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HDR und Dolby Vision: Die vorläufige Rückkehr der dicken Fernseher

CES 2015
Dünne Fernseher werden seltener, zumindest gute mit High Dynamic Range oder Dolby Vision. Nur ein Hersteller zeigte auf der CES flache Geräte mit hohen Leuchtdichten.
/ Andreas Sebayang
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Bildschirme mit hoher Leuchtdichte haben häufig eine hohe Bautiefe. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Bildschirme mit hoher Leuchtdichte haben häufig eine hohe Bautiefe. Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

In der Fernsehbranche sind derzeit zwei Trends zu beobachten. Nicht nur werden neue, schnell reagierende Betriebssysteme eingesetzt, die wir schon in einem Artikel vor wenigen Wochen verglichen haben . Es werden auch Fernseher mit immer höherer Leuchtdichte entwickelt. Diese ist auch notwendig, denn die nächste TV-Generation soll sogenannte High-Dynamic-Range-Inhalte darstellen können. Auf der vergangenen Elektronikmesse CES gab es diesbezüglich allerhand unkonkrete Ankündigungen. HDR war in aller Munde, doch Konkretes konnte oder wollte niemand zeigen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, HDR in Fernsehern zu realisieren.

Die eine Möglichkeit ist das einfache Hochskalieren der Bildinhalte. Die mittlerweile sehr leistungsstarken TV-CPUs mit vier und mehr ARM-Kernen schauen sich das eingehende Bild an und entscheiden, welche Teile deutlich heller und damit realistischer dargestellt werden sollen als andere. Eine Sonne etwa könnte der Fernseher erkennen und diesem Bereich des Geräts eine höhere Leuchtdichte zuteilen. Um die 700 cd/qm wären das etwa mit den Geräten der kommenden HDR-Generation. Der Wert ist hoch, zumindest in einem dunklen Raum. Er reicht aber auch aus, um bei Tageslicht noch gut fernzusehen. Mit Details halten sich viele Hersteller allerdings zurück.

Dolby Vision für tiefes Schwarz und blendendes Weiß

Einen anderen Weg hat sich Dolby Laboratories vorgenommen. Dolby Vision(öffnet im neuen Fenster) heißt der eigens kreierte Standard, der noch ein bisschen mehr kann als HDR. Doch HDR ist das, was dem Zuschauer direkt auffällt – viel mehr als etwa die Vorteile eines 4K-Fernsehers verglichen mit einem 2K-Fernseher.

Dolbys Technik soll, abwärtskompatibel, mehr Bildinformationen übermitteln. Kann der Fernseher Dolby-Vision-Signale verstehen, extrahiert er sie und setzt das Bild so um, wie es vom Produzenten der Blu-ray oder des 4K-Streams vorgesehen war. J-J-Abrams-Lensflares könnten genau so den Zuschauer nerven, wie es der Star-Trek-Regisseur wünscht. Es wären aber auch sehr malerische Szenen möglich, mit einem leicht blendenden Sonnenuntergang, der Details in Schatten nicht vermissen lässt. Der Zuschauer würde beides erkennen, die strahlende Sonne und die sich hinter Steinen versteckenden, mit ihren Augen blinzelnden Minivampire im Schatten.

Der Dolby-Vision-Ansatz hat den Vorteil, dass dem Anwender eher als bei HDR, dass von der Fernseher-Hardware berechnet wird, das Material so präsentiert wird, wie es von den Filmemachern beim Dreh und der Nachbearbeitung vorgesehen war. Lässt man die Fernsehgerätehersteller HDR dazurechnen, ist die Gefahr groß, dass die Einstellungen übertrieben sind oder auch mal falsche Resultate liefern, auch wenn ein HDR-Fernseher ohne Dolby Vision einen hohen Dynamikumfang erreichen kann. Vergleichbar wäre das mit der heute schon verbreiteten Bildmanipulation der Fernsehgerätehersteller mitunter zu überoptimierten Bildresultaten führen.

Das Ziel von Dolby Vision und HDR ist, gute Schwarzwerte zu erhalten und Farben gleichzeitig intensiver darzustellen. Helles soll so dargestellt werden, dass es dem natürlichen Sehen möglichst nahe kommt. Der Mensch kann nämlich auch dann noch etwas erkennen, wenn er von einer hellen Lichtquelle angeleuchtet wird. Beim normalen Fernseher oder Computermonitor gelingt diese Darstellung nicht, weswegen es extra beispielsweise HDR-Fotografie gibt. Doch ein HDR-tauglicher Fernseher stellt die Hardwarehersteller vor Probleme.

Die meisten Hersteller machen ihre Fernseher dicker

Für die Darstellung von HDR und HDR über Dolby Vision sind die Anforderung an das Local Dimming und das Gegenteil davon, das lokale Heraufsetzen der Leuchtdichte, extrem hoch. Um so etwas wie einen Stern im Weltall sehr leuchtintensiv darzustellen und gleichzeitig das umgebene Weltall pechschwarz aussehen zu lassen, braucht es auf kleine Orte begrenzte Kontrollen zur Leuchtdichte. Laut Dolby sind das 400 Flächen, die separat kontrolliert werden und einzeln bei Bedarf auf 700 cd/qm oder mehr gebracht werden müssen.

Mit der OLED-Technik ist das am einfachsten, da die Pixel hier selbst leuchten. Da können die Displays sehr dünn bleiben, was LG auf der CES auch deutlich mit zahlreichen OLED-Neuvorstellungen demonstrierte. LEDs oder CCFLs im Hintergrund sind für OLED nicht notwendig, wodurch OLED-Fernseher extrem dünn gebaut werden können. Sie sind aber auch teuer. LG bleibt damit vorerst der einzige Hersteller, der dünne Geräte mit hoher Leuchtdichte anbieten kann. Ohnehin beherrscht LG die OLED-Technik derzeit sehr gut. Neben Philips' Lichtsparte ist auch LG sehr erfolgreich bei der Entwicklung von OLED-Lampen . 100 Lumen pro Watt sind für die Koreaner schon möglich.

Es arbeiten zwar fast alle Hersteller an OLED-Fernsehern, OLED-Geräte gab es etwa von Haier und Panasonic zu sehen. Doch sie sind von der Marktreife noch weit entfernt, und HDR wird nicht mal erwähnt. Selbst das Unternehmen Samsung, das OLED-Fernseher bereits auf den Markt gebracht hat(öffnet im neuen Fenster) , setzt bei seinen neuen Curved-UHD-Fernsehern wieder auf konventionelle LCD-Technik. Und die sind deutlich dicker als so manche Vorgängergeneration. Es braucht nämlich die gute alte Technik der echten Hintergrundbeleuchtung, die ihre Pixel-Cluster getrennt beleuchten kann. Das bisher häufig genutzte Edge Lighting kann eine Hintergrundbeleuchtung nicht ersetzen.

Edge-Lit-Displays für HDR-Fernseher nicht geeignet

Mit sogenanntem Edge-Lighting geht das nicht mehr, wie uns Dolby erklärte. Bei dieser modernen Technik sitzt die platzkostende Hintergrundbeleuchtung nicht mehr hinter den Pixeln eines LCD-Fernsehers. Stattdessen sind LEDs am Rand positioniert. Erst über Lichtleiter wird die Helligkeit hinter die Pixel gebracht, was in den vergangenen Jahren maßgeblich dafür verantwortlich war, dass LCD-Fernseher immer dünner wurden und mitunter mit OLED-Fernsehern konkurrieren können. Diese Fernseher beherrschen in der Regel Frame Dimming, machen also das gesamte Bild bei Bedarf dunkler, nicht aber einzelne Zonen, wie es für echtes HDR notwendig wäre.

Wie dünn so ein LCD-Fernseher sein kann, demonstrierte Sony mit dem XBR X900C(öffnet im neuen Fenster) . Nur 4,9 mm misst das Panel in der Dicke. Da passt nicht einmal mehr ein Euro-Scart-Stecker von hinten in den Fernseher, weswegen der Fernseher unten für Anschlüsse deutlich dicker ist. Echtes HDR beherrscht das Gerät aber nicht. Stattdessen wird X-Tended Dynamic Range unterstützt – eine Softwarelösung, die den Fernseher aber nicht heller macht.

Samsung hingegen zeigte HDR-fähige Geräte, wenn auch viele Daten noch unbekannt waren. Auf der CES ignorierte Samsung zudem die OLED-Technik völlig und konzentrierte sich stattdessen darauf, den Begriff SUHD zu etablieren. SUHD ist ein Marketingbegriff zur Abgrenzung von der Konkurrenz, der aber auch Displayverbesserungen beinhaltet. Die sind vergleichbar mit Sonys Triluminos-Displays oder Quantum-Dot-Displays anderer Hersteller. Mit SUHD lenkte Samsung ein wenig davon ab, dass die Neuvorstellungen allesamt erstaunlich dick waren. Immerhin sollen die Displays bis zu 1.000 cd/qm erreichen können(öffnet im neuen Fenster) . Offiziell ist das aber noch nicht, da Samsung die Datenblätter noch nicht veröffentlicht hat. Damit steht Samsung exemplarisch für den Trend der Branche, solange die OLED-Technik nur von LG beherrscht wird. HDR-Prototypen haben wir zudem von Toshiba, Hisense und Philips gesehen, die ebenfalls alle recht dick waren. Nur bei Sonys und Panasonics HDR-Demo konnten wir nicht herausfinden, wie dick die Geräte sind – dank einer Absperrung.

Einige HDR-Demos enttäuschten

Trotz des immer noch frühen Stadiums und weniger konkreter Produktankündigungen wurde HDR in zahlreichen Demos auf der CES gezeigt – unter anderem von Panasonic, Samsung, LG, Sony, Toshiba und Philips. Zu Philips sei angemerkt, dass das niederländische Unternehmen das TV-Geschäft längst aufgegeben hat . Philips-Fernseher sind eigentlich von TP Vision, das die Lizenz für das Philips-Logo hat.

Die Unterschiede zwischen HDR und normalen Fernsehern waren mitunter schwer auszumachen, denn die AB-Vergleiche der Hersteller sind meist so, dass neben den nagelneuen Modellen übertrieben schlecht konfigurierte alte Modelle positioniert werden. Sony hatte beispielsweise eine solche HDR-Demo. Der neben dem HDR-Fernseher stehende Vergleichsfernseher ohne HDR war so stark aufgehellt, dass man meinen könnte, Sonys aktuelle Fernseher könnten kein Schwarz darstellen.

Aus eigener Erfahrung wissen wir aber, dass Sony-TVs mit LCD-Technik sehr wohl ordentliche Schwarzwerte beherrschen. Um Händler zu überzeugen, sind solche verfälschenden Demos allerdings offenbar notwendig. So gut wie jeder Hersteller nutzt diese Art der Manipulation, damit überhaupt ein Unterschied zwischen den Generationen der Fernseher dargestellt werden kann. Bei HDR sind die Unterschiede aber eigentlich so deutlich, dass die Hersteller auf solche Tricks verzichten könnten.

Unabhängig von dem gestellten und in diesem Fall nichtssagenden AB-Vergleich sah das HDR-Bild für sich genommen sehr gut aus – nicht in allen Szenen, aber gerade, wenn bildtechnisch eindeutig ist, dass etwas strahlen muss, gelingt das dem Demogerät auch. Es gab allerdings genügend Szenen, wo wir etwas mehr erwartet hätten. Da das Gerät noch nicht marktreif ist, muss hier das finale Modell abgewartet werden. Das Gerät ohne Namen war noch in einer dunklen Ecke hinter einer Absperrung. Wie dick es war, ist damit unklar. Die Demos von Samsung auf den offen gezeigten dicken Fernsehern und LG mit seinen dünnen OLED-Fernsehern machten jeweils einen ähnlichen Eindruck: sieht gut aus, ist aber noch nicht so, wie es sein könnte, wenn man die Dolby-Vision-Demos auf den Referenzmonitoren kennt, die allerdings rund 4 kW elektrische Leistungsaufnahme benötigen. Dolbys Referenzgerät beherrscht allerdings auch 4.000 cd/qm, was es im Handel erst einmal nicht geben wird.

Die Dolby-Vision-Demos sollten also besser sein. Sind sie mit ersten Vorabgeräten von bekannten Fernsehgeräteherstellern jedoch nur zum Teil. Wie schwierig die vernünftige Darstellung dunkler Farben auf hellen Fernsehern sein kann, zeigte jedoch gerade Dolby mit Geräten von Hisense, Philips und Toshiba. Alle Geräte waren noch im Prototyp-Status, so dass hier Verbesserungen zu erwarten sind. Doch in dieser Demo gelang nur dem Philips-Gerät eine vernünftige Darstellung von Schwarz.

Bei den anderen Geräten, die jeweils ebenfalls über 700 cd/qm erzeugen können, konnte man allenfalls von einem guten Grauwert sprechen, so schlecht war die Darstellung von Schwarz. Das bessert sich hoffentlich noch bis zum Marktstart. Bedingt durch die hohe Helligkeit setzten alle Geräte auf LCD-Technik mit Hintergrundbeleuchtung und Local Dimming. Es waren entsprechend dicke Geräte, die dem schlanken Design von LGs OLED-Fernsehern oder Edge-Lit-LCD-Fernsehern abseits von LG nichts entgegenzusetzen hatten.

Bis zur Ifa 2015 sollten erste HDR-TVs zu sehen sein

Tatsächlich angekündigte Dolby-Vision-Geräte gibt es noch nicht, und Dolby vermied es, einen Termin zu nennen. Das sei die Sache der Partner, gab uns Dolby zu verstehen. So richtig los geht es also noch nicht. Wir erwarten dennoch, dass die ersten Termine für Produkte spätestens auf der Ifa 2015 in Berlin genannt werden.

Wenn die CES eines zeigte, dann war es die Bereitschaft der Fernsehgerätehersteller, jetzt nach langen Ankündigungen nach und nach HDR-Geräte auf den Markt zu bringen. Die Hardware ist da, die Serienreife ist nur eine Frage der Zeit und in manchen Fällen nur eine Frage weniger Monate. Bei der Infrastruktur könnte es hingegen noch einige Probleme geben. Nicht jeder wird Dolby-Vision-Fernseher anbieten. Die UHD-Allianz, der auch Dolby-Vision angehört, wird ebenfalls an HDR arbeiten. Netflix als Mitglied und Inhalteanbieter hat sogar detaillierte Pläne und nimmt einen Teil seiner Serien auch schon in HDR auf.

HDR ist auffallender als 4K

Die Darstellung von HDR, sei es nun wie vom Filmemacher gewünscht über Dolby Vision oder hochskaliert über die Techniken der Fernsehgerätehersteller, ist eine interessante Funktion der nächsten Fernsehergenerationen. Der Kunde wird bei HDR-Inhalten eher Unterschiede zu Nicht-HDR-Geräten sehen als bei 4K-Fernsehern zu 2K-Geräten. Doch für HDR-Inhalte gilt dasselbe wie schon für 4K-Inhalte: Sie müssen erst einmal zum Kunden kommen, will man sich nicht mit dem reinen Hochrechnen der Bilder begnügen.

Ein Umstieg könnte sich für Filmfreunde lohnen, die auf helle Lichteffekte und trotzdem niedrige Schwarzwerte hoffen und die Details auch in schattigen Bereichen heller Szenen sehen wollen. Fraglich ist allerdings, welcher Weg derzeit der beste zum HDR-Erlebnis ist: die teure OLED-Technik oder konventionelle, aber bewährte LED-Backlight-LCD-Technik. Die Edge-Lit-Technik, die ohnehin prinzipbedingt kein vernünftiges Local Dimming ermöglicht, wolkige Darstellungen provoziert und an den Rändern zu Light Bleeding führen kann, hat nach derzeitigem Stand für die kommende HDR-Generation jedenfalls ausgedient.


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