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Hololens im zweiten Hands on: So stellt man sich Augmented Reality vor

Build 2016
Für Entwickler ist die Hololens fertig. Die Brille ist mittlerweile so gut, dass es nur noch in Ausnahmefällen zu Verzögerungen kommt. Außerdem eignet sie sich nicht nur für Augmented Reality , sondern auch für Virtual Reality .
/ Andreas Sebayang
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Die Brille ist zwar recht schwer, doch sie sitzt nach einigen Einstellungen trotzdem angenehm. (Bild: Sebastian Kuhbach/Winfuture)
Die Brille ist zwar recht schwer, doch sie sitzt nach einigen Einstellungen trotzdem angenehm. Bild: Sebastian Kuhbach/Winfuture

Vor fast einem Jahr konnten wir uns die Hololens schon einmal anschauen , damals allerdings noch mit allerhand Vorsichtsmaßnahmen. Die Prototypen mussten wie rohe Eier behandelt werden, man durfte keine Fotos von den Geräten machen und die Softwaredemo war wirklich ein früher Prototyp. Trotzdem war schon zu erkennen, wohin Microsoft mit der Hololens will: in den Profimarkt. Auf Microsofts Entwicklerkonferenz Build konnten wir mehr von der Datenbrille sehen – und sind beeindruckt.

Microsoft Hololens ausprobiert (Build 2016)
Microsoft Hololens ausprobiert (Build 2016) (00:51)

Die Demos auf der Build waren deutlich weniger einschränkend. Microsoft-Mitarbeiter achteten nur darauf, dass die Brillen falsch herum, sprich kopfüber abgelegt wurden. Doch das Auf- und Absetzen wurde uns überlassen. Auch durften wir uns frei bewegen und die Brille nach unseren Vorlieben justieren.

Das ist allerdings Übungssache. Die Brille hat ein Unterstützungsband, das recht fest auf dem Kopf positioniert wird. An diesem Band liegt flexibel die eigentliche Hololens. Wichtig ist, dass die Brille nicht auf der Nase aufliegt, was zunächst ungewöhnlich erscheint. Wir haben den richtigen Aufsetzdreh erst bei der zweiten Demo gefunden. Das Band mussten wir relativ schräg fixieren. Idealerweise wurden unter der Stirn die Haare weggeschoben, was den Halt verbessert, und nach der Fixierung wird die Brille nach vorne geschoben. Das hängt aber von der Kopfform ab. Uns passierte es zudem, dass die Brille ab und an wieder nach hinten rutschte.

Die Brille sitzt erst nach Rumprobieren richtig

Solche Positionierungen haben Auswirkungen auf das Sichtfeld. Sitzt die Brille falsch, ist das Bild meist oben abgeschnitten. Diesen Zusammenhang muss der Anwender erst einmal herausfinden. Zwar wurde für zwei Journalisten jeweils ein Microsoft-Hololens-Mitarbeiter abgestellt, die sogar Programmierer waren, doch die ließen uns weitgehend selbst arbeiten und so auch eigene Fehler erleben.

Hololens-Workshop in einer Stunde

Insgesamt gab es zwei Demonstrationen. Eine davon war ein abgekürzter Hololens-Workshop für Entwickler, der für uns eine Stunde dauerte. Normalerweise sind es laut Microsoft drei Stunden. Die Verkürzung gelang, weil Microsoft die zu schreibenden Skripte bereits vorbereitet hatte. So konnten wir zwar den gesamten Entwicklungsdurchgang nachspielen, beschränkten uns aber auf das Aktivieren diverser Skripte innerhalb der Entwicklungsschritte. Wenn man ein wenig Ahnung vom Programmieren hat, mutet das schon etwas seltsam an. Der Effekt war aber gut, wir konnten uns Stück für Stück unser Programm zusammenklicken und die unterschiedlichen Entwicklungsstände jeweils auf die Hololens übertragen, drahtlos wohlgemerkt. Das USB-Kabel war nur zum Laden da. Tatsächlich trugen wir die Brille ab und an auf unserem Kopf, wenn das Deployment via WLAN durchgeführt wurde.

Nach einer recht kurzen Wartezeit von vielleicht 30 Sekunden war der jeweilige Workshop-Schritt fertig. Doch davor musste die Brille erst kalibriert werden. Dazu wird der Finger vor der Brille in unterschiedliche Positionen gebracht, so dass der Augenabstand gemessen werden kann. Im vergangenen Jahr mussten wir noch vermessen werden.


War der Schritt durchgeführt, sahen wir ab und an Systembereiche, die eigentlich nicht erscheinen sollten. Die Hololens hat ein Kachelmenü! Neben Microsoft Edge und Einstellungen sind dort auch eine Foto-App und Cortana zu sehen. Wir haben das Menü aber nicht genutzt. Stattdessen startet beim Deployment recht schnell das Programm.

Wie festgenagelt

Und was wir dann sahen, war schlichtweg begeisternd. Augmented Reality in Perfektion, jedenfalls fast. Es ging zunächst darum, eine Energiebasis zu positionieren. Wenn die Brille den Raum abgetastet hat, was automatisch passiert, sobald der Anwender durch den Raum geht, dann lässt sich ein virtuelles Objekt sehr gut beispielsweise auf einem Tisch ablegen. Die Höhe stimmt dann, und wir können das Objekt umrunden. Dabei bewegt es sich tatsächlich nicht. Im vergangenen Jahr gab es noch einen klar sichtbaren Lag, dieses Mal war bei normaler Benutzung der Brille das virtuelle Objekt wie angenagelt an seiner Position. Wackeln mit dem Kopf beeindruckte das System gar nicht. Nur wer direkt von oben auf ein Objekt schaute, bemerkte gelegentlich, dass dieses etwas im Raum zitterte.

In einem späteren Schritt kam zudem ein Avatar dazu – und zwar für alle sechs Teilnehmer einer Gruppe. Dieser ahmte jeweils die Bewegungen der Hololens-Träger nach und war oberhalb des Kopfes positioniert. Hier zeigte sich, dass dieses Nachahmen der Bewegungen noch nicht ohne Zeitverzögerung gelingt. Da wir später aufeinander schießen durften – mit einem Fingerzeig -, war es deswegen nicht so einfach zu treffen.

Apropos schießen: Hier zeigte sich, wo die Hololens den Raum schon abgescannt hat. Im gescannten Bereich prallten die Schüsse von Wänden und Tischen korrekt ab. Bewegten wir uns in neue Gebiete im Raum, gab es derartiges Abprallen nicht.

Kräftige Farben trotz transparenter Projektion in der Hololens

Die Bildqualität konnte Microsoft im Vergleich zur letztjährigen Demo drastisch verbessern. Während auf der Build 2015 die Farben noch blass waren, leuchteten sie jetzt. Egal ob Lila, Rot oder Blau, die Farben sind überraschend kräftig, obwohl der Anwender durch sie hindurchschauen kann. Zudem hatten wir den Eindruck, dass das virtuelle Bildfeld nach oben und unten erweitert wurde. Bestätigen konnte uns das Microsoft leider nicht.

Für die optimale Bildqualität konnten wir zudem auch die Helligkeit ändern. Beim Testen fiel uns dabei auf, dass ein mittlerer Wert ideal ist, wenn es wirklich um die Mischung der Realität und der virtuellen Einblendungen geht. Die Displays haben nämlich ein Schwarzlevel-Problem, so dass die Projektionsfläche vor dem Auge leicht milchig wirkt – ein Hinweis darauf, dass die Quelle des Bildes Streulicht nicht vermeiden kann.

Virtual Reality mit einer Augmented-Reality-Brille

Geht es hingegen darum, komplett in die Welt einzutauchen, bietet sich die volle Helligkeit an. So ging es uns in der zweiten Demo: Destination Mars. Diese durfte jeder Build-Teilnehmer ausprobieren und die Schlangen vor dem Demosystem waren teils enorm. In zwei Räumen zu je acht Personen konnte für zehn Minuten das System ausprobiert werden. Der Fokus lag dieses Mal auf dem Erleben. Es war im Prinzip eine Virtual-Reality-Anwendung auf der Augmented-Reality-Brille, denn die Umgebung war nebensächlich.

Zusammen mit sieben anderen Journalisten erkundeten wir die Marsoberfläche, krochen auf dem Boden entlang, um kleine Hügel als solche zu erkennen und umrundeten den Astronauten Buzz Aldrin, der als sogenanntes Free-Viewpoint-Video eingebettet und verewigt wurde. Wir waren erstaunt, wie lebensecht die Person vor uns wirkte.

Das Ganze passierte in einem recht dunklen Raum, damit die Umgebung den Eindruck nicht störte. Destination Mars funktionierte überraschend gut. Wir hatten trotz des eingeschränkten Sichtfelds das Gefühl, mittendrin zu sein. Es brauchte einige Grundkonzentration, nicht mit anderen Teilnehmern zu kollidieren. Zumindest wir waren vorsichtig. Ein anderer Journalist ging hingegen einfach rückwärts, so dass es beinahe mit uns zu einer Kollision kam – ein Hinweis darauf, dass die Datenbrille auch bei ihm ihre Wirkung zeigte: Der Teilnehmer fühlte sich wie allein auf dem Mars.

Wir fragten deswegen nach, ob es prinzipiell möglich wäre, eine Kollisionswarnung in das System zu integrieren, was uns ein Microsoft-Mitarbeiter bestätigte. Aber notwendig sei es bisher nicht gewesen, obwohl Nasa-Mitarbeiter genauso wie wir in dunklen Räumen auf dem Boden herumkrochen, um mehr zu entdecken. Unfälle habe es noch nicht gegeben, versicherte man uns.

Die Hololens-Engine nutzt auch Code, der eigentlich für 3D-Shooter ist

Dass die Positionserkennung prinzipiell möglich ist, liegt auch an der verwendeten Engine. Die Hololens arbeitet mit der Unity-Engine , die auch Netzwerkcode bereitstellt. Ein Server kümmert sich dann um die Verwaltung der Hololens-Teilnehmer und jeder Nutzer wird auch positionstechnisch erfasst. Die zuvor erklärte Entwicklerdemo bewies, dass das mehr als ausreichend ist. Bei der Positionsbestimmung gibt es einen minimalen Lag. Diese Verzögerung ist aber kaum für die Hololens relevant, denn die Anwender rennen schließlich nicht schießend wie ein Counter-Strike-Spieler durch die Gegend.

Die grafische Darstellung ist für ein mobiles Gerät hervorragend. Der Mars beeindruckte besonders bei der Oberflächendarstellung. Dazu kommt der Raumton, der über Lautsprecher und nicht Ohrhörer ausgegeben wird. Auch das funktionierte sehr gut, wenn Buzz Aldrin plötzlich von hinten auf sich aufmerksam machte.

Die Nasa wird Publikum an die Hololens lassen

Die Entwicklerdemo, die wir als Erstes hatten, war hingegen grafisch recht einfach gehalten. Es ging hier mehr darum, eine Machbarkeitsstudie zu präsentieren. Destination Mars ist hingegen so gut, dass die Nasa die Anwendung im Kennedy Space Center ab dem Sommer 2016 auch für Besucher zugänglich macht. Bis dahin sollten allerdings die Brillen noch etwas modifiziert werden. Unsere Destination-Mars-Brille war am Ende des zweiten Build-Tages doch etwas ausgeleiert und rutschte häufiger in ihre Grundposition zurück. Es fehlt ein Arretierungsmechanismus.

Microsoft Hololens Cat Demo – Build 2016
Microsoft Hololens Cat Demo – Build 2016 (01:34)

Rund drei Stunden soll der Akku halten. Während wir testeten, blieb der Akku immer oberhalb der 90 Prozent. Aber das lag daran, dass Microsoft uns die Brille zwischendurch immer wieder anschließen ließ. Sie wird per Micro-USB geladen, und wir hoffen, dass Microsoft in der finalen Version USB-C nutzt. Wir mussten nämlich ziemlich häufig den vermaledeiten Stecker dreimal einsetzen.

Microsoft war hier übervorsichtig. Allerdings war die Brille eines anderen Journalisten tatsächlich im Bereich von nur noch 50 Prozent Akkukapazität. Dass die Brillen noch nicht ganz fertig sind – und vor allem die Software -, zeigte sich zudem an vereinzelten Synchronisationsproblemen zwischen den Brillen. Dann kam ein zusätzlicher Microsoft-Mitarbeiter mit einem Diagnose-Tablet vorbei und schaute sich die Situation an.

Das verwundert nicht, schließlich wird die Hololens noch nicht offiziell verkauft. Es gibt zudem kaum Anwendungen – und die wenigen sind teils Geheimprojekte, wie etwa die Kooperation zwischen der Nasa und Microsoft. Bis die ersten richtigen Anwendungen erscheinen, wird es zudem eine ganze Weile dauern. Als Demo steht aber die App Galaxy Explorer auch im Quellcode bereit .

Die Konkurrenz kommt nicht mit

Erst vor ein paar Tagen wurde mit der Auslieferung der Devkits begonnen und das ausschließlich in Nordamerika. Die Anzahl der Entwicklungen wird zunächst überschaubar sein, was auch sicher Microsoft zugutekommt, denn zu der ersten Phase gehören auch Entwicklertrainings, damit die Programmierer mit der neuen Welt besser zurechtkommen.

Wer bei der ersten Demo damals seine Zweifel hatte, der wird jetzt eines Besseren belehrt. Die Hololens beeindruckt als professionelles Werkzeug sowohl bei Augmented Reality als auch Virtual Reality, die eigene Bewegung beinhaltet. Zwar ist das Bild nicht so bildschirmfüllend wie in den vielen Demovideos oder reinen VR-Brillen, doch die Funktion schränkt das kaum ein. Momentan ist als Einschränkung vor allem die Konstruktion der Brille noch nicht ideal. Der Rest hingegen funktioniert bereits so gut, dass wir gerne weiter mit einer solchen Brille arbeiten würden.

Der bereits fortgeschrittene Stand der Hololens ist aber auch eine schlechte Nachricht. Epson betont zwar gerne, mit seiner Moverio-AR-Brille zuerst am Markt gewesen zu sein, doch auch mehrere Generationen später wirkt die Epson-Brille nicht einmal annähernd so marktreif wie die derzeitigen Vorabversionen der Hololens.


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