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Hitman im Technik-Test: Von D3D12 profitieren vor allem CPUs

Das neue Hitman unterstützt zwar Direct3D 12 , nützlich ist das jedoch nur für Spieler mit langsamer CPU. Für die Grafikkarte bringt D3D12 recht wenig, zudem nervt auch Hitman mit Vsync-Problemen.
/ Marc Sauter
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Hitman (Bild: Square Enix)
Hitman Bild: Square Enix

Agent 47 kehrt zurück – zusammen mit einer neuen Grafikschnittstelle: Hitman ist nach Gears of War der zweite AAA-Titel, der Direct3D 12 unterstützt. Entwickler IO Interactive hat die Glacier-2-Engine für das aktuelle Hitman an vielen Stellen verbessert, um einige erfreuliche Neuerungen erweitert und setzt D3D12 zur Beschleunigung ein. Auf der anderen Seite gibt es typische Ärgernisse der APIs beim Umgang mit der vertikalen Synchronisation auf AMD-Grafikkarten, die sich aber mit einem Trick beheben lassen.

Technische Basis des neuen Hitman ist die Glacier-2-Engine, die IO Interactive wie bei heutiger Technik üblich um Physically Based Rendering erweitert hat, was für eine bessere Material- und Lichtdarstellung sorgt. Die Beschaffenheit von Stoffen erreicht zwar nicht die Qualität eines Rise of the Tomb Raider , sie wirkt aber realistischer als in früheren Hitman-Titeln ohne PBR-Ansatz. Bei den Schatten und der Umgebungslichtverdeckung setzt IO Interactive laut Grafikmenü auf althergebrachte Techniken wie SSAO (Screen Space Ambient Occlusion) statt auf modernere Implementierungen.

Hitman – integrierter Benchmark
Hitman – integrierter Benchmark (01:52)

Zu den weiteren Einstellungen gehören das obligatorische FXAA (Fast Approximate Anti Aliasing) und das ebenfalls populäre SMAA (Subpixel Morphological Anti Aliasing) mit einer temporalen Komponente. Die greift zur Kantenglättung auf zuvor berechnete Frames zurück, was das Bild inklusive Alpha-Test-Texturen und Shader-Flimmern beruhigt, jedoch weichzeichnet. Ab 1440p-Auflösung hält sich die Unschärfe allerdings in Grenzen. Wer möchte, schaltet Supersampling ein. Das hat den gleichen Effekt wie AMDs und Nvidias Treiber-Downsampling, sprich: Die Render-Auflösung wird erhöht.

Zur D3D12-Implementierung von Hitman zählen verbessertes Multithreading für CPUs durch die Command Buffer sowie Asynchronous Shading. Ein Blick auf die Benchmarks der PC Games Hardware(öffnet im neuen Fenster) zeigt: Verglichen mit D3D11 steigt die Geschwindigkeit in einem CPU-limitierten Szenario drastisch.

Wer also eine ältere CPU wie einen Core 2 Quad, einen der ersten Core i5/i7 oder einen Phenom II X4/X6 und eine moderne Grafikkarte verwendet, sollte die D3D12-Schnittstelle aktivieren, damit der Prozessor die GPU nicht auf eine niedrige Bildrate ausbremst. Was in der Theorie einfach klingt, bereitet in der Praxis diverse nervige Probleme – die sich nur teils beheben lassen.

Agent 47 benötigt schnelle Hardware

Mit Nvidia-Grafikkarten beispielsweise neigt Hitman unter D3D12 dazu, gelegentlich abzustürzen, auf AMD-Modellen nicht. Dafür ist bei Radeon-Pixelbeschleunigern unter D3D12 durchweg die vertikale Synchronisation an und begrenzt die Bildrate selbst bei einem 144-Hz-Display auf 60 fps. Eine von uns zufällig entdeckte Lösung ist die Nutzung eines On-Screen-Displays (OSD) wie das des MSI Afterburners. Das deaktiviert Vsync – stürzt aber oft schon beim Aufrufen des Launchers ab; das gilt jedoch nicht für das Spiel selbst.

Ist Hitman einmal erfolgreich gestartet, zeigt der Titel eine ähnliche D3D12-Implementierung wie Ashes of the Singularity : Einige Radeon-Karten legen durch Asynchronous Shading um knapp 10 Prozent an Leistung zu, genauer: Modelle mit Hawaii-Chip wie die 290(X) und die 390(X). Bei Fiji- (Fury X) und Tonga-basierten (R9 380X) Karten steigt durch D3D12 die Leistung nicht, Geforce-Pixelbeschleuniger büßen gar durchweg Geschwindigkeit ein.

Unabhängig davon gilt: Mit einer starken CPU sind AMD-Karten unter D3D11 wie D3D12 klar flotter als ihre üblichen Nvidia-Pendants. Für die 1080p-Auflösung und maximale Details raten wir für über 45 fps zu einer Geforce GTX 970 oder Radeon R9 380(X), mit 2.560 x 1.440 Pixeln sollte es für die gleiche Bildrate eine Geforce GTX 980 oder Radeon R9 290(X) sein. Wer in 4K-UHD, entsprechender Downsampling- oder SSAA-Stufe spielen möchte, benötigt eine Fury X und muss zudem Einstellungen wie die Schattenqualität reduzieren.

Prinzipiell sind das hohe Hardware-Anforderungen, welche die gezeigte Optik nur bedingt rechtfertigt. Allerdings sagte Entwickler IO Interactive, die D3D12-Implementierung sei noch nicht ganz ausgereift. Damit gesellt sich sich Hitman zu Ashes of the Singularity und Gears of War: Beide Titel profitieren zwar von der neuen Grafikschnittstelle, leiden oder litten zumindest ebenfalls unter Problemen – vor allem auf Radeons. Das wirkt obskur, da zumindest Ashes of the Singularity und Hitman zum Gaming-Evolved-Programm gehören.

Bei Ashes of the Singularity musste AMD erst Direct Flip nachschieben, damit Vsync korrekt deaktiviert ist. Im Falle von Gears of War mussten Spieler die Radeon Software 16.3 abwarten, welche die Leistung drastisch steigert und nervige Ruckler eindämmt. Ein früherer Patch entfernte zudem Grafikfehler auf Radeon-Karten, die bei aktivierter Umgebungslichtverdeckung auftraten. Pikantes Detail dabei ist, dass Nvidias HBAO+ verwendet wird.

Wir sind gespannt, ob weitere D3D12-Titel wie Forza Motorsport 6, Just Cause 3 (per Patch) und Quantum Break ebenfalls Probleme bereiten – bei Rise of the Tomb Raider ist das Fall. Vielleicht ist die API ein Grund, warum Deus Ex Mankind Divided vom Februar auf August 2016 verschoben wurde. Publisher Square Enix sagte, man wolle bei der "Qualität keine Kompromisse eingehen" – beim neuen Hitman hätten wir uns das auch gewünscht.


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