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Heizen: Was Öl- und Gaskunden jetzt wissen müssen

Haushalte zahlen für 100 Liter Heizöl bis zu 162 Euro – vor zwei Wochen waren es noch 90. Und auch eine Gaspreisbremse lehnt die Bundesregierung bislang ab.
/ Michael Linden
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Heizöl hat sich binnen zehn Tagen um rund 65 Prozent verteuert. (Bild: Weishaupt)
Heizöl hat sich binnen zehn Tagen um rund 65 Prozent verteuert. Bild: Weishaupt
Inhalt
  1. Heizen: Was Öl- und Gaskunden jetzt wissen müssen
  2. Was Heizölkunden jetzt tun können

Seit Beginn des Irankriegs am 28. Februar 2026 und der anschließenden Sperrung der Straße von Hormus erleben deutsche Haushalte den schwersten Energiepreisschock seit 2022. Heizöl hat sich binnen zehn Tagen um rund 65 Prozent verteuert, die Preise an der Gasbörse TTF verdoppelten sich zwischenzeitlich – und die Bundesregierung lehnt eine neue Preisbremse bislang ab. Für die rund 20 Millionen Haushalte, die mit Gas oder Öl heizen, bedeutet das: handeln, vergleichen, umdenken.

155 bis 162 Euro pro 100 Liter – Heizölpreise auf Zweijahreshoch

Vor Kriegsbeginn kosteten 100 Liter Heizöl bei einer 3.000-Liter-Abnahme zwischen 85 und 96 Euro ( Tecson(öffnet im neuen Fenster) , Esyoil(öffnet im neuen Fenster) ). Am 9. März 2026 notierte der Durchschnittspreis laut tanke-guenstig.de(öffnet im neuen Fenster) bei rund 155 bis 162 Euro pro 100 Liter – das höchste Niveau seit Sommer 2022. Eine 3.000-Liter-Bestellung kostet damit rund 4.650 Euro statt zuvor 2.700 Euro.

Die Ursachen sind klar: Die Blockade der Straße von Hormus unterbricht etwa 20 Prozent des globalen Öl- und LNG-Transits, katarische LNG-Anlagen wurden durch Drohnen beschädigt und Händler kalkulieren hohe Risikoaufschläge ein. Lieferzeiten liegen bei bis zu acht Wochen.

Gaskunden sind kurzfristig weniger betroffen, weil bestehende Lieferverträge puffern. Derzeit zahlen Neukunden laut 1-gasvergleich.com(öffnet im neuen Fenster) 8 bis 8,3 Cent pro Kilowattstunde, Bestandskunden im Schnitt 9,94 Cent. Die Grundversorgung liegt bei 13,6 Cent (Stand 8. März 2026).

Doch der Großhandel signalisiert Alarm: Der TTF-Gaspreis sprang von rund 32 Euro/MWh vor dem Krieg auf zeitweise über 65 Euro/MWh – ein Plus von über 100 Prozent. Goldman Sachs hob die April-Prognose auf 55 Euro/MWh an; bei einer dreimonatigen Hormus-Blockade rechnet der Analysedienst Icis laut Finanzmarktwelt(öffnet im neuen Fenster) mit bis zu 85 Euro/MWh. Der Durchschlag auf Endkundenpreise dürfte in den kommenden Wochen folgen.

Gasspeicher nur zu 21 Prozent gefüllt – ein riskanter Ausgangspunkt

Die deutschen Gasspeicher standen am 8. März 2026 bei rund 21 Prozent Füllstand ( Bundesnetzagentur/AGSI via gasspeicher.app(öffnet im neuen Fenster) ) – 13 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und 23 Punkte unter dem historischen März-Durchschnitt. Euronews(öffnet im neuen Fenster) titelte bereits Mitte Februar: "So leer waren Deutschlands Gasspeicher wohl noch nie."

Ursachen hierfür sind der kalte Winter 2025/26, ein nur 75-prozentiger Füllstand zu Heizsaisonbeginn und fehlende Einspeicheranreize. Das gesetzliche Ziel von 80 Prozent bis zum 1. November 2026 wird durch den Irankrieg zur teuren Herausforderung, weil genau jene LNG-Lieferungen verteuert werden, die für die Sommerbefüllung nötig wären.

Berlin setzt auf Beobachtung – Opposition fordert Sofortmaßnahmen

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die Energie-Taskforce reaktiviert und das Bundeskartellamt eingeschaltet, betonte aber laut T-Online(öffnet im neuen Fenster) : "Eingriffe in den Markt macht man erst dann, wenn sie absolut unvermeidbar sind."

Kanzler Friedrich Merz verweist auf das Energieentlastungspaket vom Januar 2026 – darunter der Wegfall der Gasspeicherumlage und ein 6,5-Milliarden-Zuschuss zu Netzentgelten. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) mahnt einen beschleunigten Erneuerbaren-Ausbau an. Eine neue Gaspreisbremse oder direkte Heizkostenhilfe steht laut Regierung aktuell nicht auf der Agenda.

Die Opposition reagiert scharf: Die Linke fordert einen Energiepreisdeckel und eine Übergewinnsteuer, das BSW die Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie auf 7 Prozenz sowie den Wegfall der CO -Abgabe. Die Grünen drängen auf einkommensabhängige Förderung beim Heizungstausch. Gewerkschaften wie der CGB(öffnet im neuen Fenster) fordern die Vorbereitung einer Preisbremse für den Fall, dass der Krieg länger als vier Wochen dauert.


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