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Hololens im Hands On: Anders und noch nicht perfekt

Build 2015
In San Francisco hat Microsoft den Build-Teilnehmern die Hololens gezeigt. Wir haben die überraschend aufwendige Demo-Prozedur ausprobiert und fanden Stärken und Schwächen der Datenbrille mit Projektion.
/ Andreas Sebayang
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Die Hololens durfte von zahlreichen Teilnehmern der Build Conference ausprobiert werden. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Die Hololens durfte von zahlreichen Teilnehmern der Build Conference ausprobiert werden. Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Auf der Build 2015 haben wir erstmals die Datenbrille Hololens getestet. Microsoft beließ es hierfür nicht bei einer reinen Pressedemo, sondern alle Teilnehmer der Konferenz hatten die Chance, in einem nahen Hotel die Hololens selbst auszuprobieren. Der Aufwand, den Microsoft betrieb, war beachtlich. Jede Demo war eine persönliche Demo, begleitet von einer Person, die durch die Demo führte und einer Person, die einen Rechner bediente, mit dem die holografische Illusion gesteuert wurde. Laut Microsoft waren mehr als 100 Hololens-Brillen im Einsatz.

Um die Brille benutzen zu dürfen, mussten wir allerdings sämtliche Technik abgeben. Fotos durften nur von einem Modell im Glaskasten gemacht werden, das aber den realen Mustern entsprach. Zudem musste erst einmal der Pupillenabstand (IPD) mit einem Messgerät bestimmt werden. Dieser Wert wurde von einem Microsoft-Mitarbeiter während der Demo eingegeben. Das kennen wir von anderen Systemen auch, allerdings nicht mit externem Messgerät. Die Bestimmung des IPD war damit sehr schnell, was dem Demo-Szenario half. Ein viereckiger Rahmen wurde zur Bestätigung angezeigt. Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten offenbar nicht so viel getan: Das funktionierte nämlich schon mit Nintendos geflopptem VR-Spielesystem Virtual Boy so.

Doch was dann kommt, unterscheidet sich deutlich von alten wie auch neuen Konzepten. Die Einblendung von virtuellen Gegenständen in die Realität wirkt sehr gut und ist für das Auge nicht ermüdend. Zumindest nicht in den etwa zehn Minuten dauernden Demos.

Microsoft zeigt Hololens-Roboter-Demo (Build 2015)
Microsoft zeigt Hololens-Roboter-Demo (Build 2015) (03:26)

Wer andere Head-mounted Displays - wie etwa die Oculus Rift - kennt, für den wird das Erlebnis mit der Hololens angenehmer für die Augen sein. Mit der Hololens wurde uns nicht so schnell mulmig. Ebenfalls angenehm: Der 3D-Effekt. Wer nicht gerne 3D-Filme sieht oder damit Schwierigkeiten hat, kann Hololens durchaus benutzen. Der Effekt ist nicht so aufdringlich, was allerdings auch an der Projektionsqualität liegen kann. Zudem fehlte eine bunte, poppige übertriebene 3D-Darstellung, wie sie in Filmen gerne benutzt wird.

Balken der Realität

Die Farbdarstellung war unterschiedlich gut. Damit unterscheidet sich das gesehene Bild von dem, was in den Live-Demos durch externe Bildschirme simuliert wird. Das Bild wirkte auf dem einen Auge etwas fahl, auf dem anderen waren die Farben recht intensiv. Wir vermuten hier ein Justage-Problem. Wir konnten aber einen Effekt sehen, den man von älteren Projektoren mit Farbrad kennt: das leichte Zerfasern der Grundfarben beim Bewegen der Augen.

Der Gesamteindruck ist dennoch gut. Das gesehene virtuelle Bild legt sich komplett über die Realität. Wir können uns durchaus vorstellen, dass Anwender, die nicht aufpassen, schon mal durch eine virtuelle Tür treten wollen, wo eigentlich eine Wand ist. Ein vergleichsweise geringer virtueller Blickbereich verhindert aber Schlimmeres. Der Anwender sieht nicht die gesamte Umgebung als virtuelle Realität, sondern blickt durch ein gefühlt im 16:9-Format existierendes Fenster. Oben, unten, rechts und links gibt es Balken der Realität, wie wir schon vorher befürchteten .

Ohne Kopfbewegungen lassen sich Objekte nicht komplett erfassen

Das bedeutet allerdings auch, dass es für die Betrachtung von Objekten notwendig ist, den Kopf zu bewegen. In einer Architektur-Demo mit Keystone konnten wir beispielsweise ein Gebäude manipulieren. Ein paar Stockwerke zu viel, und es war nicht mehr komplett im Sichtfeld, obwohl die daneben stehenden realen und größeren Modelle noch immer im menschlichen Blickbereich waren.

Microsoft zeigt Hololens-Simulation (Build 2015)
Microsoft zeigt Hololens-Simulation (Build 2015) (03:57)

Es wurden zwei Interaktionsmöglichkeiten demonstriert. Zum einen kann die Maus verwendet werden: Man starrt auf einen realen Computerbildschirm, schiebt die Maus aus dem Bildschirm heraus und verfolgt sie mit der Hololens im virtuellen Raum. So kann das System zu einer Art des Multimonitorbetriebs verwendet werden. Die Alternative ist ein Cursor, der durch die Blickrichtung starr vorgegeben wird und als ein leicht leuchtender Punkt sichtbar ist. Zudem hellen sich Objekte, mit denen eine Interaktion möglich ist, leicht auf, sobald sie genau angesehen werden. Mit einer Tippbewegung des Fingers vor der Hololens wird das Objekt selektiert. Der Anwender muss also nicht mit dem Finger in Richtung der Bedienelemente zeigen und diese dort antippen. Das wäre der natürliche Weg. Doch es ist auch der aufwendigere, die Hololens müsste den Finger exakt im Raum erkennen müssen. Ob diese Funktion später implementiert wird, ist noch unklar.

Wenig Lag und angeklebte Objekte

Die Darstellung der virtuellen Objekte im Raum war äußerst stabil. Selbst schnellere Kopfbewegungen erzeugten keine Verzögerung bei der Darstellung. Nur beim seitlichen Kippen des Kopfes stellten wir leichte Objektverschiebungen fest. Man muss allerdings schon darauf achten, um das zu entdecken, und besonders natürlich ist das Kippen des Kopfes zur Seite ebenfalls nicht. Wir hatten jedenfalls nicht das Bedürfnis, das Bild um 90 Grad zu drehen, um damit auch hohe Objekte erkennen zu können. Hololens-Objekte wirken dadurch im Normalbetrieb wie in die Welt geklebt.

Das ganze System ist drahtlos, die technischen Daten(öffnet im neuen Fenster) sind aber weiterhin geheim. Wie die Brille aufgeladen wird, wurde uns während der Demo nicht klar. In keiner der Demos wurde sie von einem Lademechanismus getrennt. Unsere Demo war zudem die letzte an dem Abend. Es spricht aber viel für ausreichend dimensionierte Akkus: Das Gewicht auf dem Kopf war gerade noch im angenehmen Bereich. Liegt die Datenbrille allerdings ungünstig auf der Nase, stört das System schon nach wenigen Minuten. Es kommt ein wenig auf die Kopfform an. Microsoft selbst erlaubte den Testern keine Grobjustage, die notwendig gewesen wäre. Wer die Hololens testete, musste sehr vorsichtig mit ihr umgehen. Für das Aufsetzen bestand Microsoft auf die Nutzung von vier Händen. Es sind allerdings noch Prototypen und da ist es verständlich, dass bei Hunderten Demonstrationen die Geräte nicht so ausprobiert werden dürfen, wie das manch einer sonst machen würde.

Technisch interessant war zudem eine Demo, die nur von außen betrachtet werden konnte. Zwei Schauspieler führten mit der Hololens ein Skype-Telefonat durch und tauschten Modelle aus. Eines der Modelle war die Space Needle in Seattle in der Größe des Schauspielers. Wir konnten das Modell auf dem Bildschirm in voller Größe sehen. Nach der selbst erlebten Demo zu urteilen, sieht ein Anwender allerdings maximal die Untertassensektion des Gebäudes, ohne den Kopf bewegen zu müssen. Die Kameraleute, die gezielt und möglichst sanft um die virtuellen Objekte herum filmten, sahen von dem ganzen Geschehen übrigens auf ihren Monitoren nichts und mussten blind filmen. Der Lag, den man aus den Video-Demos kennt, ist wiederum ein reines Problem des Signalweges durch diverse Geräte und für den Hololens-Nutzer nicht sichtbar.

Wann Hololens zu welchem Preis auf den Markt kommt, wird weiterhin nicht verraten. Die offizielle Aussage lautet: "Innerhalb des Windows-10-Zeitrahmens." Das heißt frühestens mit der Fertigstellung von Windows 10 und spätestens mit dem offiziellen Supportende des nächsten Windows - schlimmstenfalls also zehn Jahre später.


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