage im Homeoffice abgezogen werden. Um bei unseren Drei-Monats-Beispielen zu bleiben, sind das 60 Tage. Beträgt der Weg zum Arbeitsplatz 30 Kilometer, wird diese Strecke mit 60 Tagen und 0,30 Euro pro Kilometer multipliziert. Das macht 540 Euro, die weniger als Fahrtkosten geltend gemacht werden können als ohne Homeoffice. Andererseits spart man Spritkosten fürs Fahren. Im Beispiel weiter oben konnten 300 Euro fürs Arbeitszimmer angesetzt werden, zuzüglich der anteiligen Aufwendungen wie Strom. Vergleicht man nun beide Berechnungen wird klar, dass Homeoffice kein Steuersparmodell ist. Aus steuerlicher Sicht ist Fahren oft die lukrativere Alternative. Ein Wahlrecht gibt es nicht: Mit der Steuererklärung ist der tatsächliche Sachverhalt anzugeben und nicht der steuerlich günstigere.

Golem.de: Angenommen, jemand arbeitet regelmäßig an wechselnden Arbeitsplätzen: mal von daheim, mal im Büro. Wie wird das steuerlich beurteilt?

Seifert: Wer zwei Tage pro Woche im Homeoffice ist, hat seinen Schwerpunkt im Büro und wer drei Tage im Homeoffice ist, hat seinen Schwerpunkt dort. Wenn ein Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz im Betrieb und zu Hause hat und der Tätigkeitsschwerpunkt überwiegend im Betrieb liegt, dann gilt eine Obergrenze von 1.250 Euro beim Abzug der Kosten für daheim. Liegt der Tätigkeitsschwerpunkt dagegen im Homeoffice, können die Aufwendungen ohne Begrenzung angesetzt werden.

Golem.de: Immer wieder ist von der Einführung einer Steuerpauschale für Heimarbeiter während Corona die Rede. Kommt die Pauschale?

Seifert: Den Vorschlag haben die Lohnsteuerhilfevereine schon mehrfach gemacht. Entschieden ist nichts und ob die Finanzverwaltung die Idee umsetzt, bleibt fraglich.

Golem.de: Ihre zusammenfassende Erkenntnis?

Seifert: Homeoffice hat auf die Steuerlast keinen so hohen Effekt, wie viele sich das vorstellen und erhoffen. Das liegt vor allem daran, dass Heimarbeit immer die Fahrtkosten reduziert. Steuerlich ist zumindest das gelegentliche Homeoffice während der Corona-Krise ohne große Auswirkungen. Aber Heimarbeit ist Lebensqualität, weil die lästige und nervige Fahrerei wegfällt. Deshalb dient sie auch dem Umweltschutz.

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CalebR 30. Jul 2020 / Themenstart

Danke für den Hinweis! Ein Fitnessrad ist doch auch nur ein alternativer Arbeitsstuhl und...

DrLindner 29. Jul 2020 / Themenstart

Der gierige Scholz lässt sich doch nicht einen Cent Steuern entgehen.

DrLindner 29. Jul 2020 / Themenstart

Zumal man seine Freizeit teurer ansetzen muss, als seinen Bruttolohn. Mich kostet...

crazypsycho 28. Jul 2020 / Themenstart

Aber da muss man halt nur einmal die Woche hin, den Fahrtweg zur Arbeit hat man in der...

eechauch 28. Jul 2020 / Themenstart

Also die bestmögliche Altersvorsorge ist ein Haus definitiv nicht. Es ist eine gute...

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