Hauptverdächtiger sagt aus: Vom Computermillionär zum Cyberbunker-Angeklagten

Im Prozess um den Cyberbunker an der Mittelmosel hat der Hauptverdächtige sein Schweigen gebrochen. Ein Geständnis hat er jedoch nicht abgelegt.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Der Hauptangeklagte Herman Johan Xennt hat sein Schweigen vor Gericht gebrochen (Aufnahme vom 19.10.2020)..
Der Hauptangeklagte Herman Johan Xennt hat sein Schweigen vor Gericht gebrochen (Aufnahme vom 19.10.2020).. (Bild: Harald Tittel/AFP/Getty Images)

Fast ein Jahr nach Beginn des Cyberbunker-Verfahrens vor dem Landgericht Trier hat sich erstmals der Hauptverdächtige Herman Johan Xennt zu den Vorwürfen geäußert. Wie der Trierische Volksfreund berichtet (Paywall), entschuldigte sich der 61 Jahre alte Niederländer am Montag vor Gericht, durch seine geschäftlichen Aktivitäten anderen Menschen Probleme bereitet zu haben. "Das war nie mein Plan. Es tut mir leid", sagte er dem Blatt zufolge. Anders als der Mitangeklagte Michiel R. legte Xennt jedoch kein Teilgeständnis ab.

Inhalt:
  1. Hauptverdächtiger sagt aus: Vom Computermillionär zum Cyberbunker-Angeklagten
  2. Cyberbunker kein "Herzensprojekt"
  3. Bewerbung mit polizeilichem Führungszeugnis

Den acht Angeklagten des Cyberbunker-Verfahrens wird Beihilfe zu rund 250.000 Straftaten und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen in wechselnder Beteiligung von Juni 2013 bis September 2019 illegale Webseiten gehostet und dadurch Beihilfe zu den von ihren Kunden begangenen Straftaten geleistet haben. Gehostet wurden laut Anklage Märkte und Foren wie Cannabis Road, Fraudsters, Flugsvamp und Orangechemicals. Auch die Kontrollserver für die Angriffe auf eine Million Router von Telekom-Kunden im Jahr 2016 befanden sich in dem Rechenzentrum.

Technikfreak schon als Kind

Dem Bericht zufolge beschrieb sich Xennt am Montag als eine Art Wunderkind, das schon als Neugeborenes habe sprechen können. Als Kind habe er sich stark für Elektronik und Mathematik interessiert. So habe er eine perfekt funktionierende "Eierbackmaschine" konstruiert und "Traum-Maschinen" entwickelt, um besser einschlafen zu können.

Parallel zu seinem Computertechnik-Studium betrieb er demnach einen Laden, um Computer zu verkaufen. Das habe sich erfolgreich entwickelt, so dass er später als Chef von 16 Firmen 60 Mitarbeiter beschäftigt habe. Damals habe er auch seinen ursprünglichen Familiennamen in Xennt ändern lassen - mit Zustimmung der niederländischen Königin Beatrix.

Viel Geld an Bekannte verloren

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Ärger mit der Justiz bekam er seinen Schilderungen zufolge schon Mitte der 1990er Jahre. Damals habe er Computerteile aufgekauft, die sich als gestohlen herausgestellt hätten. Daher wurde er 1998 wegen des Vorwurfs der Hehlerei verhaftet. Im selben Jahr habe er dann alle seine Firmen verkauft, für rund acht Millionen Gulden (etwa 3,6 Millionen Euro).

  • Der Cyberbunker liegt oberhalb von Traben-Trarbach auf dem Mont Royal. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf dem Gelände des früheren Amtes für Wehrgeophysik befinden sich noch zwei weitere Gebäude. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Gelände hat eine Gesamtfläche von 13 Hektar. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Eingang befindet sich (links oben im Bild) hinter dem Antennenmast. Gegenüber haben sich Speditionen angesiedelt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zum Zeitpunkt des Verkaufs war die Liegenschaft noch deutlich besser gepflegt. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Der Altbau wurde 1938/39 als Rohbau einer Luftwaffenschule errichtet, jedoch erst Mitte der 1970er Jahre fertiggestellt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • In der Mitte des Bildes sind die grünen Türme des Bunkers zu erkennnen. Im Hintergrund ist der Tower des Flugplatzes zu sehen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Am Eingang erinnert noch viel an den früherern Besitzer des Geländes, die Bundeswehr. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Rechts neben dem Eingang befindet sich die frühere Wache. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Gegensprechanlage ist herausgerissen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Seit September 2019 ist das komplette Gelände beschlagnahmt, ein Verkauf ist nicht möglich. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Adresse des Cyberbunkers lautet: Über den Weinbergen 1. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die kleinen Rottweiler-Welpen wurden zu Wachhunden ausgebildet. (Foto: Privat/Golem.de)
  • Am 25. September 2019 stürmten Hunderte Beamte das Gelände. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Im 1. Untergeschoss, der sogenannten gelben Sole, befanden sich die Büros des Cyberbunkers. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Das Rechenzentrum versprach "bulletproof hosting" unter allen Bedingungen. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Die 100 bis 200 Arbeitsplätze, die der niederländische Eigentümer versprochen hatte, wurden nie geschaffen. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Im Bunker gab es auch gemütliche Ecken. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Im 2. Untergeschoss befand sich der Serverraum. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Bei der Razzia wurden mehr als 400 Server sichergestellt. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Die Versorgungstechnik im Bunker sollte den Betrieb auch im Ernstfall sicherstellen. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung gab es Batterien. Anschließend sprangen die Dieselaggregate an. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Auch im Innern des Bunkers erinnert noch viel an den früheren Betreiber. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
Der Cyberbunker liegt oberhalb von Traben-Trarbach auf dem Mont Royal. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Internet of Crimes: Warum wir alle Angst vor Hackern haben sollten (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Seine Gutmütigkeit und sein schlechter Umgang mit dem eingenommenen Geld ließen Xennt, der sich als Idealisten darstellte, dann offenbar weiter auf die schiefe Bahn geraten. So will er Millionen an Bekannte verliehen haben, die ihm alle "traurige Geschichten" erzählt hätten. Doch diese seien dann abgetaucht. Dabei habe er mit dem Geld in einem früheren Nato-Bunker in den Niederlanden ein Computermodell entwickeln wollen, das die Zukunft der Erde berechne. Auf der Basis des künftigen Klimas, der Umwelt und der Gesellschaft hätten die Regierungen dann ihre Entscheidungen treffen können.

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Cyberbunker kein "Herzensprojekt" 
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