Zum Hauptinhalt Zur Navigation

HBO-Serie Silicon Valley: So authentisch, dass es keine Scherze braucht

Wie eine der vielen Startup-Geschichten liest sich der Plot zu HBOs neuer Serie Silicon Valley . Es geht um Nerds, eine Geschäftsidee und jede Menge skurriler Situationen. Lustig ist die Serie in Wahrheit aber nur für den Rest der USA.
/ Elisabeth Oberndorfer
41 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Schauspieler Martin Starr bei der Premierenfeier zu Silicon Valley (Bild: Valerie Macon/Getty Images)
Schauspieler Martin Starr bei der Premierenfeier zu Silicon Valley Bild: Valerie Macon/Getty Images

Im November 2012, in der Damentoilette einer Bar in San Francisco, diskutiere ich mit einer der Darstellerinnen der Reality Show Startups: Silicon Valley(öffnet im neuen Fenster) . Wir sind auf der Premierenfeier der Bravo-TV-Sendung, zu der sie und einige andere Protagonisten geladen haben. Während draußen Tech-Blogger mit CTOs namhafter Startups Cocktails trinken, lassen wir die erste Folge Revue passieren, und die Unternehmerin ist kritisch-ehrlich: "Ich weiß nicht, ob der Mittlere Westen es verstehen wird" , schreit sie mir ins Ohr, um den Lärm von außen zu übertönen. Der Rest der USA hat es nicht verstanden, die Reality-Show floppte. Produzentin Randi Zuckerberg spricht heute nicht mehr darüber.

Prominente Blickfänger in Minute eins

Damit der Rest Amerikas nicht gleich in der ersten Minute der neuen HBO-Serie Silicon Valley(öffnet im neuen Fenster) den Sender wechselt, haben sich die Produzenten prominente Unterstützung geholt. Popstar Kid Rock spielt auf einer Startup-Party. Der Anlass der Feier: Das junge Unternehmen ging für 200 Millionen US-Dollar an Google. Der Musik-Act des Abends interessiert die Gäste wenig, vielmehr plaudern sie über andere Gäste, wie Google-Boss Eric Schmidt, der einen Kurzauftritt macht.

"Kid Rock ist der ärmste Typ in diesem Raum. Wir stehen hier zwischen einem Vermögenswert von 40 Milliarden Dollar" , behauptet Erlich (gespielt von US-Comedian T.J. Miller) unbeeindruckt. Es folgt eine Rede voller Buzzwörter und Worthülsen vom Gastgeber der Party und spätestens jetzt ist klar: Silicon Valley spielt das echte Silicon Valley schmerzhaft authentisch nach.

Die übliche Startup-Geschichte

Der Plot der neuen TV-Serie von Produzent Mike Judge (Office Space, Beavis and Butthead) liest sich wie jede zweite Geschichte, die eine Tech-Journalistin in Silicon Valley schreibt: Eine Gruppe von Techies wohnt in einem Haus im Valley, um dort an der nächsten großen Start-Up-Idee zu arbeiten. Protagonist Richard (Thomas Middleditch) verbringt hier seine Freizeit mit Big Head (Josh Brener, der auch im Hollywood-Film The Internship einen Techie spielte), Dinesh (Kumail Nanjiani) und Gilfoyle (Martin Starr). Leiter des Hacker Hostels ist der leicht zwielichtige Erlich. Seine Einrichtung sieht er als Startup-Inkubator, sein Held ist Steve Jobs.

Wer schon einmal auf Airbnb(öffnet im neuen Fenster) nach Unterkünften im Silicon Valley gesucht hat, weiß: Diese Hacker-Kommunen gibt es wirklich. Unternehmer, die bereits ihre ersten Millionen eingenommen haben, versuchen sich als Schützlinge der Nachwuchsgründer, in den meisten Fällen Gott sei Dank glaubwürdiger als Erlich.

Im Tagesjob arbeitet Richard bei Hooli. Der Campus des Softwareunternehmens ist denen von Facebook und Google nachempfunden. Frühstücksbar, Fahrräder und kreischend buntes Interieur inbegriffen. Ebenfalls fixer Bestandteil: Brogrammers - Entwickler, die im Gegensatz zu den Nerds durch Selbstverliebtheit auffallen.

Elon Musk und Peter Thiel als Vorlagen

Die restlichen 20 Minuten von Silicon Valley setzt sich die Authentizität fort. Man möchte meinen, dass Produzent Judge das Bild der Tech-Branche an der US-Westküste überzeichnet und karikiert hat. Doch eigentlich bildet die TV-Show nur das ab, was hier wirklich passiert. Und was hier passiert, grenzt größtenteils an Wahnsinn und Skurrilität, die Drehbuchautoren hatten es hier leicht. Schlechter Geschmack, die Überpräsenz von Zehenschuhen und die Unterpräsenz von Frauen spiegeln Silicon Valley anno 2014 wieder.

Da ist etwa der Investor Peter Gregory, der Studenten 100.000 US-Dollar zahlt, wenn sie ihr Studium abbrechen und ins Unternehmertum einsteigen. Als Vorlage für diesen Charakter dient Star-Investor Peter Thiel, der mit seiner Thiel Foundation genau das gemacht hat. Und der Boss des fiktiven Unternehmens Hooli ist die Summe aller exzentrischen Tech-CEOs, allen voran Marc Benioff von Salesforce und Obervisionär und Tesla-Chef Elon Musk.

Musk fand übrigens die erste Folge von Silicon Valley nicht lustig. HBO hätte Silicon Valley nicht verstanden, schimpfte er auf der Premierenfeier. Die Produzenten nehmen die Kritik gerne auf: Wenn Menschen wie Musk sich von der Darstellung angegriffen fühlen, habe man das Ziel wohl erreicht.

Silicon Valley für den Rest Amerikas

Das Problem mit Silicon Valley ist, dass es eine riesengroße Blase ist. Wer nicht selbst reflektiert, übersieht das. Unternehmensbewertungen in Milliardenhöhe, Millionen für Ideen, die noch nicht auf dem Markt sind - auch wenn vieles davon gerechtfertigt ist, am Ende des Tages ist es absurd. HBO vermittelt das allen, die außerhalb der geografischen Grenze der San Francisco Bay Area leben. Der Rest Amerikas hat einen Grund, darüber zu lachen.

Die Reality-Serie Startups: Silicon Valley war die erste von einigen TV- und Film-Produktionen, die sich mit dem aktuellen Tech-Boom beschäftigen. Amazon versuchte, mit Betas eine Geschichte über Entwickler in San Francisco zu erzählen und war damit nur wenig erfolgreicher als die Reality-Show. Bei The Internship schaffte es der Google-Campus auf die Hollywood-Leinwand. Der Film war zwar plumper und hatte weniger Humor, vermittelte aber ebenfalls den Wahnsinn, der sich hier gerade abspielt. In der HBO-Serie Looking war San Francisco die Heimat der drei homosexuellen Protagonisten. Einer davon arbeitete bei einem Games-Studio im Startup-Bezirk SoMa. Dialoge wie "Ist dieser Typ heiß? Instagram-Filter haben alles ruiniert" und "Jemand sollte dazu eine Facebook-Kampagne starten" , porträtierten die Kultur der Stadt ebenso wie Klagen über die steigenden Mietpreise.

Silicon Valley setzt dort fort, wo Looking nur angestreift ist. Mit der Serie haben die Produzenten erfolgreich die Kultur und Stimmung der Tech-Branche festgehalten, ohne sie durch den Schmutz zu ziehen. Es bleibt zu hoffen, dass der Rest Amerikas es diesmal versteht. Wie Box-CEO Aaron Levie nach der Erstausstrahlung auf Twitter kommentierte(öffnet im neuen Fenster) : "Die gute Nachricht dazu: Es ist akkurat. Die schlechte Nachricht: Es ist akkurat."


Relevante Themen