Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Hitzewelle: Abkühlungstipps sind nur so gut wie die Physik dahinter

Eiswürfel vor dem Ventilator, die Bettwäsche im Tiefkühler – und wo kommt das nasse Handtuch hin? Nicht alle Tipps und Tricks ergeben wirklich Sinn.
/ Mario Petzold
134 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Berlin Ende Juni 2026: Im Freien wartet es sich am besten mit Rettungsdecke. (Bild: Getty Images/Ralf Hirschberger)
Berlin Ende Juni 2026: Im Freien wartet es sich am besten mit Rettungsdecke. Bild: Getty Images/Ralf Hirschberger
Inhalt
  1. Hitzewelle: Abkühlungstipps sind nur so gut wie die Physik dahinter
  2. Was tatsächlich funktionieren kann

Hitzewellen werden länger, die Nächte bringen weniger Abkühlung: dafür müssen nicht einmal wissenschaftliche Studien zur Erderwärmung herangezogen werden – es ist spürbar. Kein Wunder also, dass Tipps und Tricks zur Abkühlung aus allen Richtungen kommen. Nur sinnvoll sind viele nicht, manche sogar ungesund.

Gemeinsam haben die meisten, dass Wasser eine zentrale Rolle spielt: Wasser in Tüchern, Wasser in Schüsseln, gefrorenes Wasser. Das ist zunächst einmal nachvollziehbar, denn nicht nur die Wärmekapazität von Wasser ist sehr hoch. Richtig energieaufwendig ist der Phasenübergang, also der Moment, in dem es schmilzt oder verdunstet.

Wenn ein Liter Wasser verdunstet, entzieht das der Umgebung 2.200 Kilojoule Wärme. Theoretisch genügt das, um die Luft in einem kleinen Raum um 45 °C abzukühlen, also von viel zu heißen 35 °C auf -10 °C.

Luftfeuchte und Temperatur im Zusammenspiel

Dumm nur, dass auch die Wände des Zimmers aufgeheizt sind. Fließen nur die Seitenwände in die Kalkulation ein, bleibt gerade noch 1 °C übrig, aus 35° C werden 34 °C. Da im besten Fall ein Handtuch mit Wasser getränkt und vor einen Ventilator gespannt wird, würde es zudem zu einer stundenlangen Aufgabe, einen ganzen Liter Wasser darauf aufzubringen.

Weil die Aktion außerdem die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöht, kann im minimal kälteren Raum kein Schweiß mehr verdunsten und den Körper kühlen. Die Luft im Zimmer fühlt sich schlussendlich noch unerträglicher an, im schlimmsten Fall sind Kreislaufprobleme die Folge.

Der Test eines Wassernebel-Ventilators auf Golem, der dem geschilderten Prinzip folgt, verlief erwartbar enttäuschend. Die Raumluft hat er nicht gekühlt, aber für kurze Zeit kann die angefeuchtete und vorübergehend kühlere Luft auf der Haut für Erleichterung sorgen – immerhin.

Es bleibt festzuhalten, dass das Verdampfen von Wasser in der Wohnung allenfalls in kleinen Mengen zu empfehlen ist. Am besten sollte das dem Körper selbst überlassen werden: Ventilator an und dabei schwitzen – das kühlt nicht den Raum, aber unmittelbar die eigene Haut. Dem Prinzip folgen auch Tipps wie tiefgekühlte Bettwäsche oder lauwarmes Duschen: Die Wohnung kühlt das nicht, aber beides sorgt kurzfristig für Erfrischung.

Eis bewirkt etwas

Eiswürfel in einer Schüssel vor den Ventilator zu stellen, erhöht ebenfalls die Luftfeuchtigkeit. Allerdings sind diese viel kälter als flüssiges Wasser und das Schmelzen entzieht der Umgebung zusätzliche Energie.

Stimmt – aber nur begrenzt. Für das Schmelzen wird nur ein Siebtel der Energie benötigt, die das Verdunsten erfordert. Das liegt an den starken intermolekularen Kräften im Wasser, die erst beim Verdampfen überwunden werden müssen.

1 Liter Eiswürfel reichen daher kaum. Das gilt, mit einer wichtigen Einschränkung, auch für einen weiteren Abkühlungstrick: Flaschen mit tiefgefrorenem Wasser ins Zimmer stellen. Das kann kann die Lufttemperatur im Raum tatsächlich senken, aber die warmen Zimmerwände lassen die Temperatur wieder nah an den Ausgangswert steigen.


Relevante Themen