Realistische Ängste, filmisch genutzt

Je mehr das Internet auch in der breiten Masse ankam und damit auch Autoren und Filmemacher persönlich Berührungen machten, desto mehr veränderte sich auch Hollywoods Blick auf das World Wide Web.

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Es tauchte in praktisch jedem Genre auf. Es war vor allem der Horrorfilm, der eine Chance witterte, mit der diffusen Angst des Publikums vor dem neuen Medium Reibach zu machen - zumeist natürlich in völlig abgehobenen Geschichten.

Ob nun Pulse (2006) mit einem Virus, der sich über das Internet verbreitet, Feardotcom (2002) über eine Website, über die Menschen sterben, oder Teile erfolgreicher Reihen wie Halloween: Resurrection (2002) oder Hellraiser: Hellworld (2005) - mit dem Slogan "Evil Goes Online". Später gesellten sich noch Unknown User (2014) und das Sequel dazu und warnten vor falschen Profilen in sozialen Netzwerken. Eine reale Gefahr, die hier für Dämonen-Mumpitz genutzt wurde.

In Thrillern und Dramen wurde das Netz anders genutzt. Vor allem aber hatte man in Hollywood gelernt, mit dem neuen Medium zu leben und es adäquat in die Story einzubauen. Trust - Blindes Vertrauen (2010) greift ein besonders wichtiges Thema auf: das Groomen von jungen Mädchen im Internet. Hier ist es die Tochter des von Clive Owen gespielten Vaters, die im Internet einen Freund findet, der sich jedoch als Pädokrimineller herausstellt. Das mag im Verlauf des Films etwas plakativ dargestellt sein, die grundsätzliche Tendenz ist jedoch realitätsnah: Man weiß nicht, mit wem man im Internet spielt. Avatare, Profile, Bilder - das alles kann falsch sein.

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Ist es das meistens? Wahrscheinlich nicht, aber das Internet hat es Tätern leichter gemacht, mit Opfern in Kontakt zu treten. Hier wird noch stark mit den Mechanismen des Thrillers gearbeitet, der deutsche Fernsehfilm Das weiße Kaninchen (2016) ist dagegen ein waschechtes Drama und vor allem so intensiv, weil er ohne Übertreibung vom Cybergrooming erzählt und die perfiden Methoden eines Pädagogen aufzeigt, der in sozialen Netzwerken seine Opfer sucht.

Der Thriller Searching (2018) mit John Cho in der Hauptrolle geht einen anderen Weg. Er zeigt, wie ein Vater über das Internet, über ihren Account in einem sozialen Netzwerk und bei anderen Anbietern nach seiner Tochter sucht und die Puzzlestücke zusammensetzt, um herauszufinden, was passiert ist.

In erster Linie nutzt der Film das Netz vor allem als Spannungsmittel und versetzt den Zuschauer in die Perspektive des sorgenden Vaters. Denn wie er sieht das Publikum, was sich auf dem Bildschirm abspielt, und ist ihm auch nie in irgendeiner Weise voraus, sondern findet mit ihm zusammen heraus, was als nächstes passiert. Der Film ist zwar eher statisch, er erzeugt mit diesem Format aber einen beklemmenden Realismus, da John Chos Figur nichts anderes macht als das, was jeder Mensch in derselben Situation auch tun könnte.

Die wahren Geschichten

Und dann gibt es natürlich noch die Filme, die möglichst realistisch von Echtem erzählen wollen, etwa The Social Network (2010) über die Entstehung von Facebook oder Inside WikiLeaks (2013) über Julian Assange und sein Enthüllungsnetzwerk.

Noch eindrucksvoller, weil einfach realer, sind die Dokumentationen, so etwa das brandneue Web of Make Believe bei Netflix, das in mehreren Folgen zeigt, wie die Gefahr aus dem virtuellen Raum in die echte Welt überschwappen kann - mit einem Hacker, der SWAT-Teams zum Haus Unschuldiger schickt, oder einem Mord, der ungelöst zu zahlreichen Verschwörungstheorien führt, die das Leben eines Mannes zur Hölle machen. Die sechs Folgen wurden von Dokumentationsprofi Brian Knappenberger inszeniert und von Ron Howard produziert.

Das verbindende Element aller hier gezeigten Geschichten ist die Desinformation, die über das Netz verbreitet wird, und wie klassische Medien sich da nicht nur einspannen lassen, sondern das Ganze aus Quotengeilheit auch befeuern - so etwa im Fall des Mordes an Seth Rich, der von Fox News aufgegriffen wurde, und das mit einer Berichterstattung, die das Fundament einer weitreichenden Verschwörungstheorie bildet.

Auch sehenswert ist The Internet's Own Boy: Die Geschichte des Aaron Swartz (2014), eines Programmierers, der sich das Leben genommen hat. Oder We Live in Public (2009), das zum 40-jährigen Bestehen des Internets erschien und anhand vom Internetpionier Josh Harris zeigt, wie sich die Welt verändert hat - wie Menschen immer mehr von sich preisgeben und das aus freien Stücken. So geht es auch um ein Experiment, bei dem er sechs Monate 24 Stunden am Tag unter Beobachtung stand, was zu einem mentalen Kollaps führte - der Preis, den er bezahlte, um öffentlich zu leben.

Catfish (2010) ist eine Dokumentation darüber, wie ein Mann eine Frau über das Internet kennenlernt. Beide unterhalten sich gut, sie findet aber immer wieder Ausreden, um Treffen zu verhindern, weil sich dann herausstellt, dass sie die ganze Zeit ein falsches Profil benutzt hat. Aber das merkt er erst nach Monaten und nach mehr als 1.000 Messages, in denen beide über Gott und die Welt gesprochen haben. Unter Catfishing versteht man heutzutage, wenn jemand sich im Internet als eine andere Person ausgibt. Der Begriff ist einer Fischerei-Methodik entliehen, bei der der Kabeljau, wenn er lebend von Asien nach Nordamerika gebracht wird, zusammen mit Welsen im Tank ist. Ohne die Welse wird der Kabeljau inaktiv und das Fleisch leidet darunter - mit den Welsen im Tank bleiben die Fische jedoch aktiv.

Aber es muss ja nicht immer nur schlecht sein. Letztlich hat das Internet uns allen wohl mehr Gutes als Schlechtes gebracht, so auch die wunderbare Dokumentation Life in a Day (2010), die fragt: Wo wart ihr am 24. Juli 2010? Während ihr darüber noch nachdenkt, könnt ihr den Film ja gucken und sehen, was Hunderte andere Menschen getan haben, denn die Doku wurde aus mehr als 4.500 Stunden Material zusammengestellt, das Menschen an jenem Tag bei Youtube hochgeladen haben.

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 Hollywood und das Internet: Sind wir schon drin?
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Mnt 28. Jun 2022 / Themenstart

Die düsteren Seiten sind nicht im Geringsten wahr geworden. Wir haben einen Haufen...

violator 26. Jun 2022 / Themenstart

Ich hab auch nur in Erinnerung, dass das die Leute schon umgehauen hat. Die Szenen...

demon driver 25. Jun 2022 / Themenstart

Und das wird noch viel "lustiger", wenn die Täter langsam rausfinden, dass es Deepfake...

Timee 25. Jun 2022 / Themenstart

Ein eher unbekannter Klassiker der das Thema Internet für die Zeit um 1988 bzw 89 sehr...

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