Abo
  • Services:

Hasskommentare: Datenschützer gegen Klarnamenzwang bei Online-Zeitung

Der schleswig-holsteinische Zeitungsverlag verlangt einen Klarnamenzwang für Online-Kommentatoren. Nun bekommt er Ärger von der zuständigen Datenschutzbeauftragten Hansen.

Artikel veröffentlicht am ,
Wer diese Artikel kommentieren will, muss sich mit seinem richtigen Namen anmelden.
Wer diese Artikel kommentieren will, muss sich mit seinem richtigen Namen anmelden. (Bild: shz.de/Screenshot: Golem.de)

Für den Kampf gegen Hasskommentare unter Online-Artikeln verlangt der schleswig-holsteinische Zeitungsverlag (SHZ) inzwischen eine Klarnamenpflicht bei der Anmeldung. "Wir bitten um Verständnis dafür, aber eine anonyme oder pseudonyme Nutzung ist uns nicht mehr zumutbar", heißt es in den Richtlinien für Kommentare. Die Redaktion behalte sich vor, einen Nachweis des Namens einzufordern. "Erfolgt dies nicht innerhalb einer gesetzten Frist, erfolgt die Löschung des Nutzerprofils", schreibt der Verlag.

Stellenmarkt
  1. Dürr Systems AG, Bietigheim-Bissingen
  2. tecmata GmbH, Wiesbaden

Angesichts zahlreicher rassistischer und fremdenfeindlicher Kommentare in der Flüchtlingsdebatte wird die Kommentarfunktion bei entsprechenden Artikeln häufig abgeschaltet. Manche Medien wie die thüringische NZZ-Online rechtfertigten sich bereits dafür, ihre Kommentarspalten trotz eindeutig rechter Parolen zugänglich zu lassen. Die Redaktion des SHZ fühlt sich nach eigenen Angaben hingegen mit der Kontrolle anonymer oder pseudonymer Kommentare überfordert.

Anonyme Nutzung vorgeschrieben

Das will die schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Maret Hansen nicht gelten lassen. "Das Telemediengesetz sieht vor, dass Diensteanbieter die Nutzung ihrer Angebote auch unter einem Pseudonym oder anonym anbieten müssen", sagte Hansen der Berliner Tageszeitung (taz). Zumindest soweit dies technisch möglich und zumutbar sei. Beides sei aber im Falle des SHZ gegeben. Damit vertritt Hansen die Position ihres Vorgängers Thilo Weichert, der jahrelang einen vergeblichen Kampf gegen die Klarnamenpflicht bei Facebook geführt hatte.

Nach Ansicht Hansens gibt es keine Notwendigkeit, den Klarnamen einzufordern, schließlich funktioniere die Nutzung von Pseudonymen bei anderen Nachrichtendiensten ebenfalls gut. Zudem gebe es die Möglichkeit, justiziable Kommentare durch eine Moderation der Seite zu löschen oder Nutzer, die gegen die hauseigene Netiquette verstießen, zu sperren. Letztere Möglichkeit sieht der SHZ in seinen Richtlinien ausdrücklich vor.

Verlag will Ausweiskopie einfordern

Unklar ist zudem, wie der Verlag die Identität der Nutzer überprüfen will. Es werde über das Einfordern einer Ausweiskopie nachgedacht, sagte die Redaktion laut taz. Hansen sieht darin einen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Daher dürfe der SHZ keinen Identitätsnachweis verlangen. Hansen hat dem Bericht zufolge inzwischen mit der Redaktion gesprochen, die ihre Richtlinien nun juristisch überprüfen lassen wolle.

Die Debatte über eine Klarnamenpflicht ist ein Dauerbrenner der Netzpolitik. Zuletzt hatte sich der Rechtswissenschaftler Gerald Spindler auf einer Veranstaltung zur Zukunft des Urheberrechts dafür ausgesprochen, die Anonymität im Netz, die für viele Nerds eine heilige Kuh sei, auch mal zu schlachten. Dem wird regelmäßig entgegenhalten, dass Nutzer, die nicht mehr die Möglichkeit haben, sich anonym oder unter Pseudonym zu äußern, sich künftig überhaupt nicht mehr trauen werden, ihre Meinung online zu artikulieren beziehungsweise über ihre Erfahrungen zu berichten oder Informationen und Erlebnisse preiszugeben. Die Abschaffung der Anonymität im Netz könnte sich daher negativ auf die Meinungs- und Informationsfreiheit auswirken.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 24,99€
  2. 20,99€
  3. 23,49€
  4. 59,99€

Anonymer Nutzer 20. Feb 2016

Ahja... Kopie erlaubt aber Scan nicht... Wo ist da jetzt der Unterschied? So ein...

Kleba 20. Feb 2016

Das mit der Familie muss ja noch nicht mal was irgendwie schlimmes sein. Vielleicht...

Youssarian 19. Feb 2016

Eigentlich geht es ja eher um die Freiheit der Rede, also das Äußern einer Meinung...

SelfEsteem 18. Feb 2016

Bei "rechtsradikal" ist auch mehr das "radikal" die Vorlage fuer die Argumentation...

SelfEsteem 18. Feb 2016

Gegen Links? Nichts einzuwenden - das waere dumm. Rechts der SPD? Naja ... nein, damit...


Folgen Sie uns
       


Bundesregierung über Lernsoftware gehackt - Bericht

Der Hacker-Angriff auf die Bundesregierung erfolgte offenbar über eine Lernsoftware.

Bundesregierung über Lernsoftware gehackt - Bericht Video aufrufen
Datenschutz: Der Nutzer ist willig, doch die AGB sind schwach
Datenschutz
Der Nutzer ist willig, doch die AGB sind schwach

Verbraucher verstehen die Texte oft nicht wirklich, in denen Unternehmen erklären, wie ihre Daten verarbeitet werden. Datenschutzexperten und -forscher suchen daher nach praktikablen Lösungen.
Ein Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti

  1. Denial of Service Facebook löscht Cybercrime-Gruppen mit 300.000 Mitgliedern
  2. Vor Anhörungen Zuckerberg nimmt alle Schuld auf sich
  3. Facebook Verschärfte Regeln für Politwerbung und beliebte Seiten

Far Cry 5 im Test: Schöne Welt voller Spinner
Far Cry 5 im Test
Schöne Welt voller Spinner

Der Messias von Montana trägt Pornobrille und hat eine Privatarmee - aber nicht mit uns gerechnet: In Far Cry 5 kämpfen wir auf Bergwiesen und in Bauernhöfen gegen seine Anhänger. Das macht dank einiger Serienänderungen zwar Spaß, dennoch verschenkt das Actionspiel von Ubisoft viel Potenzial.
Von Peter Steinlechner

  1. Far Cry 5 Offenbar Denuvo 5 und zwei weitere Schutzsysteme geknackt
  2. Ubisoft Far Cry 5 schafft Serienrekord und Spieler werfen Schaufeln
  3. Ubisoft Far Cry 5 erlaubt Kartenbau mit Fremdinhalten

Razer Nommo Chroma im Test: Blinkt viel, klingt weniger
Razer Nommo Chroma im Test
Blinkt viel, klingt weniger

Wenn die Razer Nommo Chroma eines sind, dann auffällig. Dafür sorgen die ungewöhnliche Form und die LED-Ringe, die sich beliebig konfigurieren lassen. Die Lautsprecher sind aber eher ein Hingucker als ein Hinhörer.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Razer Kiyo und Seiren X im Test Nicht professionell, aber schnell im Einsatz
  2. Stereolautsprecher Razer Nommo "Sind das Haartrockner?"
  3. Nextbit Cloud-Speicher für Robin-Smartphone wird abgeschaltet

    •  /