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High on Life im Test: Feuer frei mit den Waffen des Wahnsinns

Mordlustiges Messer trifft Erdling: Im Humor-Shooter High on Life jagen wir auf Windows-PC und Xbox ein galaktisches Verbrechersyndikat.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von High on Life (Bild: Squanch Games)
Artwork von High on Life Bild: Squanch Games

Wenn wir abends unsere vegane Salamipizza kleinschneiden: Was mag da wohl unser Messer denken? "Stich endlich zu, reiß die Pizza in Stücke, bis die Fetzen fliegen und das verdammte Glas mit deinem alkoholfreien Rotwein umwerfen, so dass die Plörre mit dem Fett aus dem Fladen dem Ofen zum Arsch reinläuft!" Irgendwie so, vermutlich.

Den Verdacht haben wir jedenfalls, seit wir Knifey kennen. Unser Kampfmesser in High Life spricht mit uns – und entpuppt sich leider als sadistischer Killer, der die Körperöffnungen selbst von braven außerirdischen Passanten auf möglichst schmerzhafte Art vergrößern möchte. Allerdings sind die anderen Waffen in unserem Arsenal auch nicht viel harmloser ...

High on Life ist ein Ego-Shooter und -Stecher, in dem wir als junger Mensch aus einer amerikanischen Kleinstadt notgedrungen ein galaktisches Kartell jagen. Allzu viel erfahren wir nicht über uns. Zwar können wir unser Aussehen festlegen, in dem wir eines von mehreren Gesichtern im Spiegel eines Kokaindöschens wählen (das hält uns unsere Schwester im Intro unter die Nase).

Allerdings sehen wir das Gesicht dann nie wieder im gesamten Spiel – wohl auch ein Scherz. Hinter High on Life steckt ein Entwicklerstudio namens Squanch Games(öffnet im neuen Fenster) , Chefdesigner war ein gewisser Justin Roiland.

Der hat schon ein paar betont derbe Actionspiele entworfen, das bekannteste dürfte Rick and Morty sein. Eigentlich sollte High on Life exklusiv für den Spielestreamingdienst Google Stadia erscheinen; nach dessen Aus gibt es nun einen Publishingdeal mit Microsoft.

Im Spiel ist das allerdings Nebensache, denn da kämpfen wir für das Überleben der Erde. Das schon angesprochene galaktische Kartell hat nämlich festgestellt, dass Menschen ganz gut als Droge taugen – das ist genau so gemeint.

Wir treten in der Ich-Perspektive an. Anfangs halten wir nur die Pistole Kenny in der Hand, die sich ebenfalls als Plaudertasche erweist (und von Designer Justin Roiland synchronisiert wird). Kenny leitet uns in die erste Mission, in der wir als Auftragskiller unterwegs sind – in einer außerplanetaren Stadt, die dezent an Night City aus Cyberpunk 2077 erinnert.

Die nächste Waffe ist dann schon das mordlustige Messerchen, das zugleich als Enterhaken dient. Später in der 10 bis 15 Stunden lange Kampagne kommen dann noch ein paar weitere sprechende Ausrüstungsgegenstände dazu. Aber Achtung: Wer nicht richtig gut Englisch versteht, hat hier ein Problem!

High on Life – Trailer
High on Life – Trailer (01:52)

Im Spiel gibt es sehr viel und sehr schrägen Humor. Der pendelt wild zwischen anarchistisch und geschmacklos, enthält mehr als nur ein paar fäkale Spuren sowie außerirdisches Sperma und kann dazu noch echt gemein sein. Selbst wer das alles total daneben findet, dürfte zugeben müssen, dass es zumindest handwerklich gut gemacht ist.

Vom Gag-Feuerwerk abgesehen, bietet High on Life vor allem knallige Feuergefechte mit Außerirdischen. Die meisten Kämpfe liefern wir uns mit strunzdoofen Standardfeinden. Ab und zu gibt es originelle Auseinandersetzungen mit Oberbossen, die auch im einfachsten der drei Schwierigkeitsgrade herausfordernd sind.

High on Life: Verfügbarkeit und Fazit

Besonders viel Wumms haben Waffen und die meisten Kämpfe leider nicht, außerdem wirken Bewegung und Steuerung etwas hüftsteif und ungenau. Wir haben uns vor allem in die Schlachten gestürzt, weil Knifey es uns befohlen hat – nein, das stimmt nicht, sondern um die Ballereien hinter uns zu bringen und mit Story und Scherzen fortzufahren.

Die Grafik auf Basis der Unreal Engine macht einen schicken Eindruck, viele Umgebungen sehen aufwendig aus und bieten viel Liebe zum Detail. High on Life ist ein relativ lineares Spiel, ein bisschen was an Umgebung können wir aber immer wieder jenseits vom Hauptweg erkunden.

High on Life gibt es für Windows-PC (Steam, Epic Games Store – rund 50 Euro) sowie für Xbox One und Series X/S (rund 60 Euro). Außerdem ist der Shooter im Spieleabo Xbox/PC Game Pass verfügbar (ab 10 Euro/Monat). Er enthält weder Mikrotransaktionen noch Multiplayer.

Die enorm wichtige Sprachausgabe liegt nur auf Englisch vor und ist relativ schwer verständlich. Wer nicht mitkommt, kann das Spiel eigentlich auslassen. Zwar gibt es deutschsprachige Artworks und ordentlich übersetzte Untertitel, Letztere kann man im Eifer der Gefechte aber nicht sinnvoll mitlesen. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 18 Jahre erteilt.

Fazit

Das Spielejahr 2022 war bekanntlich nicht das beste. Schön, dass es mit High on Life so einen unerwarteten und spaßigen Abschluss gibt! Natürlich sind die Abenteuer von Messer Knifey, Pistole Kenny und den anderen Waffen weder weihnachtskompatibel noch irgendwie geschmackvoll. Aber unterhaltsam und lustig!

Wir mussten bei den völlig überzogenen Hasstiraden der psychopathischen Kampfgeräte immer wieder lachen. Es gibt wenig Holzhammerhumor, stattdessen sind die meisten Monologe ebenso wie viele andere Spielelemente wunderbar anarchistisch und originell geworden – klasse.

Auch sonst ist High of Life gar nicht übel. Die Grafik sieht okay bis richtig gut aus, die Umgebungen sind abwechslungsreich. Wir finden sogar die Story trotz all der bekloppten Elemente ganz interessant.

Schwächen gibt's beim Gunplay und Steuerung. Insbesondere die Kämpfe fühlen sich so offensichtlich unrund an, dass wir uns nur wundern können. Schade! Hoffentlich bessern die Entwickler per Update zumindest etwas nach.

Wichtigste Hürde ist dennoch die Sprachausgabe. Wer nicht gut Englisch spricht und die Tiraden von Knifey und Co deshalb nicht versteht, hat relativ wenig von diesem abgedrehten Shooter.


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