Höhenwindkraft: Fliegende Windkraftanlage erzeugt Strom in 4.000 Metern Höhe
In China ist ein fliegendes Windkraftsystem auf eine Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiegel aufgestiegen und hat dort Elektrizität erzeugt. Der staatliche Sender CCTV bezeichnete diesen Testlauf laut eines Berichts der South China Morning Post(öffnet im neuen Fenster) als eine Weltpremiere.
Der Prototyp mit der Bezeichnung S4000 absolvierte demnach auf einem Testgelände im Nordwesten Chinas einen vollständigen Arbeitszyklus, der den Aufstieg, das Verharren auf Position, die Stromerzeugung sowie die Rückholung umfasste. Dies könnte einen Schritt in Richtung des technischen Einsatzes der Höhenwindkraft darstellen.
Der Flugkörper hat etwa die Länge eines Boeing-747-Passagierflugzeugs und ähnelt optisch einem Luftschiff. Das System ist mit Helium gefüllt und steigt in die Luft auf, wobei es leichtgewichtige Turbinen mit sich führt. In großen Höhen nutzt die Anlage stärkere sowie gleichmäßigere Winde und leitet den erzeugten Strom über ein Haltekabel direkt zur Erde zurück. Durch die Möglichkeit, das System schnell zwischen verschiedenen Standorten zu verlegen, eignet es sich für den Einsatz an abgelegenen Orten ohne Netzanbindung, wie etwa in Wüsten, Hochlandregionen, auf Inseln oder in Katastrophengebieten.
Entwicklung und weitere Modelle
Die Entwicklung des S4000 erfolgte durch das Pekinger Start-up Sawes Energy Technology(öffnet im neuen Fenster) in Zusammenarbeit mit der Tsinghua-Universität und dem Aerospace Information Research Institute der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Das im Jahr 2023 gegründete Unternehmen benennt seine Modelle nach der jeweiligen Betriebshöhe. Bereits im September des vergangenen Jahres ließ Sawes das Modell S1500 fliegen, das als erstes System des Unternehmens eine Leistung von einem Megawatt erreichte. Im Januar folgte das Modell S2000 in 2.000 Metern Höhe. Bis März lagen dem Unternehmen für diese beiden Typen Bestellungen im Wert von knapp 500 Millionen Yuan vor.
Ein weiteres Modell mit der Bezeichnung S6000 befindet sich in der Entwicklung. Laut einem Bericht der Hunan Daily soll dieses System noch in diesem Jahr entsprechend in eine Höhe von über 6.000 Metern aufsteigen.
Wirtschaftlichkeit und staatliche Pläne
Die Entwickler schätzen, dass die Kosten der Stromerzeugung in 3.000 Metern Höhe nahe an diejenigen konventioneller, bodengebundener Windkraftanlagen heranreichen. In einer Höhe von 9.000 Metern könnten entsprechende Systeme mehr als 8.000 Stunden pro Jahr arbeiten. Dabei lägen die Erzeugungskosten bei 0,03 Yuan (ca. 0,0038 Euro) pro Kilowattstunde.
Der 15. Fünfjahresplan Chinas für erneuerbare Energien sieht vor, die Erforschung von Höhenwindkraft und anderen neuen Formen der Windenergieerzeugung voranzutreiben. Neben vollständig fliegenden Systemen verfolgen chinesische Entwickler zudem Ansätze mit am Boden installierten Generatoren, die mit fliegenden Komponenten kombiniert werden. Ein 5.000 Quadratmeter großes Segel zur Winderfassung wurde im vergangenen September aus Peking für ein Projekt der China Energy Engineering Corporation geliefert. Testläufe zur Stromerzeugung sollen dort bis Ende 2026 beginnen.
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