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Hauptversammlung: Höttges spricht sich gegen Kupferabschaltung aus

Tim Höttges hat auf der Hauptversammlung der Telekom Fehler eingeräumt. Der Glasfaser -Ausbau sei zu langsam, die Geschäftskundenangebote seien zu altbacken.
/ Achim Sawall
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Höttges spricht auf der Hauptversammlung der Telekom am 1. April 2026 (Bild: Deutsche Telekom)
Höttges spricht auf der Hauptversammlung der Telekom am 1. April 2026 Bild: Deutsche Telekom

Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges hat sich gegen eine baldige Abschaltung des Kupfernetzes ausgesprochen. "Erst bauen wir alle überall aus. Gegebenenfalls auch zwei oder drei Infrastrukturen. Und dann überlassen wir es den Kunden, welchen Anbieter er haben will. So gelingt der Wechsel von Kupfer auf Glas perspektivisch auch" , sagte Höttges(öffnet im neuen Fenster) am 1. April 2026 bei der Hauptversammlung des Konzerns in Bonn.

Tatsächlich will die Telekom laut Branchenexperten der Wettbewerber in Wahrheit nur dort Kupfer abschalten, wo sie selbst Glasfaser ausgebaut hat. Dadurch spart sie sich die doppelten Betriebskosten und Ausgaben für die Instandhaltung. Wo der Marktführer selbst keine Glasfaser verlegt hat, will man DSL so lange weiter laufen lassen, bis die letzten Kunden, die nicht gewechselt sind, die Betriebskosten nicht mehr decken. In diesen langen Jahren kann die Telekom die bestehenden Netze der Konkurrenz überbauen.

Höttges räumte zudem eigene Fehler ein: Niemand sei glaubwürdig, der behaupte, er mache keine Fehler, sagte er. "Jeder macht Fehler. Auch wir. Auch ich."

Höttges: Mehr Frauen im Management

Beim Breitband in Deutschland habe die Telekom die Dauer des Ausbaus von Glasfaser unterschätzt. Ausgerechnet im Heimatmarkt habe man deshalb in Summe 50.000 Kunden verloren. "Wir lösen das, indem wir mehr investieren. Und mehr Glasfaser auf dem Land bauen. Dort ist die Nachfrage höher." "Wir stehen nicht im Stau, meine Damen und Herren, wir sind der Stau. Und den müssen wir abbauen" , sagte Höttges. Zudem setze man zusätzlich auf neue Technik. In Mehrfamilienhäusern komme die biegsame Klebeglasfaser von Huawei zum Einsatz. "Wir kleben die Kabel einfach an die Wand. Und bohren nicht mehr durch die Decken" , sagte er.

Im Bereich Geschäftskunden sei man zu "arrogant" gewesen und habe sich zu lange auf alten Produkten und Strukturen ausgeruht, sagte Höttges. Künftig wolle man Komplettpakete mit Netzzugang, Speicherplatz im Rechenzentrum, Datensicherheit und KI-Anwendungen vermarkten. Zudem sei eine Frauenquote von nur 24,2 Prozent der Führungskräfte zu wenig. "Wir lösen das Thema erst richtig, wenn wir uns ändern. Mit 'wir' meine ich: wir Männer im Management."


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