Hochautomatisiertes Fahren: Studie warnt Industrie vor Konkurrenz durch Google

Die deutschen Hersteller sind einer Studie zufolge für das hochautomatisierte Fahren gut gerüstet. Quereinsteiger könnten jedoch in Nischen autonome Autos schneller anbieten und der Industrie das Geschäftsmodell streitig machen.

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Eine Studie sieht die deutsche Autoindustrie beim hochautomatisierten Fahren gut aufgestellt.
Eine Studie sieht die deutsche Autoindustrie beim hochautomatisierten Fahren gut aufgestellt. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Eine Studie des Fraunhofer Instituts sieht gute Chancen für die deutsche Automobilindustrie bei den Gebieten Fahrassistenzsysteme und hochautomatisiertes Fahren. Die Wertschöpfung in diesem Bereich werde am Standort Deutschland im Jahr 2025 auf rund 8,4 Milliarden Euro geschätzt, heißt es in der Studie, deren Zusammenfassung am Mittwoch vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht worden ist. Dazu trügen rund 67.000 Beschäftigte in der Autoindustrie bei, hinzu kämen weitere knapp 65.000 Mitarbeiter in der Vorleistungskette. Die Hälfte von Wertschöpfung und Beschäftigung werde auf den Bereich Software entfallen.

Insgesamt sieht die Studie die deutschen Autohersteller und deren Zulieferer auf diesem Gebiet gut aufgestellt. Deutschland sei auf diesem Markt derzeit Leitanbieter. Von den acht wichtigsten Zulieferern fortgeschrittener Assistenzsysteme (ADAS) hätten mit Bosch, Conti und Hella drei ihren Hauptsitz in Deutschland und verfügten auf diesem Gebiet über einen Weltmarktanteil von 52,5 Prozent. Die deutschen Autobauer hätten mit knapp einem Drittel ebenfalls einen hohen Marktanteil.

Autonome Autos erst ab 2030

Es wird zudem erwartet, dass alle deutschen Oberklassehersteller bis zum Jahr 2020 hochautomatisierte Funktionen wie einen Stau- oder Autobahnpiloten anbieten werden. "Autonome Fahrzeuge mit heute üblichen Geschwindigkeiten und Leistungsmerkmalen auf öffentlichen Straßen sind dagegen nicht vor dem Jahr 2030 als Marktangebot zu erwarten."

In diesem Zusammenhang warnen die Forscher davor, dass andere Anbieter den deutschen Konzernen den Rang ablaufen könnten. Im Vergleich zum Megatrend Elektromobilität berge die Automatisierung von Fahrzeugen ein deutlich größeres Potenzial für disruptive Innovationen, was insbesondere für vollautomatisiertes und autonomes Fahren gelte. "Die industriepolitischen Risiken bestehen darin, dass neue Akteure oder 'Quereinsteiger' autonome Fahrzeuge früher realisieren und dann so schnelle Leistungsverbesserungen erzielen, dass das traditionelle Geschäftsmodell der Automobilindustrie sukzessive substituiert wird", heißt es in der Studie.

Kein politischer Rückstand in Deutschland

Solche Ansätze seien insbesondere von neuen Wettbewerbern aus den USA und Unternehmen aus der IT-Industrie zu erwarten, auch wenn derzeit noch kein potenzieller Wettbewerber über einen klaren Entwicklungsvorsprung gegenüber der deutschen Industrie verfüge. "Da disruptive Innovationen jedoch häufig in Nischen beginnen, sind die Aktivitäten in anderen Ländern, insbesondere von branchenfremden Akteure im Bereich autonomer Fahrzeuge mit hoher Aufmerksamkeit zu analysieren", schreiben die Forscher.

Auch auf rechtlicher Ebene haben andere Länder wie die USA nach Ansicht der Forscher derzeit noch keinen Vorsprung. "Der häufig in den Medien angeprangerte politische 'Rückstand' Deutschlands auf andere Länder bezüglich der Einführung automatisierter Fahrfunktionen kann nicht bestätigt werden", heißt es. Dies gelte auch für die Erprobung von Automatisierungssystemen auf deutschen Straßen. Allerdings zeichne sich eine geringere deutsche Testaktivität auf dem Gebiet des vollautomatisierten und autonomen Fahrens im städtischen Raum ab als beispielsweise in Großbritannien, den USA oder Singapur.

Deutschland soll zum führenden Testfeld werden

Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gehört dem automatisierten und vernetzten Fahren die Zukunft. "Es ist wichtig, dass die deutsche Automobilindustrie ihre führende Position behauptet. Dafür ist sie gut aufgestellt", sagte Gabriel. Wichtig sei aber auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen angesichts der neuen technischen Möglichkeiten überprüft und wenn erforderlich angepasst würden. Auch müssten die Verkehrsinfrastruktur und das Mobilfunknetz entlang der Autobahnen weiter ausgebaut werden. "Deutschland muss zum führenden Testfeld für das automatisierte und vernetzte Fahren werden", sagte Gabriel. Die Bundesregierung hatte zu diesem Thema am Mittwoch ihre "Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren" vorgestellt.

Die Studie wurde von einem Konsortium unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) erstellt. Der vollständige Endbericht soll in Kürze veröffentlicht werden.

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