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Zwei Nationen entwickeln ein Weltraum-Abfangsystem

Die Entwicklung von Arrow 3 basiert auf einer israelisch-amerikanischen Kooperation, die bis ins Jahr 1986 zurückreicht. Am 6. Mai 1986 unterzeichneten beide Länder ein Memorandum of Understanding zur gemeinsamen Finanzierung des Arrow-Programms.

Israel Aerospace Industries (IAI) fungiert als Hauptauftragnehmer mit Gesamtverantwortung für Systemintegration und Endmontage. Die MLM-Division entwickelt und produziert den Abfangkörper, während die Tochtergesellschaft Elta Systems das Super Green Pine-Radar(öffnet im neuen Fenster) herstellt.

Boeing steuert als Co-Entwickler 40 bis 50 Prozent der Produktionsinhalte bei, darunter Raketenmotorgehäuse, Schutzverkleidungen, Trägheitsnavigationseinheiten und Avionik – koordiniert über mehr als 150 amerikanische Unternehmen in 25 Bundesstaaten.

Weitere israelische Schlüsselunternehmen sind Elbit Systems (Kommando- und Kontrollsystem Citron Tree)(öffnet im neuen Fenster) , Rafael Advanced Defense Systems (Entwicklung der Abfangrakete und Zielraketen für Tests) und Tomer (staatliches Unternehmen für Komponenten und Raketenmotoren).

Auf Regierungsseite leitet die Israel Missile Defense Organization (IMDO) auch Homa-Administration genannt, die israelischen Aktivitäten. Diese ist Teil des Directorate of Defense Research and Development im Verteidigungsministerium. Die U.S. Missile Defense Agency (MDA)(öffnet im neuen Fenster) finanziert das Programm mit, führt gemeinsame Flugtests durch und stellt Testinfrastruktur bereit. Lt. Gen. Patrick J. O'Reilly, seinerzeit MDA-Direktor, bezeichnete Arrow 3 im Jahr 2009 als fortschrittlicher als alle US-Programme(öffnet im neuen Fenster) .

Technische Spezifikationen des Systems

Das Hit-to-Kill-Prinzip unterscheidet Arrow 3 vom Vorgänger Arrow 2: Statt eines Splittergefechtskopfs mit Annäherungszünder nutzt Arrow 3 ausschließlich die kinetische Energie des direkten Aufpralls zur Zerstörung – vergleichbar mit einer Kugel, die eine Kugel trifft. Der Kill Vehicle hat einen elektro-optischen Sucher, der um 90 Grad schwenken kann und damit potenziell auch Anti-Satelliten-Fähigkeiten besitzt.

Das zugehörige Super Green Pine Radar (EL/M-2080S)(öffnet im neuen Fenster) von Elta erreicht eine Erfassungsreichweite von 800 bis 900 km, kann über 30 Ziele gleichzeitig verfolgenund liefert Zielführungsdaten mit einer Genauigkeit von vier Metern. Das System ist im L-Band aktiv und mit dem amerikanischen AN/TPY-2 Radar interoperabel.

Von der Konzeptstudie zum einsatzbereiten System

Die Entwicklungsgeschichte erstreckt sich über fast ein Jahrzehnt. Zwischen 2006 und 2007 wurde zunächst eine Studie zur Notwendigkeit einer exoatmosphärischen Komponente durchgeführt. Im August 2008 initiierten die USA und Israel formell die Arrow-3-Entwicklung. Israel entschied sich für diese Eigenentwicklung und nicht für einen THAAD-Kauf.

Im Februar 2013 absolvierte das System den ersten Fly-out-Test von Palmachim, bei dem Hyperschallgeschwindigkeit und eine Höhe von 100 km erreicht wurden. Ein zweiter erfolgreicher Flugtest mit komplexen Weltraummanövern folgte im Januar 2014.

Den entscheidenden Durchbruch markierte der Dezember 2015 mit dem ersten erfolgreichen Abfang eines ballistischen Ziels über dem Mittelmeer. Am 18. Januar 2017 erreichte Arrow 3 die offizielle Einsatzbereitschaft und wurde an die israelische Luftwaffe übergeben.

Im Juli 2019 folgten die erfolgreichen Alaska-Tests (FTA-01) mit drei Abfangversuchen und der Integration des AN/TPY-2-Radars. Im Januar 2022 wurden schließlich Tests gegen simulierte iranische MIRV-Bedrohungen (Multiple independently targetable reentry vehicle) durchgeführt, die zu technologischen Durchbrüchen führten.

Die Entwicklung erlebte auch Rückschläge: Im Dezember 2014 scheiterte ein Abfangversuch, weil das Radar das Ziel nicht verfolgen konnte. In den Jahren 2017 und 2018 wurden Tests wegen Zielraketen- und Kommunikationsproblemen abgebrochen.


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