Heroes of the Storm im Test: Einfach pushen

Für einen erfahrenen Dota-2- oder League-of-Legends-Spieler wirkt Heroes of the Storm auf den ersten Blick enttäuschend: Keine Hochgeschwindigkeitsstiefel, kein Verteidigungsring und auch kein Heilungstrank - die Taschen der Helden in Blizzards Moba sind leer. Sofern der Spieler sie dazu kommandiert, Mobs zu töten, gibt es auch kein Gold als Belohnung, nur Erfahrung.

Wer beim Erledigen von Gegnern besonders tüchtig oder talentiert ist, kann sich noch nicht einmal einen spielerischen Vorteil gegenüber den Mitspielern erarbeiten. In Heroes of the Storm levelt das Team nämlich gemeinsam. Was haben sich die Macher von Warcraft, Diablo, Hearthstone und Co denn dabei gedacht?
Das Prinzip heißt: Zugänglichkeit erhöhen. Blizzard möchte mit Heroes of the Storm das Moba bieten, das sowohl dem Diablo-Fan als auch dem Starcraft-Kampagnen-Spieler gefällt. Daher beginnt das Strategiespiel auch äußerst untypisch mit einer rund einstündigen linearen Einführung mit etwas Story und einigen Dialogen.



















So wird den Spielern gleichzeitig näher gebracht, wieso in Heroes of the Storm überhaupt Diablo, Malfurion oder auch der Panzer aus Starcraft gegeneinander antreten. Am Ziel für jede Partie hat aber auch Blizzard nichts verändert: Das Spiel gewinnt die Mannschaft, die als Erstes das Hauptgebäude zerstört, die Zitadelle des gegnerischen Teams.
Wir machen das mal anders
Blizzard hat das Moba-Genre - das ursprünglich einmal als Modifikation für Warcraft 3 entwickelt wurde - genau untersucht und die Spielelemente neu gewichtet. Herausgekommen ist ein sehr offensives Strategiespiel. Mit der Maus steuern Spieler ihre Figur über das Schlachtfeld. Die Tasten Q, W, E, R und D aktivieren die individuellen Talente.
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Die Talente funktionieren so ähnlich wie in World of Warcraft, und auf diese Weise bauen Spieler ihre Helden auf. Jede Partie beginnt mit Level eins; alle drei Level dürfen Spieler zwischen verschiedenen Talenten wählen, um ihren Helden zu spezialisieren oder stur stärker zu machen. Mit Level zehn wird die besonders mächtige heroische Eigenschaft freigeschaltet.
Blizzard teilt die Helden selbst in die Kategorien Krieger, Assassine, Spezialist oder Unterstützung ein. Daneben gibt es noch einen Hinweis darüber, ob sich der Held eher einfach oder komplex spielt.



















Besonders wichtig ist es, als erstes Team Level 10 zu erreichen und dem Gegner so mit den teilweise äußerst effizienten heroischen Fähigkeiten anzugreifen, wenn diese selbst noch nicht mit ihren eigenen mächtigsten Zaubern kontern können.
Sieben Schlachtfelder statt einem
Während es in Dota nur ein klassisches Schlachtfeld mit drei Lanes gibt, liefert Heroes of the Storm sieben unterschiedliche Karten. Sie alle funktionieren zwar nach einem sehr ähnlichen Schema, unterscheiden sich beim Layout und dem Look aber teils drastisch.
So müssen wir auf einer Karte zum Beispiel alle paar Minuten eine Mine betreten und dort kleinere Gegnerhorden aufsuchen und besiegen. Sie lassen daraufhin Schädel fallen, von denen wir so viele wie möglich aufsammeln. Nach der Sammelphase kämpft fortan ein Golem für jedes Team, der - je nachdem wie viele Schädel das Team gesammelt hat - stärker oder schwächer ist.



















Auf unserer Lieblingskarte geht es darum, von Zeit zu Zeit Schatzkisten zu suchen und Dublonen zu sammeln. Diese werden bei einem Piratenkapitän abgeliefert, der ab einem gewissen Wert nach bester Piratenmanier anheuert und mit seinem Schiff einen Kanonenhagel auf die gegnerischen Abwehrtürme abfeuert.
Miteinander sprechen
Über die Taste G können strategische Anweisungen auf die Karte gepingt werden - besser eignet sich aber die Absprache über Skype oder Teamspeak. Anders als in Dota 2 können individuell starke Spieler alleine weniger bewirken. Spielt das Team nicht als Team, wird es erst in den Levels zurückfallen und früher oder später verlieren.
Hohe Fähigkeiten mit der Maus oder der Tastatur helfen einem Spieler, der vier Level zurückliegt, schließlich auch nicht mehr weiter. Uns ist zudem aufgefallen, dass in Heroes of the Storm deutlich häufiger Teams zu viert oder fünft spielen und alle gemeinsam ihre Lane wechseln. Die am häufigsten praktizierte Devise lautet: Push, push, push - und ab und an die Missionsziele nicht vergessen. Das sogenannte Jungling - einen Helden abseits der Hauptwege hochzuleveln - gibt es in Heroes of the Storm nicht. Wer auf den Abwegen Gegner besiegt, heuert lediglich weitere Verbündete an oder erschließt einen strategisch nützlichen Aussichtspunkt.
Technik, Verfügbarkeit und Fazit
Uns hat im Test gefallen, auf wie vielen verschiedenen Geräten wir Heroes of the Storm problemlos spielen konnten. Der Titel nutzt die gleiche Grafik-Engine wie Starcraft 2. Mit der Einstellung "minimale Details" reicht ein aktuelles Macbook Air zum flüssigen Spielen. Heroes of the Storm sieht dann allerdings auch ziemlich matschig und simpel aus.
Auf unserem Windows-Spiele-PC macht das Strategiespiel optisch auf der Detailstufe "extrem" deutlich mehr her. Bereits im Menü wirken die Charaktermodelle Jahrzehnte moderner und detaillierter. Auf den Schlachtfeldern wabert zudem atmosphärischer Nebel, und dynamische Lichteffekte setzen die Helden in ein spektakuläres Licht.

Verfügbarkeit
Heroes of the Storm ist ab sofort für Windows und Mac OS über das Battle.net spielbar. Vorausgesetzt wird ein Spielerkonto bei Blizzard und der Client. Das Spiel nimmt knapp 6 Gigabyte Festplattenspeicher in Anspruch und ist komplett und gelungen lokalisiert. 36 Charaktere stehen zur Verfügung, sie kosten zwischen 3 und 10 Euro, wenn man sie jederzeit spielen möchte.
Alle Charaktere können auch mit der spielinternen Währung Gold erworben werden. Gold bekommen Spieler für gewonnene Partien und erfüllte Missionen a la "Trete zwei Mal mit einem Starcraft-Charakter an". Blizzard trifft wöchentlich eine Auswahl an fünf Helden, die ebenfalls kostenlos ausprobiert werden dürfen. Zusätzlich gibt es Reittiere und Kostüme für die Helden, die erneut Geld/Gold kosten.
Fazit
Heroes of the Storm löst bei uns keine Begeisterungsstürme aus: Das Moba-Spielprinzip ist altbekannt - und fühlt sich auch in Blizzards Variante nicht grundlegend neu an.
An einigen Stellen haben die Entwickler aber entscheidende Veränderungen vorgenommen: Die Länge der Matches bewegt sich angenehm zwischen 15 und 25 Minuten, das Leveln als Gruppe gleicht das Niveau der Mitspieler an, und wer besser werden möchte, muss nicht endlose Kombinationen von Gegenständen auswendig lernen. Die sieben Schlachtfelder sorgen zudem für deutlich mehr Abwechslung in den Online-Partien - jedenfalls optisch.
Spieler, die bereits viel Zeit in Dota 2 und League of Legends investiert haben, bemerken allerdings nach einigen Stunden, dass Heroes of the Storm nicht vergleichbar komplex ist. Während die Konkurrenz Wert auf erlerntes Timing und Spielphasen des strategischen Rückzugs und Planens legt, gibt es bei Heroes of the Storm 20 Minuten lang Attacke nach Attacke.
Diese beständige Action macht ohne Frage ebenfalls viel Freude und bietet gepaart mit den bekannten Charakteren aus Diablo, Warcraft und Starcraft einen überaus motivierenden und modernen Moba-Cocktail.



