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HEIST Project: Nato will bei Seekabel-Angriffen auf Satelliten umlenken

Wenn im Kriegsfall mehrere Seekabel zerstört werden, will die Nato auf Satelliteninternet umleiten. Dazu wird in ein gemeinsames Projekt mit dem US-Satellitenunternehmen Viasat investiert.
/ Achim Sawall
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ViaSat-3 Americas Launch (Bild: Viasat)
ViaSat-3 Americas Launch Bild: Viasat

Die Nato beteiligt sich finanziell am Heist Project, das bei Angriffen auf Glasfaser-Seekabel zu Satellitennetzen umrouten soll. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus internen Dokumenten berichtet(öffnet im neuen Fenster) , gibt das Militärbündnis 433.600 Euro für das Projekt, das mit insgesamt 2,5 Millionen US-Dollar jedoch relativ bescheiden ausgestattet ist.

Bei der Nato leitet Eyup Kuntay Turmus das Programm. Turmus bestätigte Bloomberg, dass das Heist Project kürzlich genehmigt wurde und dass die Umsetzung "sehr bald" beginne. Den Unterlagen zufolge will man noch in diesem Monat mit einem Symposium an der Cornell University in New York offiziell starten. Die Nato konzentriert sich auf die Entwicklung von Methoden zur Erkennung von Störungen an Seekabeln und die anschließende Automatisierung von Versuchen, auf die Bandbreite von Satelliten zuzugreifen und Daten umzuleiten.

Den Dokumenten zufolge sind auch das US-Satellitenunternehmen Viasat, das Raumfahrtunternehmen Sierra Space und das isländische Cybersicherheitsunternehmen Syndis an dem Vorhaben beteiligt. Forscher und Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten, Island, Schweden und der Schweiz sind involviert.

Nato und Satelliteninternet

Mehr als 95 Prozent der Daten, die weltweit übertragen werden, laufen durch Seekabel. Diese Glasfaserkabel können jeweils mehrere Terabit pro Sekunde übertragen und bieten damit die schnellste verfügbare Methode der Datenübertragung. Alle vorhandenen Satellitennetzwerke, Starlink eingeschlossen, könnten nicht einmal annähernd eine solche Datenrate und niedrige Latenz bieten. Bei einer Umleitung auf Satellitennetze kann es der Nato also nur um eine Notlösung gehen.

Auch in Deutschland gibt es Bestrebungen zum Schutz der Seekabel: Am 2. Juli 2024 fand die Konferenz Unterseedatenkabel – Lebensadern der digitalen Welt stärken im Bundesdigitalministerium in Berlin statt. Hier standen laut einem Sprecher sowohl der Ausbau als auch die besondere Herausforderung des Schutzes der maritimen Kabelnetze im Vordergrund. Ministeriumssprecher Bastian Pauly sagte Golem.de: "Es braucht einen engen Austausch aller relevanten Stakeholder aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Die gesamte Wertschöpfungskette ist zu berücksichtigen, einschließlich technischer Zulieferer, neuer Sensor- und Überwachungstechniken, Netzausbau, und -betrieb bis hin zu Wartungs- und Reparaturkapazitäten, wie insbesondere Reparaturschiffen. Ein besonderer Blick muss auf die Finanzierung von Neubau und Ausbau von Projekten zur Schaffung von Redundanzen gelegt werden, beispielsweise durch Investitionsanreize, Förderung oder öffentlich-private Partnerschaften."

Zuständigkeiten für Überwachung und Schutz müssten klar abgesteckt sein. Redundanz-, Überwachungs- und Reparaturkapazitäten hätten eine hohe Bedeutung und müssten ausreichend zur Verfügung stehen. "Schließlich sind alternative und an die Seeweganbindung anknüpfende Übertragungswege, wie terrestrische Verbindungen und Satellitenkonnektivität, ebenfalls zu berücksichtigen" , erklärte er.


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