Hellblade 2 im Test: Senua's Saga ist mehr als ein kurzer dunkler Spaziergang

Eine warme Hütte irgendwo in einem ruhigen Tal, genug zu Essen und keine Begegnungen mit unfreundlichen Menschen oder Monstern: Das hätten wir Senua, der Hauptfigur des 2017 veröffentlichen Action-Adventures Hellblade Senua's Sacrifice, nach all den furchtbaren Ereignissen gewünscht.
Natürlich kommt es anders: Gleich zu Beginn von Senua's Saga Hellblade 2 sehen wir die keltische Kriegerin an Bord eines Sklavenschiffs - als Sklavin. Das Boot zerschellt im Sturm an der Küste von Island. Wir kommen frei und müssen um unser Überleben kämpfen, außerdem wollen wir andere Sklaven retten. Wir befinden uns im 10. Jahrhundert.
Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, kann sich vor dem Start der Kampagne eine leider schlecht gemachte Rückschau ansehen, die zum langen Sprechtext nur abstrakte Grafiken zeigt. Die wichtigste Info, stark vereinfacht: Senua ist wieder allein und die Stimmen in ihrem Kopf (die Furien) sind Teil einer Psychose, mit der sie einigermaßen klarkommt - mal mehr, mal weniger.
In der rund sieben- bis achtstündigen und sehr linearen Kampagne sind die flüsternden und schreienden Stimmen sogar oft genug eine Hilfe. Sie sagen uns, was als nächstes zu tun ist, welcher Trick im Kampf funktionieren könnte oder wie wir ein Rätsel lösen.
Wie im Vorgänger läuft Senua auch in Hellblade 2 die meiste Zeit durch eine sehr düstere Welt. Auf dem Weg löst sie Denksportaufgaben und absolviert Kämpfe. Letztere sind von Grund auf neu gemacht: Statt mit mehreren Feinden gleichzeitig haben wir es so gut wie immer nur mit einem einzelnen Sklavenhändler oder Monster zu tun, die wir mit dem Schwert angreifen.
Erst wenn der eine Feind getötet ist, wenden wir uns dem nächsten zu. Um Extras wie Lebenspunkte oder Medizin müssen wir uns nicht kümmern, auch sonstige Ausrüstung oder ein Inventar sowie Charakterwerte gibt es in Hellblade 2 nicht.
In den Kämpfen haben wir leichte und schwere Schläge, können parieren und ausweichen. Vor allem aber können wir nach kurzem Aufladen eine Art Talisman aktiveren, der uns Superkräfte verleiht und Gegner mit wenigen Hieben erledigen lässt.
Wem das noch zu anstrengend ist: Es gibt vier Schwierigkeitsgrade sowie die Option, alle Kämpfe vollautomatisch absolvieren zu lassen. Dann übernimmt der Computer die Kontrolle und wir können ganz ohne eigene Zutun beobachten, wie Senua die Opponenten schnetzelt oder ersticht.
Neben den Kämpfen gibt es als zweite Herausforderung noch Denksportaufgaben, die etwas abwechslungsreicher als im ersten Teil sind. Beispielsweise müssen wir Schlüsselsymbole in der Landschaft finden und aktivieren, durch Auslösen von Schaltern den Weg für Senua begehbar machen und ähnliches.







Die meisten Aufgaben sind mit etwas Logik und Herumexperimentieren schnell erledigt. Eine dritte Herausforderung ist die Orientierung: Die Umgebungen sehen teils sehr gleich aus, so dass wir wie in einem Labyrinth die Orientierung verlieren und den richtigen Weg suchen müssen.
Schon das erste Hellblade wurde von einigen Spielern als "Walking Simulator" verspottet. Wir finden das etwas sehr zugespitzt, aber ein Körnchen Wahrheit ist in der Bezeichnung durchaus zu finden - auch im zweiten Teil. Einige der Laufwege machen zudem den Eindruck, dass der Umfang künstlich verlängert werden soll, und das in einem sehr kurzen Spiel.
Ein weiteres, ganz praktisches Problem: Hellblade 2 ist stellenweise sehr dunkel. Es ist sogar das erste Spiel seit Jahren, in dem wir an mehreren Stellen alle Rollläden heruntergelassen und den Gammawert (Helligkeit) im Optionsmenü auf Maximum gestellt haben, um überhaupt etwas zu erkennen.
Senua's Saga Hellblade 2: Verfügbarkeit und Fazit
Immerhin, es gibt auch einige wunderschöne Außenabschnitte auf Island, meist mit untergehender Sonne und entsprechend sehenswerter Beleuchtung. Hier macht die Grafik dann auch einen wirklich guten Eindruck - sonst sieht man davon ja nicht so schrecklich viel. Neben Kämpfen und Rätseln gibt es ein paar Extra-Aufgaben, die wir hier aber nicht verraten.
Hellblade 2 basiert auf der Unreal Engine 5. Die Konsolenversion bietet auf Xbox Series X und S eine Bildrate von 30 fps. Es gibt keinen Leistungsmodus mit einer höheren Bildrate, was uns beim Spielen allerdings nicht gestört hat.
Uns sind keine Einbrüche oder Ruckler aufgefallen, überhaupt macht der von Ninja Theory(öffnet im neuen Fenster) (gehört vollständig zu Microsoft) produzierte Titel einen sehr ausgereiften Eindruck.
Senua's Saga Hellblade 2 ist für Windows-PC und Xbox Series X/S zum Preis von rund 50 Euro erhältlich, sowie als Teil der Spieleabos PC und Xbox Game Pass. Das Spiel enthält weder Multiplayer noch Mikrotransaktionen.
Es gibt nur englische Sprachausgabe, die oft geflüstert und genuschelt ist sowie von mehreren Stimmen gleichzeitig stammt - das dürfte selbst für Muttersprachler schwierig zu verstehen sein. Die zuschaltbaren deutschen Untertitel finden wir gelungen. Von der USK hat der Titel eine Altersfreigabe ab 18 Jahre erhalten.
Fazit
Der erste Teil der Saga hat uns mit seinem Fokus auf Persönlichkeit und Psyche von Senua in seinen Bann gezogen. Dieser Aspekt ist weitgehend auserzählt - und Hellblade 2 hat wenig Gleichwertiges im Angebot.
Die neue Handlung rund um Sklaven und Wikinger ist zwar ordentlich erzählt und bietet ein paar starke Momente. Insgesamt wirkt die Story dennoch erstaunlich belanglos.
Dazu kommt viel Leerlauf - im wahrsten Sinne des Wortes: Einen großen Teil der achtstündigen Kampagne schleichen und stolpern wir durch düstere Landschaften und Höhlen, ohne dass Berichtenswertes passiert.
Besonders schön oder interessant wirkt die dunkle Welt in den ersten Stunden nicht, teils können wir selbst mit hochgedrehtem Gammawert kaum etwas erkennen. Erst einige der späteren Abschnitte sehen richtig gut aus.
In Sachen Gameplay ist das Kampfsystem die mit Abstand wichtigste Neuerung in Hellblade 2. Die Gefechte fühlen sich schön wuchtig an und die Steuerung ist gelungen. Außerdem macht es uns schlicht Spaß, uns mit Senua austoben zu können.
Wir hätten nichts gegen ein paar mehr Auseinandersetzungen gehabt - und dafür etwas weniger von den teils ärgerlich künstlichen, immerhin meist rasch lösbaren Denksportaufgaben. Unterm Strich ist Hellblade 2 dennoch ein gelungenes Spiel, das aber erst recht spät richtig in Fahrt kommt.



