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Hausbatterie Powerwall: Tesla macht die Energiewende schick

Der US-Elektroauto-Hersteller Tesla Motors bietet künftig auch Akkus an: Powerwall nennt das Unternehmen die Energiespeicher für die heimische Solaranlage. Das Konzept scheint vielversprechend.
/ Jan Oliver Löfken
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Ein Besucher posiert nach der Präsentation am 30. April 2015 mit Powerwall. (Bild: Patrick Fallon/Reuters)
Ein Besucher posiert nach der Präsentation am 30. April 2015 mit Powerwall. Bild: Patrick Fallon/Reuters

Elon Musk, Paypal-Milliardär und Gründer des Elektroauto-Herstellers Tesla Motors(öffnet im neuen Fenster) , weiß, wie man einen Medienhype initiiert. Rund um den Globus findet sich seine Powerwall(öffnet im neuen Fenster) in den Schlagzeilen. Der Lithium-Ionen-Akku für den Hausgebrauch soll das Kernproblem von Solarstrom, die stark schwankende Verfügbarkeit, lösen und über die sonnenlosen Stunden die Stromversorgung in den heimischen vier Wänden sichern. Gerüchte über diesen Stromspeicher – geschickt befeuert durch kurze, geheimnisvolle Tweets von Musk – kursierten viele Wochen in Fachportalen und Boulevardblättern. Und in der Nacht zum 1. Mai lieferte Musk während einer durchinszenierten Show in Los Angeles endlich Einzelheiten – mit fulminantem Medienecho.

Elon Musk stellt Wandakku Powerwall vor – Tesla Motors
Elon Musk stellt Wandakku Powerwall vor – Tesla Motors (18:02)

"Diese Technologie ermöglicht einen fundamentalen Wandel, wie Energie über die Erde verteilt wird" , sagt Musk. Große Worte, doch ist diese Vision nicht völlig unrealistisch. Allein 2014 wurden weltweit neue Solaranlagen mit 45 Gigawatt mit einer Erzeugungskapazität von elf großen Kohle- oder Kernkraftwerken gebaut. Bis 2020 könnte sich nach Expertenmeinung diese Dynamik auf 150 Gigawatt verdreifachen. Wird dieser Ausbau durch die Installation von Milliarden dezentraler Stromspeicher wie der Powerwall begleitet, wäre – rein rechnerisch – die flächendeckende Versorgung mit Solarstrom möglich. Auch Musk gibt zu, dass diese Anzahl an Stromspeichern irrsinnig klinge. "Aber es liegt im Rahmen dessen, was die Menschheit leisten könnte."

Solaranlage speist Wandakku

Doch zurück zu den harten Fakten der Powerwall: Tesla wird zwei Versionen ab Mitte des Jahres mit sieben und zehn Kilowattstunden Speicherkapazität anbieten. Die etwa 100 Kilogramm schwere Batterie – verpackt in ein 1,30 Meter hohes, 86 Zentimeter breites und 18 Zentimeter dickes Gehäuse – soll sich einfach in einem Keller oder an der Hauswand installieren lassen. Gespeist mit Solarstrom einer hauseigenen Photovoltaik-Anlage könnte bei nur acht Prozent Verlust mühelos der Strombedarf eines Vierpersonenhaushalts in den dunklen Abendstunden gedeckt werden. Mit einer Spitzenleistung von drei Kilowatt – genug für Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger und Licht – wäre sogar eine Stromlieferung aus dem Netz überflüssig.

An sich sind solche Batterien nichts Neues. "Daher freut es uns, dass Tesla mit seiner Ankündigung viel Aufmerksamkeit auf die Batterietechnologie lenkt" , sagt Michael Schreieder, Entwicklungsingenieur beim Berliner Speicherunternehmen Younicos(öffnet im neuen Fenster) . Furore macht Tesla vor allem mit seinen günstigen Preisen von 3.500 US-Dollar für das 10-kWh-Modul und 3.100 US-Dollar für die kleinere Variante, allerdings ohne Installationskosten. Gewerbliche Nutzer können sogar auf 100-kWh-Speicher für 25.000 US-Dollar zurückgreifen. Bei bisher verfügbaren Batteriespeichern mit vergleichbarer Leistung ist der Anschaffungspreis etwa dreimal so hoch.

Teslas Akku rechnet sich

Ein kurzes Rechenexempel zeigt die Attraktivität von Powerwall. Wer über die Garantiezeit von zehn Jahren täglich nur die Hälfte der Akkuleistung für den häuslichen Eigenbedarf nutzt, kommt auf Speicherkosten von etwa 17 Eurocent pro Kilowattstunde. Deutsche Stromversorger verlangen für Ökostrom mindestens 10 Cent mehr. Wer den Strom seiner kleinen Solaranlage (bis 10 Kilowatt Leistung) direkt ins Stromnetz einspeist, erhält in Deutschland derzeit knapp 12,50 Cent Einspeisevergütung pro Kilowattstunde. So rechnet sich der direkte Eigenverbrauch des selbsterzeugten Stroms allemal. Mit dem Tesla-Stromspeicher rangieren die Stromkosten während der sonnenlosen Stunden auf dem gleichen Niveau. Sollte jemand täglich sogar die volle Speicherkapazität ausschöpfen, kann er sich über Speicherkosten von unter 10 Cent pro Kilowattstunde freuen.

Das kalifornische Solarunternehmen Solar City(öffnet im neuen Fenster) wird den Powerwall-Speicher ab Sommer zusammen mit Photovoltaik-Anlagen anbieten. Solar City, an dem Elon Musk als Mitgründer ebenfalls Anteile hält, rechnet mit einer sehr großen Nachfrage. Um Gewerbekunden über Leasingverträge Solaranlagen und Speicher anbieten zu können, plant Solar City, mit bis zu einer Milliarde US-Dollar in Vorleistung zu gehen. Auch Deutschland als Stammland der Energiewende steht im Fokus von Tesla. Gemeinsam mit dem Hamburger Ökostromversorger Lichtblick(öffnet im neuen Fenster) soll der Hausakku erst hierzulande und danach EU-weit vertrieben werden.

Lichtblick plant Schwarmspeicher

"Die neuen Tesla-Batterien markieren einen Meilenstein, denn kostengünstige und leistungsfähige Speicher sind eine Schlüsseltechnologie der dezentralen Energie-Revolution" , sagt Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz. Die Akkus lassen nicht nur den Eigenverbrauch von Solarstrom steigen, sondern können sogar zu einem leistungsstarken Schwarm-Strom-Speicher vernetzt werden. Angebunden ans Stromnetz sollen sie intelligent gesteuert werden, um über ganze Regionen Leistungsschwankungen der Wind- und Solarkraftwerke auszugleichen. Millionen installierter Batterien könnten so wertvolle Regelleistung zur Verfügung stellen, die zu lukrativen Preisen an die Stromnetzbetreiber verkauft werden könnte. Die Erlöse will Lichtblick mit den Akkubesitzern teilen.

Ob sich die Anzahl der heute etwa 15.000 in Deutschland installierten Solarstromspeicher mit dem Tesla-Akku vervielfachen wird, lässt sich bisher noch nicht absehen. Auch offizielle Daten zum Material, zur Ladedauer, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Powerwall-Speicher sind bislang nicht verfügbar. Tesla verweist bisher auf einen laufenden Praxistest mit ersten Stromspeichern in Kalifornien, bei dem offenbar keine nennenswerten Probleme aufgetreten sind.

Akkupreise könnten stark sinken

Die ersten Powerwall-Module stammen wahrscheinlich aus der kalifornischen Akkufabrik , die auch die Lithium-Ionen-Akkus für die Tesla-Elektromobile zuliefert. Laut Younicos-Ingenieur Schreieder handelt es sich dabei um eine etablierte Technologie auf der Basis von Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Zellen. Um die erwartete Nachfrage decken zu können, entsteht derzeit im US-Wüstenstaat Nevada die Tesla-Gigafactory(öffnet im neuen Fenster) . In Zusammenarbeit mit Panasonic sollen ab kommendem Jahr auf einer Nutzfläche von einem Quadratkilometer Akkus mit mehreren Dutzend Gigawatt Leistung gefertigt werden. Diese Massenfertigung in der dann größten Einzelfabrik der Welt wird auch nötig sein, um die Produktionskosten wie von Experten erwartet um ein Drittel senken zu können.

Die Akkuhersteller in Asien, die heute über die größte Produktionskapazität verfügen, werden dem Vorpreschen von Tesla nicht tatenlos zusehen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Billigangebot von Tesla die Akkupreise schon bald stark sinken lassen könnte. Wichtige Anteile an einem rasant wachsenden Milliardenmarkt – Experten schätzen die Umsätze für 2017 auf gut 19 Milliarden US-Dollar – stehen auf dem Spiel. Um wie Tesla sich als Newcomer auf diesem Markt behaupten zu können, wird die Gewinnspanne für die Powerwall-Module sicher knapp kalkuliert sein. Wenn Tesla in der Anfangsphase nicht sogar draufzahlt und eine erwartete Kostensenkung bei der Produktion vorwegnimmt. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein subventionierter Preis ist" , sagt auch Michael Schreieder.

Ob die Rechnung für Tesla aufgeht, werden die kommenden Jahre zeigen. Mit dem Medienhype um Powerwall hat Musk die erste Etappe jedenfalls erreicht. Ihn – wie in zahlreichen Medien zu lesen – als Energie-Messias zu feiern, mag übertrieben sein. Dennoch braucht eine globale Energiewende solche visionären Akteure, um breite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Denn vor ihm ist es keinem gelungen, einem eigentlich schnöden Produkt wie einer Batterie einen Hauch von Glamour zu verleihen.


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