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Hasskommentare: "Wie würde es im Netz aussehen, wenn es uns nicht gäbe?"

Hannes Ley hat vor rund anderthalb Jahren die Online-Initiative #ichbinhier gegründet. Die Facebook-Gruppe schreibt Erwiderungen auf Hasskommentare und hat mittlerweile knapp 40.000 Mitglieder. Im Interview mit Golem.de erklärt Ley, wie er die Idee aus dem Netz in die echte Welt bringen will.

Ein Interview von Jennifer Fraczek veröffentlicht am
Hannes Ley hat #ichbinhier gegründet.
Hannes Ley hat #ichbinhier gegründet. (Bild: Arne Weychardt)

Golem.de: Herr Ley, Sie haben #ichbinhier Ende 2016 ins Leben gerufen, haben 2017 einen Grimme Online Award bekommen und seit der Gründung viele neue Mitglieder gewonnen. Hate Speech, also Hasskommentare, gibt es aber noch immer. Haben Sie trotzdem das Gefühl, in den letzten anderthalb Jahren etwas erreicht zu haben?

Inhalt:
  1. Hasskommentare: "Wie würde es im Netz aussehen, wenn es uns nicht gäbe?"
  2. Über die Rolle der Redaktionen und die Kritik an #ichbinhier

Hannes Ley: Viele Menschen, die jetzt in unserer Gruppe sind, waren vorher ziemlich frustriert über den vielen Hass im Netz. Jetzt fühlen sie sich als Teil einer Wertegemeinschaft und merken: Partizipation macht wieder Spaß. Außerdem haben wir es geschafft, dass das Thema Hate Speech in den öffentlichen Diskurs gelangt ist. Natürlich gibt es Fälle, in denen wir gegen Hasskommentare nicht ankommen. Es geht auch gar nicht darum, Leute zu überzeugen, sondern darum, stille Mitleser zu erreichen und ausgleichend auf das Gesamtmeinungsbild zu wirken. Seit es uns gibt, haben wir das in fast 2.000 Kommentarspalten gemacht. Ich frage mich schon oft, wie es im Netz aussehen würde, wenn es uns nicht gäbe.

Golem.de: Viele Menschen wissen von #ichbinhier, dass es da diese Gruppe von Leuten gibt, die sich vorgenommen haben, auf Hasskommentare mit sachlichen Argumenten und in einem angenehmen Tonfall zu antworten. Aber das macht ja nicht jeder für sich, die Aktionen sind organisiert. Wie läuft das ab?

Hannes Ley: Wir sehen alle 60 bis 120 Minuten die Facebook-Kommentarspalten von etwa 30 Medienseiten durch, etwa von zdf.de, Bild.de, Spiegel online, sueddeutsche.de und welt.de. Wenn wir bei einem Artikel in der ersten halben Stunde nach seiner Veröffentlichung eine Häufung von Hasskommentaren feststellen, überlegen wir, ob wir eine Aktion starten. Aktion heißt, wir posten den Link zu dem Artikel in die #ichbinhier-Facebook-Gruppe und rufen ihre Mitglieder auf, sachliche, empathische Kommentare dagegen zu schreiben, und diese zu liken, damit sie in der Kommentarspalte nach oben rutschen.

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Golem.de: Wie viele Leute machen da mit?

Hannes Ley: Insgesamt hat die Facebook-Gruppe #ichbinhier knapp 40.000 Mitglieder. Pro Artikel machen 100 bis 200 Leute mit, die gegen Hasskommentare schreiben.

Golem.de: Indem sie auf jeden einzelnen Hasskommentar antworten?

Hannes Ley: Manche antworten, schreiben also Sub-Level-Kommentare, andere machen einen neuen Top-Level-Kommentar auf. Das Problem bei Sub-Level-Kommentaren ist, dass sie verschwinden, sobald der Autor des ersten Kommentars seinen eigenen Beitrag löscht. Außerdem kommen Likes für einen Sub-Level-Kommentar von #ichbinhier indirekt auch dem Ursprungskommentar zugute, weil der dann auch prominenter angezeigt wird.

Über die Rolle der Redaktionen und die Kritik an #ichbinhier 
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Kupferfuchs 18. Jul 2018 / Themenstart

Für mich unterscheidet sich diese Aktion bloß durch das politische Vorzeichen von anderen...

Kupferfuchs 18. Jul 2018 / Themenstart

Ich stehe dieser Aktion kritisch gegenüber und lehne sie aus folgenden...

sternsche 17. Jul 2018 / Themenstart

Nadzi Radar hat angeschlagen! Sehr gut!

Oil 17. Jul 2018 / Themenstart

Wie auch?! Das sind Laien. Ob etwas strafbar ist, kann ein Gericht entscheiden aber...

ThadMiller 16. Jul 2018 / Themenstart

Quatsch

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