Die rechte Szene geht Dark Social

Experten rechnen Plattformen wie Telegram oder Discord dem Dark-Social-Internet zu, in dem Kommunikation größtenteils nicht- oder teilöffentlich stattfindet. Die Amadeu-Antonio-Stiftung erklärt in einem in diesem Jahr erschienenen Bericht (PDF) zu alternativen Wirklichkeiten, dass solche Dienste "für die rechts-alternative Szene attraktiv" seien, "da hier Nachrichten und Inhalte sowohl relativ sicher als auch ungestört von jeglicher inhaltlichen Moderation geteilt werden können". Zwar würden ausgewählte Telegram-Kanäle etwa mit rechtsextremen Inhalten auf Apples iPhones gesperrt. Doch selbst dafür gebe es Umgehungslösungen, so dass solche Maßnahmen nur symbolisch wirkten.

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Die rechte Szene nutzt Dark Social laut der zivilgesellschaftlichen Organisation gezielt, um den Austausch mit Anhängern aufrechtzuerhalten und Interessenten zu gewinnen. Die US-amerikanische Neonazi-Website Daily Stormer etwa habe ihren Besuchern Mitte 2018 empfohlen, von nun an auf Telegram zu bauen. Als typisches Beispiel für die rechtsextreme Nutzung des Messengers nennen die Beobachter den Kanal von Martin Sellner. Da der Frontmann der Identitären Bewegung 2019 von großen Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram gesperrt wurde, sei er auf Telegram ausgewichen und dort nach kurzer Zeit auf 35.000 Abonnenten gekommen.

Über den Dienst habe sich zudem die nationalsozialistische Gruppierung Nordadler vernetzt, schreibt die Stiftung. Auch das rechtsextreme Prepper-Netzwerk mit Bundeswehr- und Polizeibeteiligung Nordkreuz und die terroristische Vereinigung Revolution Chemnitz "organisierten sich hier und planten Anschläge". Als "ideologische Klammer vieler extrem rechter Milieus" hat der Geschäftsführer der Stiftung, Timo Reinfrank, dabei "die wahnhafte Vorstellung" ausgemacht, "es gäbe eine große Verschwörung einer kleinen mächtigen Elite, durch die alle Geschehnisse der Welt gelenkt werden".

Gut für Mobilisierung

Als weiteren Vorteil von Telegram & Co. nennt Miro Dittrich, Leiter des Projekts De:hate, dass der Informationsfluss dort nicht abhängig von Algorithmen sei, sondern direkt erfolge. Keiner müsse hoffen, dass sein Beitrag irgendwann im News-Feed seiner Follower auftauche. Diese bekämen jede Nachricht direkt und quasi in Echtzeit auf ihr Handy. Deshalb sei Telegram "gerade für Mobilisierungen sehr beliebt".

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Dienste wie Telegram erhöhen laut Dittrich "die Wirkungsmacht rechter Falscherzählungen enorm". Abonnenten hätten "das Gefühl einer parasozialen Beziehung - sie glauben nach einiger Zeit, den Absender wirklich zu kennen". So entstehe eine Bindung, Widerspruch oder korrigierende Informationen fänden sich in der Gruppenkommunikation in der Regel nicht. Selbst offene Neonazi-Gruppen fühlten sich auf Telegram gänzlich unbeobachtet, posteten Hakenkreuze oder bereiteten sich auf den Tag X ihrer Machtübernahme vor.

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Der umstrittene Messenger punktet zudem bei Netzwerkern damit, dass Gruppen bis zu 2 Millionen und auf Push-Nachrichten ausgerichtete Channels unbegrenzt viele Mitglieder haben können. Bei Whatsapp ist dagegen bei 256 Teilnehmern Schluss, Nachrichten lassen sich zudem nur sehr begrenzt oder gar nicht an mehrere Nutzer gleichzeitig weiterleiten. Der Betreiber will damit verhindern, dass es zu einem weiteren Fiasko wie 2019 in Indien kommt, als ein wütender Mob Menschen aufgrund großflächig verbreiteter Falschmeldungen angriff und tötete.

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 Hildmann, Naidoo, Identitäre: Warum Telegram bei Rechten so beliebt istBlinder Fleck im NetzDG 
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Gerd_Taddicken 21. Aug 2020

Moin (@Protrap) - und andere! Schließe mich Ihnen an! Bin nur einfacher Nutzer, 7o Jahre...

Lanski 20. Aug 2020

Spaß daran Zeit anderer zu verschwenden? Irgendwie ist es typisch, alles zu...

Lanski 20. Aug 2020

Naja, IT Themen sind nun mal mittlerweile überall, da bleiben Politische und...

quineloe 18. Aug 2020

Die Gleiche type erwartet aber, dass jeder Moslem sich ständig und in Dauerschleife von...

Martin W 16. Aug 2020

@smonkey: du, ich hab da wirklich was Passendes zum Thema Glashaus (oder nennen wir es...



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