Highlights des Fantasy Filmfests: Der beste Freund des Hundes ist ein Roboter
Beim diesjährigen Fantasy Filmfest(öffnet im neuen Fenster) laufen zwar weniger Filme als zuvor, dafür ist der Anteil an fantastischen Stoffen hoch. 34 Filme werden gezeigt. Wir sagen, welche sich besonders lohnen.
Das Fantasy Filmfest startet in München und Frankfurt am 6. September und läuft bis zum 13. September. Danach folgt Berlin vom 13. bis zum 20. September. Vom 20. bis 27. September läuft das Festival in Hamburg, Köln, Nürnberg und Stuttgart.
Nachdem in den vergangenen Jahren häufig kritisiert wurde, dass es zu viele Dramen und Actionfilme gebe, was dem Namen des Festivals nicht gerecht werde, ändert sich das in diesem Jahr. Ganz frei ist das Programm dennoch nicht davon – sogar der Eröffnungsfilm hat mit Fantastik nichts am Hut: Luc Bessons gelungenes Drama Dogman. Allerdings gibt es dieses Mal gleich sieben Science-Fiction-Filme, die wir genauer vorstellen wollen.
Wenn Menschen Tiere werden
The Animal Kingdom ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) ist ein französischer Film mit Romain Duris. Dieser spielt den Vater von Émile, dessen Mutter im Krankenhaus liegt. Als Émile und sein Vater die Mutter im Krankenhaus besuchen, werden sie Zeugen eines schrecklichen Schauspiels. Sanitäter zerren einen Mann ins Krankenhaus, der anstelle eines Arms einen Flügel hat und vogelartige Geräusche ausstößt.
Es ist eine neue Krankheit, die um sich greift und Menschen langsam in Tiere verwandelt – auch Émiles Mutter ist betroffen. Wie es dazu kam, ist unklar – und was man dagegen machen kann, auch. Dann fliehen einige Kranke in den Wald. Während der Vater nach seiner Frau sucht, zieht es Émile immer tiefer in das Königreich der Tiere.
Der Film wurde auch in Cannes gezeigt, hierzulande sicherte sich Studio Canal die Rechte. Angesichts der Qualität ist es möglich, dass der Verleih einen regulären Kinostart plant. Auf jeden Fall wird der Film bald das Heimkino erreichen – ein kleiner Trost, sollte man ihn beim Fantasy Filmfest verpassen. Sehenswert ist der Coming-of-Age-Body-Horror mit poetischem Unterbau auf jeden Fall. Es ist Science-Fiction, die zum Nachdenken anregt.
Die Reanimation der Toten
Wenn mit Toten experimentiert wird, denkt man meist an Zombies. Bei Birth/Rebirth ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) ist das anders. Denn als in einem Krankenhaus ein kleines Mädchen namens Rose stirbt, wird die Leiche obduziert, verschwindet aber. Die Mutter findet heraus, dass eine Ärztin damit experimentiert, Tote wieder ins Leben zurückzubringen und bei einem Schwein bereits Erfolg hatte. Darum stimmt sie zu, dass das auch bei Rose probiert wird.
Im Grunde ist dies eine fast schon typische Mad-Scientist-Geschichte, aber die bekannten Genre-Elemente werden hier neu zusammengesetzt und zu einem Sci-Fi-Thriller, der nicht nur gut gespielt ist, sondern dessen Prämisse auch Stoff zur Diskussion bietet. In Deutschland hat der Film noch keinen Verleih gefunden, so dass Stand jetzt das Fantasy Filmfest die einzige Möglichkeit ist, ihn zu sehen.
Lockdown
In The Harbinger ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) befindet sich die Welt im Lockdown. Aber Hauptfigur Mavis braucht ihre Freundin Monique und verlässt darum die Sicherheit der eigenen vier Wände. In dem Wohnhaus, in dem sie sich befinden, scheint jedoch eine unheimliche Präsenz zu lauern. Schnell kommt die Frage auf: Was ist real und was nur eingebildet?
Der Paranoia-Thriller ist extrem aktuell, einen Verleih hat er aber noch nicht gefunden – vielleicht, weil man glaubt, dass nach selbst erlebtem Lockdown viele Menschen so einen Film nicht sehen möchten. Schließlich ist es ein Covid-Film, der im Extremen zeigt, wie die Isolation auf Menschen wirken kann.
Das Leben mal eben zwischenspeichern
Auf dem Mars
Der Animationsfilm Mars Express ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) wurde von Capelight gekauft. Die bringen zwar manche Filme ins Kino, die meisten werden jedoch für das Heimkino ausgewertet – das steht auch bei diesem Sci-Fi-Film zu vermuten.
Es geht um zwei Privatdetektive, die in der Mars-Stadt Noctis nach einer verschwundenen Robotik-Studentin suchen. Aber das ist nur der Anfang, denn im Laufe der Ermittlungen kommt die Frage auf, warum immer mehr Androiden das erste Gesetz der Robotik missachten und sich gegen ihre Besitzer wenden.
Der Film nutzt bekannte Detektiv-Klischees, konterkariert sie aber mit Wendungen in der Geschichte, die man nicht unbedingt kommen sieht. Die Zeichnungen sind aufregend und mitreißend, die Geschichte, die im Jahr 2200 spielt, ist insofern aktuell, als dass die Frage gestellt wird, wie viel Seele in einer künstlichen Intelligenz steckt.
Auf dem Weg zum Mond
Ebenfalls von Capelight kommt The Moon ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ), ein südkoreanischer Film, in dem ein Sonnenwind ein Raumschiff teilweise zerstört, so dass ein Großteil der Besatzung ums Leben kommt und ein junger Astronaut auf sich allein gestellt ist.
Eigentlich sollten alle zum Mond, da Südkorea als zweite Nation den Erdtrabanten mit einer Kolonie versehen wollte. Aber nun kämpft der Astronaut mit immer knapper werdendem Sauerstoff ums Überleben. Derweil versucht ein Flugleiter der Bodenstation, den Mann zu retten. Hilfe braucht er von der Nasa, die aber nicht gewillt ist, auch nur einen Finger zu rühren.
The Moon ist an sich eine interessante Geschichte mit wirklich tollen Effekten, die allerdings nach und nach in purem Melodrama versinkt und damit auf die Nerven geht. Logische Schwächen und eine Aneinanderreihung von Klischees geben dem Ganzen den Rest.
Ein Leben ohne den Tod
Im Verleih von Plaion Pictures ist Restore Point ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) ein Film über die nahe Zukunft, in der der Tod seinen Schrecken verloren hat. Denn man muss nur alle zwei Tage zwischenspeichern, wer man ist, und dann kann man nach einem tödlichen Unfall oder Gewaltakt wieder ins Leben zurückkehren.
Allerdings gibt es eine Rebellengruppe, die diese neue Technologie als unethisch ansieht und gegen das Restoration Institute vorgeht. Als dessen Leiter getötet wird und kein Back-up existiert, liegt es an einer Polizistin, zu ermitteln, wieso. Dabei kommt sie einer Verschwörung auf die Schliche.
Der Film ist eine Ko-Produktion aus Polen, Serbien, der Slowakei und der Tschechischen Republik. Restore Point erfindet das Rad nicht neu, wandert aber im Zwischenreich von Minority Report und Blade Runner und bietet nicht nur eine starke Optik, sondern auch Diskussionsstoff. Dazu gibt es ein actionreiches Finale.
Der beste Freund des Hundes ist ein Roboter
Auch Robot Dreams ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) liegt hierzulande bei Plaion Pictures. Ein Hund ist es leid, die Abende allein vor dem Fernseher zu verbringen. Also bestellt er sich einen Roboter, mit dem er fortan seine Zeit verbringt und den besten Sommer seines Lebens verbringt – bis das Schicksal zuschlägt.
Die spanisch-französische Ko-Produktion von Regisseur Pablo Berger, der den wunderbaren Stummfilm Blancanieves inszeniert hat, ist eine liebevolle Geschichte über die Freundschaft und wie sie das Leben überhaupt erst lebenswert macht – aber mit der schrägen Prämisse, dass der beste Freund des Menschen einen künstlichen besten Freund erhält.
Generell ist das Sci-Fi-Programm auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest ziemlich gut und ausgewogen. Wem Science Fiction nicht genug ist, der kann sich noch mit reichlich Horror vergnügen – schließlich feiert Slotherhouse sein Deutschlanddebüt auf dem Festival (und wird hierzulande von Plaion Pictures präsentiert).
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